Digital dark age in der Rheinischen Kirche?

In der heutigen Ausgabe der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung widmet sich Corinna Budras unter dem Titel „Für immer verloren“ (ohne Fragezeichen!) dem schon öfter diagnostizierten Problem, dass es keine gesicherte Langzeitarchivierung für die stetig wachsende Menge an digitalen Daten gibt. Deren Volumen wird 2020 nach Prognosen weltweit bei etwa 40 Zettabytes liegen – und damit 50-mal so hoch wie noch 2010. Bei ihrem eher pessimistischen Ausblick beruft sie sich auf Experten wie den amerikanischen Informatiker Vint Cerf und Klaus Nippert vom Karlsruher KIT. Vieles davon kennt man bereits von der bei ARTE ausgestrahlten Dokumentation „Unser digitales Gedächtnis“. Einen knappen, aber informativen Einstieg in das drohende dunkle digitale Zeitalter bietet auch der englische Wikipedia-Artikel.

Zurück von der Zukunft(sdeutung) zur praktischen Arbeit: Im Archiv der EKiR stehen wir wie viele Kolleginnen und Kollegen vor allem vor der Herausforderung, Überlieferungswege für die vagabundierende E-Mail-Kommunikation im Landeskirchenamt und anderen kirchlichen Ämtern und Einrichtungen zu entwickeln.  Viele Mails, die durchaus als Briefersatz für den Geschäftsgang hochrelevant sein können, werden nicht vom bestehenden Dokumentenmanagement erfasst und sind spätestens etwa mit dem Ruhestand ihrer Verfasser verloren. Der in Sonntagsreden vielbeschworenen Transparenz des Verwaltungshandelns ist dies gewiss nicht förderlich.

An die Zehn Gebote kann man sich auch im Dialekt halten – oder diese zumindest lesen

Zehn Gebote im Dialekt; Ewald Luhr: Mülheimer Mundart „Choon hen on doon datßelve“ (1989); Horst Hörpel: Use Vadder im Hiemel (2017)

Nach dem Sinn von christlicher Verkündigung in Mundart fragt 1986 Joseph Storm in seinem Beitrag „Predigten in niederrheinischer Mundart“ und formuliert im Titelzusatz „Nostalgie oder Glaube vom Kopf ins Herz?“ (Jahrbuch für den rechten Niederrhein, Band 1.1987, S. 160-162). Pfarrer Ewald Luhr schreibt im Vorwort seiner Predigtsammlung in Mülheimer Mundart „Choon hen on doon datßelve“ (1989): „Hat Jesus Mölmsch Platt gesprochen? Spricht man im Himmel Hunsrücker Platt? Wir … schmunzeln über die Verbindung des Heiligen mit dem derben Mundartklang und fragen uns vielleicht, ob und wie das zusammenpaßt. Erinnern wir uns an Luthers Rat, ‚dem Volk aufs Maul zu schauen‘, dann löst sich der scheinbare Widerspruch auf.“ (Der Buchtitel lautet übrigens in Hochdeutsch: „So geh hin und tu desgleichen“ (Lukas 10, Vers 37). Weiterlesen

April Challenge #Archive30 – Tag 28: Unusual item

Lederpeitsche als Geschenk an ehem. Präses Peter Beier, ohne Widmung; aus Bestand: AEKR 6HA 030 (Handakten Präses Peter Beier), 156

Diese Lederpeitsche ist sicherlich einer der ungewöhnlichsten Gegenstände (unusual item), die unser Archiv zu bieten hat. Sie gelangte im Jahr 1997 im Handaktenbestand von Präses Peter Beier in das Landeskirchliche Archiv.
Peter Beier (*1934) war von 1989 bis zu seinem plötzlichen Tod im Jahr 1996 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Als Besonderheit beinhaltet der Handaktenbestand mehrere Kartons mit Geschenken, die Beier während seiner Amtszeit erhalten hat. Stickereien, Wandtäfelchen, verzierte Kerzen, Gedenkmünzen und Anstecknadeln lassen mit Hilfe von Beschriftungen und Widmungen meist recht eindeutig auf den Schenkenden oder den besonderen Anlass zurückschließen. Viele der Geschenke stammen aus Russland, Indonesien, USA – Länder in denen Beier sich besonders engagierte. Es gibt auch eine maßstabsgetreu Nachbildung einer Bergbaulore, ein Geschenk der Belegschaft einer Zeche, für deren Mitarbeiter Beier sich in der Steinkohlekrise eingesetzt hatte.

