Rheinischer Archivtag 2026 in Ratingen

59. Rheinischer Archivtag, Foto: A. Hansen
Archivteam AEKR, Foto: A. Hansen
Stadthalle Ratingen, Foto: A. Hansen

In der vergangenen Woche fand der alljährliche Rheinische Archivtag passend zum 750-jährigen Stadtjubiläum in Ratingen statt. Dabei waren wir vom landeskirchlichen Archiv zahlreich vertreten. Die zwei Tage standen unter dem Motto „Archive und Demokratie“ und machten deutlich, dass Archive weit mehr als Aufbewahrungsorte historischer Dokumente sind. Sie sichern Transparenz, fördern gesellschaftliches Vertrauen, bewahren das kulturelle Gedächtnis und stärken demokratische Werte. Ein Schwerpunkt war dabei vor allem auch die politische Bildungsarbeit, die besonders am zweiten Tag im Fokus der Diskussionen stand.

Nach dem Eröffnungsvortrag von Volkan Baran (MdL, stellv. Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien im Landtag NRW) ging es direkt in die erste Sektion des Tages. Im Mittelpunkt stand das Spannungsfeld zwischen Archiven und Transparenz.

Das Hessische Landesarchiv beleuchtete die Frage, ob archivische Schutzfristen und Transparenz tatsächlich im Widerspruch zueinander stehen oder vielmehr einen notwendigen Ausgleich zwischen Informationszugang und dem Schutz sensibler Daten schaffen. Mit einem Blick auf die digitale Transformation widmete sich ein Folgevortrag den Anforderungen an die Sicherstellung von Authentizität und Integrität archivischer Informationen in Zeiten zunehmenden KI-Einsatzes. Die Vorträge wurden im Anschluss durch Fragen und Anmerkungen aus dem Plenum ergänzt.

Nach der Mittagspause ging es dann mit der „Aktuellen Stunde“ weiter, bei der verschiedene aktuelle Themen angerissen und der aktuelle Stand in Kurzvorträgen erläutert wurden. Eine Ausführung aller Themen würde an dieser Stelle jedoch den Rahmen sprengen.

Die letzte Sektion des Tages widmete sich dem Archiv als Vertrauensraum und seiner Rolle in einer demokratischen Gesellschaft. Dabei wurde deutlich, dass Archive eine wichtige Funktion bei der Sicherung und Vermittlung verlässlicher historischer Informationen erfüllen.

Im Anschluss daran wurde aus kommunaler Perspektive berichtet, welche Bedeutung Stadtarchive für die lokale Demokratie und Geschichtskultur haben. Anhand praktischer Erfahrungen aus dem Ruhrgebiet wurde aufgezeigt, wie Archive zur gesellschaftlichen Teilhabe und zur Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte beitragen können.

Den Abschluss bildete ein Vortrag zur Online-Bereitstellung zeitgeschichtlichen Archivguts. Es wurde der Frage nachgegangen, ob die digitale Zugänglichmachung von Archivbeständen zu einem Vertrauensverlust oder vielmehr zu einem Vertrauensgewinn führt. Dabei wurden Chancen und Herausforderungen der digitalen Bereitstellung sowie deren Auswirkungen auf die Wahrnehmung und Nutzung von Archiven diskutiert.

Der zweite Tag startete mit parallel laufenden Gesprächsrunden im Rahmen aktueller Projekte. Ich hatte mich für Gesprächsrunde 1 angemeldet, bei der es um archivische Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit als regionales Angebot ging. Unter der Moderation von Monika Marner (LVR-AFZ) wurden verschiedene Ansätze vorgestellt und diskutiert, wie Archive ihre Bestände und Themen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen und ihre Rolle als kulturelle und gesellschaftliche Bildungsorte stärken können.

Die dritte Sektion der Tagung widmete sich anschließend den Archiven als Akteuren der Demokratiebildung. Der Vortrag zeigte, wie Archivpädagogik dazu beitragen kann, historisches Denken und Quellenkritik gerade in Zeiten gesellschaftlicher Unsicherheiten zu fördern.

Danach ging es um die Zusammenarbeit zwischen der Gedenkstätte Brauweiler und dem Archiv des LVR. Anhand gemeinsamer Projekte wurde deutlich, welche Synergieeffekte durch die Verbindung von Gedenkstättenarbeit und archivischer Überlieferung entstehen können.

Den Abschluss der Sektion bildete die Vorstellung einer stadtgeschichtlichen Wanderausstellung des Hauses der Essener Geschichte/Stadtarchivs. Es wurde über das Projekt „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ berichtet. Ergänzt durch ein archivpädagogisches Begleitprogramm verdeutlichte das Projekt, wie Archive historische Themen für unterschiedliche Zielgruppen aufbereiten und zur demokratischen Bildungsarbeit beitragen können.

Der Rheinische Archivtag 2026 zeigte insgesamt, wie eng die Arbeit von Archiven mit Fragen von Transparenz, Vertrauen, Demokratie und digitalem Wandel verknüpft ist. Die vielfältigen Vorträge und Diskussionen machten deutlich, dass Archive nicht nur Bewahrungsorte historischer Überlieferung sind, sondern auch eine aktive Rolle in der gesellschaftlichen Bildungs- und Erinnerungsarbeit übernehmen. Ich fand es besonders gut, dass es in diesem Jahr wieder die Möglichkeit gab, kleinere Gesprächsgruppen einzurichten, da dort noch mehr der Bezug zur praktischen Archivarbeit deutlich wurde und es durch die Gruppengröße möglich war, noch tiefer in einen persönlichen Austausch zu gehen.

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