In den 1960er und 70er Jahren nimmt der Kaiserswerther Pfarrer Bernhard Wiebel als Mitglied der Kirchlichen Bruderschaft im Rheinland an den Allchristlichen Friedensversammlungen in Prag teil und ist an der Arbeit der Christlichen Friedenskonferenz (CFK) in der Bundesrepublik aktiv beteiligt. Die Christliche Friedenskonferenz war eine 1958 ins Leben gerufene internationale Friedensorganisation, die maßgeblich vom tschechischen protestantischen Theologen Josef L. Hromádka geprägt wurde.
Christliche Friedenskonferenz in Prag 1961 oder 1968 mit Pfarrer Bernhard Wiebel (Mitte); Quelle: AEKR 7NL 017, Nr. 145; Fotograf unbekannt
Bernhard Wiebel war von 1951 bis zu seiner Emeritierung 1972 Pfarrer an der Evangelischen Diakonissenanstalt Kaiserswerth. Zuvor war er vier Jahre Superintendent des Kirchenkreises Trier und Pfarrer in Gerolstein (1934-1951).
Die Erschließung von Archivbeständen ist eine der zentralen Aufgaben archivarischer Tätigkeit. Denn nur eine systematische Erschließung ermöglicht die Bereitstellung von Archivalien für Öffentlichkeit und Forschung. Vor diesem Hintergrund gehört sie daher gewissermaßen zum „daily business“ des Archivalltags.
Es ist somit nur folgerichtig, regelmäßig den Blick auf die eigene Erschließungspraxis zu richten, diese näher unter die Lupe zu nehmen und zu hinterfragen, für wen genau wie erschlossen wird? Ähnlich hat das LVR-AFZ gedacht und den Workshop „Moderne Erschließung“ angeboten. Hierfür durften wir das AFZ Ende April im Landeskirchenamt begrüßen und die Veranstaltung gemeinsam ausrichten.
Nach Anmeldung, Begrüßungskaffe und einer Vorstellungsrunde startete der Workshop direkt mit fünf Thesen zu Erwartungen Archivnutzender und ihrer Implikationen. Diskutiert wurde unter anderem inwiefern sich Vorgehensweisen bei Erschließungsarbeiten ändern, wenn Nutzende darauf bauen, auf Bestandsinformationen und Daten jederzeit, von überhall aus und voraussetzungsfrei zugreifen zu können? Wie verfährt man, wenn bei Nutzenden davon auszugehen ist, dass sie bei ihren Recherchern nicht in behördlichen Strukturen denken oder kein bzw. wenig Vorwissen zu Sperrfristen mitbringen? Welchen Einfluss üben Informationsportale wie Wikipedia oder KI-Tools aus und welche Schritte müssten Archive einleiten, um ihr „Bestandsangebot“ stärker in den Fokus potentieller Archivnutzender zu rücken?
Taschenkalender 1939, aus: Bestand 7NL 060 (Albert Rosenkranz)
Für die Organisation des pfarramtlichen Alltags war er sicher so unverzichtbar wie heute das Smartphone: der Tischkalender. Dieses Exemplar „für Pult und Tasche“ für das Jahr 1939 stammt aus dem Nachlass von Albert Rosenkranz (1876-1975), der bis 1951 das Provinzialkirchenarchiv, das heutige Landeskirchliche Archiv, leitete.
Albert Rosenkranz hat ihn nur wenig genutzt. Eingetragen sind lediglich ein paar Geburtstage und einige wenige Notizen, die zum Teil fast tagebuchartig wirken. Im April notierte er beispielsweise mehrere Tage lang das Wetter. „Herrlichstes Wetter“ am 9. April, „unbeständig warm mit Regen“ am 13. April usw.
Schließlich nutzte er die vielen leergebliebenen Seiten, um seine kirchenhistorischen Arbeiten zu Papier zu bringen.
Bei allem, was der Kalender über Albert Rosenkranz aussagt, ist auch der Kalender selbst ein zeithistorisches Objekt und versprüht auf jeder Seite den nationalsozialistischen Geist der Zeit. Jede Doppelseite ist überschrieben mit einem zeittypischen Zitat. Bis auf wenige Ausnahmen stammen die meisten von Adolf Hitler und sind gewohnt kämpferisch.
Taschenkalender 1939, aus: Bestand 7NL 060 (Albert Rosenkranz)
Taschenkalender 1939, aus: Bestand 7NL 060 (Albert Rosenkranz)
Der 16-seitige Anhang beinhaltet jede Menge Informationen zum Alltag im nationalsozialistischen Staat. Es gibt zum Beispiel eine Liste der Feiertage, die neben den üblichen christlichen Feiertagen auch den Heldengedenktag und den Nationalen Feiertag des deutschen Volkes aufführt. Außerdem findet sich eine weitere lange Liste mit sogenannten Gedenktagen, wozu unter anderem die Geburtstage Adolf Hitlers und Hermann Görings gehören sowie die Einführung der Hakenkreuzflagge als Nationalflagge durch das Reichsflaggengesetz vom 15.9.1935.
Hinzu kommen ausführliche Informationen, für die wir heute schnell zum Smartphone greifen würden: aktuelle Post- und Bahntarife, Größen- und Gewichtseinheiten, Hinweise zum Wehr-, Arbeits- und Luftschutzdienst und einiges mehr.