Aber warum schenkte jemand dem Präses eine Lederpeitsche? Zu welchem Anlass? Und vor allem wer? Wir wissen es nicht. Leider besitzt sie weder eine Widmung noch ein Begleitschreiben oder Ähnliches. Hinweise auf die Herkunft sind willkommen!

Der Satan spielt nicht mit – die Rolling Stones in Düsseldorf

Pressekonferenz mit den Rolling Stones, Mick Jagger, Düsseldorf, 11.09.1965, Fotograf: Hans Lachmann, Schachtel Nr. 142: Beat, aus Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv),7_002503

Musik spielt für die Kirche zweifelsohne eine große Rolle – nicht nur im Gottesdienst. Daher begleitete die evangelische Kirche alles, was sich in den sechziger Jahren an neuer Musik in der Jugendscene entwickelte, mit Argwohn. Dies insbesondere dann, wenn sie mit einem spirituellen Touch daherkam. Die Amtskirche befürchtete, dass Rockmusik von Bands wie den Rolling Stones, Beatles,  Black Sabbath, The Who, ACDC u.a. die Jugendlichen noch weiter von dem christlichen Glauben entfremdet, und diskutierte, ob es opportun sei, die schädlichen Begleiterscheinungen dieser Musik öffentlich herauszustellen – etwa ihre „umstürzlerischen Züge“ und ihren „Okkultismus“, vor allem ihre „satanistischen Liedtexte“. Diashow ⇩
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April Challenge #Archive30 – Tag 19: favourite Tool

Tool Bridge aus dem Hause Adobe, Erschließung von digitalen Fotos nach XMP;

Heute ist Tag 19 der April Challenge #Archive30 zum Thema „favourite Tool“. Eines meiner liebsten Tools ist Bridge. Damit lassen sich digitale Fotos nach XMP erschließen (auch mehrere gleichzeitig!). Die Metadaten werden dabei direkt im Bild gespeichert und anschließend mit unserer Fotodatenbank verwaltet.

 

Biblische Quizkarten

Biblische Quizkarten aus den 60/70er Jahren

Biblische Quizkarten aus den 60/70er Jahren

Zwischen einem Stoß alter Zeitungen die zur Kassation bestimmt waren fand sich ein Bibelquiz über dessen Herkunft nichts bekannt ist. Das Quiz besteht aus 48 Fragekarten mit Antworten. Je nach Schwierigkeit der Frage gibt es 1 bis 4 Punkte. Weiter findet sich auf jeder Quizkarte neben der Nummer ein Datum. Das Deckblatt, ebenso wie die Anleitung sind nicht vorhanden. Es befindet sich in einer Kartenspielbox mit einem transparentem Deckel und einem farbigen Boden. Auf dem Boden steht: „Schmid´s  Münchner  Spielkarten seit 1860.  Die alte deutsche Marken=Spielkarte seit 100 Jahren.“ Wer weiß mehr über dieses Bibelquiz? Gabe es noch andere Ausgaben?

April Challenge #Archive30 – Tag 17: A collection (eine Sammlung)

Auch wenn das Jäger- und Sammlertum nicht zu den archivarischen Tugenden gehört – Sammelgut hat in Archivbeständen seinen festen Platz. In der Evangelischen Archivstelle Boppard ist insbesondere die Dienstsiegelsammlung im steten Wachstum begriffen. Nicht mehr im Gebrauch befindliche Siegelstempel werden aufgrund ihres dreidimensionalen Formats nicht mit dem sonstigen Schriftgut, sondern in einer besonderen Sammlung aufbewahrt. Für Ausstellungen zu Gemeindejubiläen werden besonders gerne die älteren Stücke präsentiert, auf denen oftmals der preußische Adler zu sehen ist.

April Challenge #Archive30 – Tag 17: A Collection – eine Sammlung

Analoge Fotos der Fotosammlung Hans Lachmann werden laufend digitalisiert und für die Recherche und Nutzung aufbereitet.

Neben Schriftgut, werden bei uns auch analoge Fotos archiviert. So sieht es aus, wenn 1000ende Fotos im Archivregal in Fotoschachteln aufbewahrt werden. Die Fotos stammen aus dem Fotografennachlass Hans Lachmann.

