Kirchenzeugnisse als Quellengattung

Die junge Mademoiselle, die 1792 vom südholländischen Leiden nach Düsseldorf zieht, bringt an den Rhein eine Art kirchliches Führungszeugnis mit: Darin bescheinigen ihr die Vorsteher der wallonischen Gemeinde zu Leiden, sie habe fleißig an den Gottesdiensten und am Abendmahl teilgenommen sowie ehrsam und ohne Anstoß zu erregen („sans scandale qui nous soit connu“) in der Gemeinde gelebt. Sie sei nun der Gnade Gottes und der Gemeinschaft ihrer neuen Glaubensgeschwister in der reformierten Kirchengemeinde Düsseldorf anempfohlen.

Bestätigung und Empfehlungsschreiben, Ausweisung der Kirchenzugehörigkeit aus Bestand: AEKR 4KG 005(Evangelische Kirchengemeinde Düsseldorf), 17

Solche Kirchenzeugnisse wurden seit dem späten 16. Jahrhundert ausgestellt. Ältestes Beispiel in unserem Archiv ist ein Zeugnis von 1583 aus dem limburgischen Sittard, das damals zum Herzogtum Jülich gehörte. Es wurde beim Umzug nach Aachen vorgezeigt und in der Registratur der Kirchengemeinde verwahrt. Diese bislang wenig untersuchte Quellengattung bietet eine Fülle an Auswertungsmöglichkeiten.

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E-Learning-Kurs Bestandserhaltung

Seit 2018 steht der E-Learning-Kurs „Bestandserhaltung“ online zur Verfügung. Er vermittelt die Grundlagen der Bestandserhaltung als elektronisch gestütztes Selbstlernprogramm. Über Videos und Multiple-Choice-Aufgaben werden u. a. die sachgerechte Lagerung von Archivgut, die Schadenserkennung und der Umgang mit schimmelbefallenem Schriftgut trainiert. Beteiligt an der Konzeption war auch das rheinische Archivamt in Brauweiler, das ergänzend ein entsprechendes LVR-Conservation-Kit entwickelt hat

In der Archivberatung bei Kirchengemeinden der EKiR haben wir seither bei Ortsterminen unsere ehrenamtlichen Archivbetreuer auf diese Fortbildungsmöglichkeit hingewiesen. Das erhaltene Feedback war immer positiv. In den weiteren Themenfeldern „Ablage nach dem Einheitsaktenplan der EKiR“ oder auch der Kassationsberatung („Wie werfe ich richtig weg?“) wären solche E-Learning-Angebote sicherlich eine sinnvolle Ergänzung etwa zu den klassischen Schriftgutlehrgängen für das Personal in den kirchlichen Verwaltungsämtern. Im Sinne des Konzepts eines Blended Learning stehen sie auf der To-Do-Liste.

Alles hat seine Zeit…

Blankenheim / Eifel, Ort mit Kirche und Burg Sammlung Hans Lachmann, Schachtel Nr. 1: Aachen und Umgebung

Meine Zeit als Archivar der Evangelischen Kirche im Rheinland neigt sich nach über 33 Jahren dem Ende zu. Der Ruhestand ereilt mich mit gemischten Gefühlen. Zurückbleiben meine Mitarbeiter*innen, mit denen ich so manche interessante Herausforderung – die Ordnung und Verzeichnung von Archivbeständen bis hin zu Publikationen, Ausstellungen, Webseiten u.v.m. – gemeistert habe. Aus der nicht allzu fernen Eifel, von meinem Wohnsitz in Blankenheim aus, werde ich verfolgen, was es Neues gibt und wie sich das Archiv wandelt. Neugierig bin ich auf die Aufgaben, Kontakte und Überraschungen, die der neue Lebensabschnitt für mich bereithält.

An dieser Stelle geht mein Dank an die Mitarbeiter*innen des Archivs für die kollegiale Zusammenarbeit und Unterstützung und an die Archivbenutzer*innen für viele anregende Gespräche rund um ihre historischen Untersuchungen.

