Fortbildung: Bildungsarbeit für Archive beim LWL Archivamt in Münster

Gestern habe ich an einer Fortbildung zum Thema Bildungsarbeit in Archiven beim LWL-Archivamt in Münster teilgenommen.

Geleitet wurde das Seminar von Dr. Jan Matthias Hoffrogge (Stadtarchiv Münster), der die Inhalte sehr strukturiert und zugleich praxisnah vermittelt hat. Neben einer Einführung in die Rahmenbedingungen archivischer Bildungsarbeit lag der Schwerpunkt vor allem auf der konkreten Umsetzung. Anhand modular aufgebauter Konzepte wurde gezeigt, wie sich wiederholbare Formate entwickeln lassen, die flexibel an unterschiedliche Zielgruppen und Archivgrößen angepasst werden können.

LWL Archivamt Westfalen, Münster

Ein zentraler Bestandteil des Seminars waren Partner- und Gruppenarbeitsphasen, in denen wir einzelne Ansätze – etwa Formen des Stationenlernens – exemplarisch erarbeitet und anschließend im Plenum diskutiert haben. Diese Arbeitsweise hat deutlich gemacht, wie wichtig eine klare Struktur, zielgruppenspezifische Ansprache und die Einbindung originaler Quellen für gelingende Bildungsangebote sind.

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„Bitte fröhlich mitarbeiten!!“ Die „Universität für Erwerbslose“ in Essen während der Weltwirtschaftskrise

In Essen-Altstadt amtierte seit 1929 der charismatische Theologe Wilhelm Busch (1897-1966) als Jugendpfarrer. Sein Arbeitsplatz war das 1912 errichtete und nach seinem Amtsvorgänger benannte Weigle-Haus.

Dort wurde Busch unmittelbar konfrontiert mit der um sich greifenden Verzweiflung unter den jüngeren Arbeitslosen. Diesen wollte er ein praxisorientiertes Fortbildungs- und Qualifizierungsangebot unterbreiten. Mit den räumlichen Ressourcen des Weigle-Hauses und der Hilfe ehrenamtlicher Dozenten aus Essen begann im Oktober 1930 die Arbeit der UfE, der Universität für Erwerbslose. Der ursprünglich geplante Name UfA (Universität für Arbeitslose) fiel einer Klageandrohung der gleichnamigen Filmgesellschaft zum Opfer.

Die bis zu 500 Erwerbslosen an der UfE  wurden nun von Montag bis Samstag nach einem vielfältigen Lehrangebot unterrichtet. Dazu konnte auch „Farmwesen“ zählen, das sich an Auswanderer nach Australien und Kanada richtete. Busch selbst bot eine „Weltanschauungsstunde“ an, in der er eingangs zehn Minuten über die Botschaft der Bibel sprach, was anschließend in eine freie Diskussion mündete. Nicht zu unterschätzen war bei diesen Teilnehmerzahlen auch die Verpflegungsfrage, die Busch mit Hilfe täglicher Lieferungen von Kaffee und Wurstbroten durch Sponsoren löste. Den Beitrag der UfE zum sozialen Zusammenhalt bringt er später so auf den Punkt:

„Man hatte wieder einen Lebensinhalt. Man musste früh aufstehen, um rechtzeitig in den „Kollegs“ zu sein. Man fand neue Freunde. Man lernte, andere Standpunkte zu verstehen. Man hatte Hausaufgaben zu machen.“

In einer Akte mit dem eher unauffälligen Titel „Zuschüsse zur Jugendpflege“ fand sich nun der letzte bekannte Arbeitsplan der UfE vom 30. Oktober 1934.

Arbeitsplan der Ufe (Universität für Erwerbslose) des evangelischen Jugendpfarramtes. Weiglehaus, Essen, 1934, aus Bestand: AEKR Düsseldorf 4KG 076 (Essen-Altstadt), Nr. 384
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