Analoge Fotos aus der Fotosammlung Presseverband (8SL 069)

Die Fotos werden laufend digitalisiert, mit Metadaten erschlossen und für die Recherche sowie Nutzung aufbereitet. Im digitalen Bildarchiv Bestand 8SL 046 (Bildarchiv), können die Fotos dann nach Schlagworten durchsucht und in digitaler Form herunter geladen werden.

Aber schauen Sie selbst:
➦ Das Bildarchiv des AEKR 

April Challenge #Archive30 – Tag 16: Something big (etwas Großes)

Petition der evangelischen Bürger Aachens zur öffentlichen Religionsausübung an Kaiser und Reichsstände, 10. April 1559 Aachen, Original-Pergamenturkunde mit 6 beschädigten Siegeln und 92 Unterschriften, H 51 cm x B 61,5 cm, Lizenz: CC-0, aus Bestand: AEKR Düsseldorf 4KG004 (Ev. Kirchengemeinde Aachen), Urkunde 6

Etwas Großes aus dem Archiv der Ev. Kirche im Rheinland? 
– Aber ja, unsere Original-Pergamenturkunde aus dem Bestand 4KG 004 (Ev. Kirchengemeinde Aachen), Nr. 6, misst stolze H 51 cm x B 61,5 cm. Sie ist ein wertvolles Zeugnis zur Reformationsgeschichte und den Auseinandersetzungen um die freie Religionsausübung in Aachen. Die Urkunde wurde bereits mehrfach publiziert sowie in Ausstellungen gezeigt. Zuletzt 2017 in Aachen zum Thema: „Das Ringen um den Rechten Glauben“, siehe auch im Ausstellungskatalog, S. 65.

Urkundenregest:

Adam von Tzevell, Wilhelm Engelbrecht, Joh. vam Hyrtz gen. Lanskronn, Karl
Gronendall, Franz van Endenn, Gyllis van der Kammenn, Hermann Bertolff,
Rolantt van der Cammen, Mylchiel Lewen, Joh. Rulandt, Claeß van Münster,
Claeß van Münster, der Jonge, Caspar Tzegelynn, Tyges van Hoeselt, Wilhelm
Koch, Doechscherre, Claes van Ammell, Peter Noustat, Gerhard Pael, Peter
Tzulben der Junghe, Joh. van Syegen, Jakob Büter (?), Joh. Thyllen, Thys
Symon, der Junge Ratsverwandte, sowie die Bürger Wilhelm Pastoir, Adolf van
Lyntzenich, Baltasar von Lyntzenich, Ludolf von Lintzenich, Joh. Amya,
Christoph van Stommel, Peter van Tzevell, Jakob van Lyntzenich, Servaes van
Collen, der Junste, Her Willem van Blickenberch, Rynhard Borman, Clays Amya,
Peter Rose, Steinmetz, Renert van Failß, Phlipß Thiellenn, Jaspar Clousse,
Walraeff Blanckart, Jakob Schorn, Simon van Theymann, Thys Boutden,
Heinrich Fibis, Geryt Paunell, Efferaet van Nutt, This Buß, Clais Hammer,
Gerleich Radermecher, Michel Klocker, Heinrich Myes, Peter Laubach, Peter
Beck, der Junge, Jan van Dalem, Wilhelm van Roumpen, Lenart faun Fourendall,
Wilhelm Raeloff, Thys van Collen, Johann Steynmetzer, Paul van den Weyer,
Bartholomäus Proeest, Malebrant Kis (?), Franz Meys, Joh. Thonen, Joh. Cuffen
(?), Roloff Cuper, Jan van Enden, Lenart van Enden, Gills Queven (?), Jan
Tiefricze (?), Mathewes Warhoußman, Pierre Moriel, Jakob van Remeyster,
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Den Gefallenen zur Mahnung

Gefallener Pastor wurde postmortal getraut“ – so war es Anfang März in diesem Blog zu lesen.  Dass es aber auch ein eigenes liturgisches Formular für die Trauung Gefallener gab, mit dem sich sogar die Provinzialsynode befasst hat, erscheint auf den ersten Blick noch erstaunlicher. Und doch trägt der § 160 der rheinischen Provinzialsynodalverhandlungen des Jahres 1853 genau diese Überschrift.

Protokoll der 8. Rheinischen Provinzialsynode 1853, S. 276

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