Ihr Michael Hofferberth

Erste Sammlung für die Aktion „Brot für die Welt“ im Dezember 1959

Brot für die Welt, Spendenaufruf, ca. 1959, aus Bestand: AEKR 8SL 049 (Plakatsammlung)

Die Sammlung für die Aktion „Brot für die Welt“, heute Teil des „Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung e.V.“, ist nicht nur in kirchennahen Kreisen der Öffentlichkeit bekannt. Dass diese Sammlung im Dezember 2019 auf eine 60-jährige Geschichte zurückblicken konnte, ist auch in der Presse gewürdigt worden. Eines der ältesten Dokumente in unserem Archiv dazu ist der „Aufruf zu der Kollekte vom 31. Dezember 1959 für die Opfersammlung „Brot für die Welt“. Dieses Blatt war dem „Kirchlichen Amtsblatt der Evangelischen Kirche im Rheinland“ Nr. 23 vom 18.12.1959 beigegeben. Das Amtsblatt informierte darüber, dass die Kirchenleitung am 17. September 1959 diese Zweckbestimmung beschlossen hatte.

„Bewährungsprobe der Christenheit“

Beilage zum Kirchlichen Amtsblatt Nr. 23/1959, aus: Kirchliches Amtsbaltt Nr. 23/1959

Das Blatt sollte die Pfarrer bei der Abkündigung der Kollekte zur Hilfe für die Hungernden in der Welt unterstützen. „Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland hat alle Landeskirchen aufgefordert, im Dezember 1959 eine Sammlung „Brot für die Welt“ zu veranstalten. Die Kollekte am Altjahrsabend soll in die Sammelaktion eingebaut werden.“ Bereits 1957 und 1958 seien die Kollekten in den Sylvester-Gottesdiensten für die Hungernden der Erde bestimmt gewesen und hätten Beträge von 63.835 DM bzw. 81.432 DM erzielt. Für 1959 hoffte man auf Kollekten in Höhe von 100.000 DM (Protokoll der Sitzung der Kirchenleitung vom 17.09.1959 und Vorlage dazu). Die Kirchenzeitung „Der Weg“ titelte in ihrer Weihnachtsausgabe auf Seite 2: „‘Brot für die Welt‘ eine Bewährungsprobe der Christenheit.“

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Archivgeschichte 1853-2003 jetzt online

1853 fiel der Beschluss zur Gründung des Rheinischen Provinzialkirchenarchivs Das Archiv der EKiR knüpft unmittelbar an dessen Tradition an und ist somit das älteste Archiv einer Landeskirche auf EKD-Ebene. Anlässlich des 150-jährigen Archivjubiläums 2003 wurde eine dem ehrwürdigen Anlass entsprechende, fast 500-seitige Bestandsübersicht erstellt.

Für die aktuelle Recherche nach und in Beständen sind an ihre Stelle natürlich längst die Online-Findbücher auf unserer Homepage bzw. den Archivportalen getreten.

Der detaillierte Abriss der Geschichte des Archivs auf den ersten 90 Seiten der Publikation lag bislang nur in Buchform vor. Auch er steht jetzt online zur Verfügung. Lesen Sie hier von frierenden Archivaren, die mit klammen Fingern kaum noch schreiben können oder auch von Lagerfeuern als nur bedingt geeigneter Kassationshilfe…

Wechsel im Bopparder Archivteam

Auch aus der Evangelischen Archivstelle Boppard gibt es Neuigkeiten: Herr Wolfgang Hoffmann ist zum Jahresende in den wohlverdienten Ruhestand gegangen. Seit 2004 hat er dort zahlreiche externe Gemeindebestände erschlossen. Wir begrüßen nun Frau Andrea Rönz als neue Mitarbeiterin im Bopparder Archivteam.

Frau Rönz hat das Studium der Germanistik und Geschichte mit dem M.A. abgeschlossen. Seit 2004 ist sie Leiterin des Stadtarchivs Linz am Rhein und auch als freie Redakteurin und Autorin tätig. In Boppard wird sie mit einer Teilzeitstelle an Erschließungs- und Digitalisierungsprojekten mitwirken.

Neue Kollegin im Archiv der EKiR

Wir begrüßen Frau Annika Hansen als neue Mitarbeiterin im Archivteam.

Frau Hansen hat das Studium der Geschichte mit dem M.A. abgeschlossen und erste archivische Praxis in Wirtschafts- und Kirchenarchiven erworben. Frau Hansen unterstützt uns fortan in den Bereichen Bestandserschließung und Digitalisierung.