Vor über 30 Jahren: Solarmobil-Sternfahrt der Kirchengemeinde Essenberg (Duisburg)

Autos mit elektrischem Antrieb sind seit wenigen Jahren keine Exoten mehr auf unseren Straßen, sondern begegnen uns, jedenfalls hier in Düsseldorf, alltäglich. Doch ahnen wir, dass es schon vor mehr als 30 Jahren rollende elektrische Pioniere gegeben hat? Unsere Plakatsammlung enthält ein Plakat, auf dem die Evangelische Kirchengemeinde Essenberg (Duisburg-Homberg) im Mai 1991 zu einer „Solarmobil-Sternfahrt“ einlädt:

Gottes Schöpfung bewahren – „Solarmobil-Sternfahrt“ der Ev. Kirchengemeinde Essenberg. Aus Bestand: 8SL 049(Plakatsammlung)
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„Männlich gestorben“: Evangelische Militärseelsorge am Standort Aachen 1939-1944

Im Zweiten Weltkrieg bestand neben der hauptamtlichen Wehrmachtsseelsorge beider Konfessionen ein Netzwerk nebenamtlich tätiger Geistlicher. Für Aachen haben sich die Handakten der beiden dort eingesetzten evangelischen Standortpfarrer erhalten. Sie illustrieren die bis Kriegsende blühende Bürokratie im NS-System und enthalten erschütternde Dokumente zum Umgang mit den Opfern der Militärjustiz.  

Reichsbischof Ludwig Müller in Aachen: v.l.n.r.: Zehn – Bruch – Müller – Staudte – Grünagel. ca. 1933/1934

Zunächst nahm der Aachener Superintendent Paul Staudte (1881-1971) die Militärseelsorge wahr. Politisch stand er dem NS-Staat loyal gegenüber, kirchlich distanzierte er sich teilweise von den Deutschen Christen und versuchte einen neutralen Kurs zu fahren. Das Foto zeigt ihn nichtsdestoweniger in inniger Gesellschaft mit dem DC-Reichsbischof Ludwig Müller und dem Aachener DC-Pfarrer Dr. Friedrich Grünagel. Zu Staudtes Amtspflichten am Standort gehörte regelmäßig die seelsorgerliche Begleitung von Soldaten, die wegen Fahnenflucht zum Tode verurteilt wurden und nicht zuletzt die persönliche Teilnahme an deren Hinrichtung.

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Jahresrückblick 2021

Das Jahr 2021 neigt sich nun dem Ende zu. Zeit um noch einmal zu resümieren! Auch in diesem Jahr war es für uns im Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland nicht immer einfach unter Pandemiebedingungen zu arbeiten. Dennoch haben wir aus dem vergangenen Jahr viel mitgenommen und Arbeitsprozesse angepasst und ausgebaut und das Beste aus der Situation gemacht. Vor allem der digitale Bereich spielte 2021 eine wichtige Rolle in unserer Archivarbeit. So konnten wir im Zuge des Relaunches des Archivportals ArchiveNRW viele Findbücher unserer Bestände online stellen und einem breiten Publikum für Recherchen zugänglich machen. Darüber hinaus konnten wir unsere Fotodigitalisierung fortsetzen und unseren Medienpool mit Fotos des Fotografen Hans Lachmann zu den verschiedensten Themen aufstocken. Die Bildsammlung von Hans Lachmann rückte dann Mitte des Jahres weiterhin in den Fokus unserer Digitalisierungsarbeit. So erschien zunächst eine Onlineausstellung zu Person selbst. In den Folgenden Monaten arbeiteten wir in Hochtouren mit zwei Zusätzlichen Projektkräften an dem Projekt „Alltag in der jungen Bundesrepublik: Das Bildarchiv des Fotografen Hans Lachmann (1920-2006)“. Dieses Projekt ging dann nach 4 Monaten intensiver Arbeit online und fand großen Anklang bei Nutzern unseres Onlineangebotes.

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Weihnachtsbräuche, vergessen oder noch aktuell? Teil 3: Sylvester/Neujahr.

An einem Silvesterabend von der gegenüberliegenden Rheinseite bei Nacht abgelichtet. Fotograf: Hans Lachmann Ort: Düsseldorf Signatur: AEKR 8SL046 (Bildarchiv), 200_194 Schachtel: 358

In wenigen Tagen neigt sich das alte (und leider immer noch stark durch die Corona-Pandemie gebeutelte) Jahr 2021 zu Ende. Das bedeutet auch, dass die Reihe über Bräuche zu ihrem Abschluss kommt. Ähnlich der Advents- oder Weihnachtszeit ist der – wenn auch kurze – Zeitraum um den 31.12./ 1.1. voller Bräuche und Traditionen, die bis heute teilweise Bestand haben und zelebriert werden. Andere hingegen sind in Vergessenheit geraten.

