Am Anfang war der Bahnhof: Die Entstehung der Evangelischen Kirchengemeinde Konz-Karthaus

Die im äußersten Westen von Rheinland-Pfalz an der Mosel gelegene Diasporagemeinde Konz-Karthaus kann auf eine ungewöhnliche Gründungsgeschichte zurückblicken. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts ließen sich im Zuge der Industrialisierung die ersten evangelischen Christen in Konz, Merzlich und den umliegenden Ortschaften nieder. Es handelte sich dabei vor allem um Rottenarbeiter und Beamte, die beim Bau der Eisenbahn beschäftigt waren. Während die Beamten überwiegend aus dem Raum Saarbrücken stammten, kamen die Arbeiter vor allem aus St. Wendel und dem benachbarten Hunsrück. Einen weiteren starken Zuzug brachte der Ausbau des Centralbahnhofs Karthaus zu einem wichtigen Eisenbahnknoten sowie die Eröffnung der Königlichen Eisenbahn-Nebenwerkstätte im Jahr 1879 mit sich. Bis 1884 wuchs die evangelische Bevölkerung auf etwa 120 bis 150 Personen an.

Centralbahnhof Karthaus, 1920er Jahre; aus: Kläs / Wallrich, 100 Jahre evangelische Christen in Konz
aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 150B, Nr. 89

Die nächstgelegene evangelische Kirche befand sich im rund neun Kilometer entfernten Trier. Aufgrund der beschwerlichen Anreise bemühten sich die Trierer Pfarrer, in Konz einen geeigneten Raum für Gottesdienste anzumieten. Die mit großer Mehrheit katholische Bevölkerung verhielt sich jedoch außerordentlich reserviert. Nachdem diese Versuche gescheitert waren, wandte sich Superintendent Klein an verschiedene Trierer Behörden und hatte wider Erwarten schnell Erfolg: Das Königliche Eisenbahn-Betriebsamt teilte mit Schreiben vom 26. Juli 1884 mit, den Speisesaal des Verwaltungsgebäudes der Königlichen Nebenwerkstätte zu Karthaus alle vier Wochen zur Verfügung zu stellen. Dort fand am 17. August 1884 der erste Gottesdienst statt, bei dem Superintendent Klein über Apostelgeschichte 17,16–34 predigte. Aus Berlin sandte der Evangelische Oberkirchenrat als Geschenk „zum Gebrauch bei den evangelischen Gottesdiensten auf dem Centralbahnhof Karthaus“ eine Ausgabe der Agende mit handschriftlicher Widmung. Bei den im vierwöchigen Rhythmus abgehaltenen Gottesdiensten war der „Betsaal“, wie der Speiseraum genannt wurde, immer bis auf den letzten Platz besetzt.

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Throwback I: Impressionen vom Ev. Kirchenarchivtag in Bielefeld 2026

Das Hauptarchiv der v. Bodelschwinghschen Stiftung Bethel und das Landeskirchliche Archiv der Ev. Kirche von Westfalen luden vom 27.-28. April zum diesjährigen Ev. Kirchenarchivtag nach Bielefeld. Im Rahmen der Veranstaltung wurde der Schwerpunkt besonders auf die Archivierung digitaler Datenbestände sowie den archivischen Umgang mit Personalakten gelegt. Ziel war es, den Teilnehmenden wertvolle Impulse für die Arbeit in ihren Archiven mitzugeben.

Die Gastgeberinnen Kerstin Stockhecke (Hauptarchiv Bethel) und Ingrun Osterfinke (Archiv der EKvW).

Schon in seinem Eröffnungsvortrag hat Martin Kamp vom Archiv der EKvW einen interessanten Erfahrungsbericht zum Thema Retrodigitalisierung geliefert. Die Online-Bereitstellung von analogem Archivgut gewinnt für Archive zunehmend an Bedeutung. Einerseits kann hier die Sichtbarkeit archivischer Institutionen erhöhrt werden, andererseits spiegelt sie die Erwartungshaltung vieler Nutzender wider. In diesem Bereich besteht jedoch signifikanter Nachholbedarf. Eine Anaylse der im Archivportal NRW verfügbaren Digitaliste ergab, dass lediglich 1% davon aus kirchlichen Archiven stammt. Zum Vergleich sei angemerkt, dass kommunale Archive auf 5% und das Landesarchiv NRW auf stolze 93% bereitgestellter Digitalisate verweisen können.

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Neue Vitrinenausstellung im Haus der Landeskirche

Anlässlich der Begrüßung der Mitarbeitenden des Kirchentagsteams im Haus der Landeskirche widmet sich die neue Vitrinenausstellung des Landeskirchlichen Archivs den Kirchentagen in Düsseldorf.

Im kommenden Jahr wird der Deutsche Evangelische Kirchentag in Düsseldorf zu Gast sein – und das nicht zum ersten Mal.

Bereits in den Jahre 1973 und 1985 fand der Kirchentag in der Rheinmetropole statt. Beide haben die Entwicklung und die Geschichte des Kirchentags auf ihre ganz eigene Weise geprägt und Superlative gesetzt.

Die Ausstellung zeigt neben den Mottoplakaten auch spannende Originaldokumente und fotografische Eindrücke der vergangenen Kirchentage, ordnet sie in den Entwicklungskontext ein und stimmt auf das kommende Großereignis ein. Ein besonderes Ausstellungstück ist dabei der Staffelstab, der nach jedem Kirchentag mit einer Plakette der gastgebenden Stadt versehen und dann an die nächste einladende Stadt weitergegeben wird – ein sichtbares Zeichen der Kontinuität und Verbundenheit.

2027 wird nun das nächste Kapitel in der Geschichten der Düsseldorfer Kirchentage geschrieben und die Vorfreude ist jetzt schon groß!

Zu sehen ist die Ausstellung im Alten Foyer im Haus der Landeskirche. Die meisten der Exponate stammen aus dem Archivbestand 1OB 031 Landesausschuss Rheinland des Deutschen Evangelischen Kirchentags. Wer sich weiter mit der Geschichte des Kirchentags beschäftigen möchte, findet hier reichhaltiges Quellenmaterial.