Der Tischkalender dokumentiert damit nicht nur den Alltag seines Besitzers, sondern auch den Geist einer ganzen Zeit.
Die im äußersten Westen von Rheinland-Pfalz an der Mosel gelegene Diasporagemeinde Konz-Karthaus kann auf eine ungewöhnliche Gründungsgeschichte zurückblicken. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts ließen sich im Zuge der Industrialisierung die ersten evangelischen Christen in Konz, Merzlich und den umliegenden Ortschaften nieder. Es handelte sich dabei vor allem um Rottenarbeiter und Beamte, die beim Bau der Eisenbahn beschäftigt waren. Während die Beamten überwiegend aus dem Raum Saarbrücken stammten, kamen die Arbeiter vor allem aus St. Wendel und dem benachbarten Hunsrück. Einen weiteren starken Zuzug brachte der Ausbau des Centralbahnhofs Karthaus zu einem wichtigen Eisenbahnknoten sowie die Eröffnung der Königlichen Eisenbahn-Nebenwerkstätte im Jahr 1879 mit sich. Bis 1884 wuchs die evangelische Bevölkerung auf etwa 120 bis 150 Personen an.
Centralbahnhof Karthaus, 1920er Jahre; aus: Kläs / Wallrich, 100 Jahre evangelische Christen in Konz
aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 150B, Nr. 89
Die nächstgelegene evangelische Kirche befand sich im rund neun Kilometer entfernten Trier. Aufgrund der beschwerlichen Anreise bemühten sich die Trierer Pfarrer, in Konz einen geeigneten Raum für Gottesdienste anzumieten. Die mit großer Mehrheit katholische Bevölkerung verhielt sich jedoch außerordentlich reserviert. Nachdem diese Versuche gescheitert waren, wandte sich Superintendent Klein an verschiedene Trierer Behörden und hatte wider Erwarten schnell Erfolg: Das Königliche Eisenbahn-Betriebsamt teilte mit Schreiben vom 26. Juli 1884 mit, den Speisesaal des Verwaltungsgebäudes der Königlichen Nebenwerkstätte zu Karthaus alle vier Wochen zur Verfügung zu stellen. Dort fand am 17. August 1884 der erste Gottesdienst statt, bei dem Superintendent Klein über Apostelgeschichte 17,16–34 predigte. Aus Berlin sandte der Evangelische Oberkirchenrat als Geschenk „zum Gebrauch bei den evangelischen Gottesdiensten auf dem Centralbahnhof Karthaus“ eine Ausgabe der Agende mit handschriftlicher Widmung. Bei den im vierwöchigen Rhythmus abgehaltenen Gottesdiensten war der „Betsaal“, wie der Speiseraum genannt wurde, immer bis auf den letzten Platz besetzt.
Die Gastgeberinnen Kerstin Stockhecke (Hauptarchiv Bethel) und Ingrun Osterfinke (Archiv der EKvW).
Schon in seinem Eröffnungsvortrag hat Martin Kamp vom Archiv der EKvW einen interessanten Erfahrungsbericht zum Thema Retrodigitalisierung geliefert. Die Online-Bereitstellung von analogem Archivgut gewinnt für Archive zunehmend an Bedeutung. Einerseits kann hier die Sichtbarkeit archivischer Institutionen erhöhrt werden, andererseits spiegelt sie die Erwartungshaltung vieler Nutzender wider. In diesem Bereich besteht jedoch signifikanter Nachholbedarf. Eine Anaylse der im Archivportal NRW verfügbaren Digitaliste ergab, dass lediglich 1% davon aus kirchlichen Archiven stammt. Zum Vergleich sei angemerkt, dass kommunale Archive auf 5% und das Landesarchiv NRW auf stolze 93% bereitgestellter Digitalisate verweisen können.
Anlässlich der Begrüßung der Mitarbeitenden des Kirchentagsteams im Haus der Landeskirche widmet sich die neue Vitrinenausstellung des Landeskirchlichen Archivs den Kirchentagen in Düsseldorf.
Im kommenden Jahr wird der Deutsche Evangelische Kirchentag in Düsseldorf zu Gast sein – und das nicht zum ersten Mal.
Bereits in den Jahre 1973 und 1985 fand der Kirchentag in der Rheinmetropole statt. Beide haben die Entwicklung und die Geschichte des Kirchentags auf ihre ganz eigene Weise geprägt und Superlative gesetzt.
Die Ausstellung zeigt neben den Mottoplakaten auch spannende Originaldokumente und fotografische Eindrücke der vergangenen Kirchentage, ordnet sie in den Entwicklungskontext ein und stimmt auf das kommende Großereignis ein. Ein besonderes Ausstellungstück ist dabei der Staffelstab, der nach jedem Kirchentag mit einer Plakette der gastgebenden Stadt versehen und dann an die nächste einladende Stadt weitergegeben wird – ein sichtbares Zeichen der Kontinuität und Verbundenheit.
2027 wird nun das nächste Kapitel in der Geschichten der Düsseldorfer Kirchentage geschrieben und die Vorfreude ist jetzt schon groß!
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