Grundsätzlich muss festgehalten werden, dass das Silvester – resp. Neujahrsfest kein christlicher Feiertag ist, auch wenn der 31. Dezember seinen Namen einem Bischof zu verdanken hat. Die Rede ist von Sylvester I., der von 314 bis zum seinem Ableben 335 in Rom als Bischof amtierte. Er bekehrte Kaiser Konstantin I., was zur Folge hatte, dass die Christenverfolgung ein Ende nahm und das Christentum im Römischen Reich neue Staatsreligion wurde. 1582 wurde der gregorianische Kalender reformiert. Der letzte Tag im Jahr wurde vom 24. Dezember auf den 31. Dezember verlegt, dem Todestag von Sylvester I. Fortan assoziierte man den 31. mit eben diesem Namen.

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Weihnachtsbräuche, vergessen oder noch aktuell? Teil 2: Die Weihnachtszeit.

Zahlreiche Pakete bringt der Postbote zu Weihnachten Fotograf: Hans Lachmann Datum: Dezember 1957 Signatur: AEKR 8SL071 (Bildarchiv), BRD_1957_4991 Negativ 36/2124

Der Countdown läuft! Die vierte Adventskerze wurde bereits entzündet. Plätzchen wurden zum zweiten, vielleicht ja sogar schon zum dritten Mal gebacken. Der Glühwein wurde (mit besagten Plätzchen) bereits verkostet und so mancher zieht den Endspurt beim Geschenkebesorgen an. Schließlich steht Weihnachten vor der Tür. Dann heißt es am 24. Dezember: Kirchgang, Festessen, Bescherung. An den zwei Weihnachtsfeiertagen werden noch die Verwandten besucht und dann, ja dann ist Weihnachten (oder der sogenannte „Weihnachtsstress“)
eigentlich auch schon vorbei. „Alle Jahre wieder…..“

Alle Jahre wieder wiederholt sich der gleiche weihnachtliche „modus operandi“, feiern wir unser traditionelles Weihnachten. Doch wie viel wissen wir tatsächlich davon? Schon mal was von „wihenaht“ oder „sol invictus“ gehört? Warum genau stellen wir einen Weihnachtsbaum auf? Wussten Sie, dass früher zu Weihnachten eigentlich nur Kinder beschenkt wurden oder was der Christstollen mit dem Kindermord von Bethlehem zu tun hat? Nein? Nicht schlimm, hier kommt die Auflösung.

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Arbeiten am gesetzlichen Feiertag. Eine eigentümliche Form studentischen Protestes an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal im Jahr 1967

Studierendenstreiks, also der Boykott von Vorlesungen und anderen Lehrveranstaltungen zur Propagierung oder Durchsetzung (bildungs)politischer Ziele, sind spätestens seit den 1980er Jahren und dann vor allem mit dem bundesweiten Studentenstreik 1997/98 der deutschen Öffentlichkeit vertraut. Vergleichsweise originell ist die umgekehrte Variante, also die Ansetzung von Lehrveranstaltungen bewusst auf einen unliebsamen Feiertag.

Eine solche Melange gewissermaßen aus politischem Aktivismus und protestantischem Arbeitsethos ergab sich am 17. Juni 1967, dem Tag der Deutschen Einheit, an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal, kurz KiHo. Auch wenn wir heute nur den 17. Dezember schreiben, lohnt es sich, in die mentalen Befindlichkeiten der späten Sixties einzutauchen.

Kirchliche Hochschule Wuppertal. Bestand AEKR 8SL046 (Bildarchiv), 80045_09
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Adventszeit ist Backzeit: Ein Rezept zum Nachmachen

Passend zur Adventszeit und angelehnt an leckere gebrannte Mandeln, die wir heutzutage auf dem Weihnachtsmarkt finden, möchten wir Ihnen an dieser Stelle eine Rezeptidee aus dem 18. Jahrhundert vorstellen. Aus einem Exemplar des Frauenzimmer-Lexicons (ein Lexikon von Gottlieb Siegmund Corvinus unter dem Pseudonym Amaranthes von 1715, welches im Verlag Johann Friedrich Gleditschs auf den Markt gebracht wurde. Es sollte das erste deutschsprachige speziell an Frauen gerichtete Lexikon sein.)
Inhaltlich lassen sich zahlreiche Einträge zu beliebigen Haushaltsgegenständen, Küchengeräten, Haustieren und Orte innerhalb einer Stadt finden. Gerade deshalb, gilt das Lexikon als eine gute Quelle zur Dokumentation des gutbürgerlichen Alltags im frühen 18. Jahrhundert.

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