Ein Merkblatt für die Hausfrau für den Umgang mit Dienstmädchen

Änne Kaufmann Berufstätigenarbeit aus: 7NL084, 39

Merkblatt für die Hausfrau, 1950,
aus: 7NL084 Pastorin Änne Kaufmann, 39

1950 wagte sich der Sozialausschuss des Rheinischen Mädchenwerkes, dem auch Pastorin Änne Kaufmann angehörte, an eine Diagnose der Situation junger Arbeiterinnen. Eine der dabei untersuchten Berufsgruppen war die der Hausangestellten, weniger förmlich also der Dienst- oder Hausmädchen.

Dienstmädchen wohnten ständig im Haushalt ihres Arbeitgebers und verrichteten dort sämtliche hauswirtschaftlichen Arbeiten gegen Kost und Logis und einen kleinen Lohn. Seine eigentliche Blütezeit hatte das sog. Dienstbotenwesen bereits im 19. und frühen 20. Jahrhundert erlebt, aber auch in den 1950er Jahren war es noch durchaus üblich.

Frau Oberin Hinsberg schilderte dem Ausschuss in ihrem Referat „Die besondere Lage der Hausangestellten“  das Dilemma dieses Berufsfelds: zahlreiche Stellen waren in diesem fast rein weiblichen Berufszweig unbesetzt, obwohl die Zahl der arbeitssuchenden Frauen in die Tausende ging. Viele Frauen wollten einfach nicht im Haushalt arbeiten.

Der kurzen Liste von Vorteilen des Berufs setzte Hinsberg eine lange Liste von Nachteilen entgegen. Weiterlesen

Können gesprungene Glocken wiederhergestellt werden?

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Werbepostkarte der Firma Lachenmeyer – AEKR Boppard

In unserer Sammlung fand sich eine Werbepostkarte der Firma Glocken-Schweißwerk Lachenmeyer, die gesprungene Glocken wieder instandsetzt.

Eine Recherche ergab, dass es diese Firma heute noch gibt. Sie hat damals wie heute noch ihren Firmensitz in Nördlingen. Glocken aus allen Ländern werden dort in einem besonderen Schweißverfahren repariert.  Die Werbepostkarte ist 1950 abgestempelt worden.

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Rückseite der Werbepostkarte Lachenmeyer – AEKR Boppard

 

Eindrucksvoll wie mit handwerklichem Geschick und Sachverstand historische Glocken wieder restauriert werden können .

… zur Wiederherstellung – Copyright 2008 Schweißwerk Lachenmeyer

Schweißung zerbrochener Glocken, Copyright 2008 Schweißwerk Lachenmeyer

Glocke mit ausgeschlagenem Schlagring – Copyright 2008 Schweißwerk Lachenmeyer

Weitere Informationen zum Thema :

Der Deutschlandfunk brachte 1979 eine Sendung über diese Firma : Glocken – Mit der Gasflamme ans Klangdenkmal von Remko Kragt.

Der eloquente Dr. Grünagel

Reichsbischof Ludwig Müller in Aachen: v.l.n.r.: Zehn - Bruch - Müller - Staudte - Grünagel. ca. 1933/1934?

Reichsbischof Ludwig Müller in Aachen:
v.l.n.r.: Zehn – Bruch – Müller – Staudte – Grünagel.
um 1933

Damit hatte die Kirchen-leitung der Evangelischen Kirche im Rheinland nicht gerechnet: „Nun gesellen Sie sich“, so schrieb Präses Heinrich Held im Dezember 1949 an Oberkirchenrat Oskar Söhngen in Berlin-Charlottenburg, „auch noch zu den Vielen, die für Dr. Grünagel eintreten, und mein Aktenstück wird immer stärker.“ Für den ehemaligen Aachener Pfarrer Friedrich Grünagel verwendeten sich zahlreiche, teilweise prominente Persönlichkeiten: Neben Oberkirchenrat Söhngen Professor Emil Weber, Superintendent Paul Staudte, Emmi Welter, Vorsitzende der rheinischen Frauenhilfe und Mitglied des Deutschen Bundestags, Eugen Gerstenmaier, Leiter des Evangelischen Hilfswerks und späterer Bundestagspräsident, Kirchenpräsident Hans Stempel, Kirchenpräsident Martin Niemöller, Landesbischof Julius Bender u.a.. Die rheinische Kirchenleitung um Präses Heinrich Held geriet zunehmend unter Rechtfertigungsdruck. Weiterlesen

Eine Orgie an Ausrufezeichen: Das Danklied der Evangelischen zu Aachen an Kaiser Napoleon aus dem Jahr 1804

Danklied bey der Thronbesteigung seiner Majestät des Kaisers Napoléon.

Danklied bey der Thronbesteigung seiner Majestät des Kaisers Napoléon.

Beide christlichen Konfessionen haben in ihrer Geschichte stets gern die Nähe zu den politisch Mächtigen ihrer Zeit gesucht. Vor gut 200 Jahren hatte die evangelische Minderheit in Aachen auch allen Grund, dem frisch etablierten Kaisertum Napoleon Bonapartes zu huldigen. Dies belegt ein aktueller Fund im Archiv der EKiR.

Am 29. Juli 1804 erscholl in der Aachener St. Anna-Kirche die Melodie von Martin Luthers Lied „Herr Gott, dich loben wir“, seine Umsetzung des „Te Deum laudamus“ ins Deutsche von 1529. Der Text war freilich ersetzt worden durch einen Dankeshymnus auf den gerade berufenen Kaiser. Darin heißt es z. B. in der zweiten Strophe:

Aufs lieblichste fiel unser Los!
Wir ruhn in eines Kaisers Schoß,
Der unser Freund und Vater ist,
Weil du sein Gott und Vater bist!
Ach, laß ihn leben, leben, Gott!
Der Enkel erst seh seinen Tod!
Noch lange sey Gerechtigkeit
Sein Thun! noch lange Menschlichkeit!
Erhalt in deiner Weisheit ihn!
Zu deiner Hülfe laß ihn fliehn,
Wenn er sie fühlt der Herrschaft Last,
Mit der du ihn begnadigt hast!
Einst leucht´er (dort belohnst du ganz)
In einer bessern Krone Glanz!
Wie schmal, wie steil sein Weg auch sey,
Bleib er dir, Oberherrscher, treu!
Er habe, Gott, er habe Theil
Im Himmel einst am ewgen Heil! Weiterlesen

Ein Super Backup der Deutschen Geschichte – Barbarastollen im Schwarzwald

Schutzverfilmung für das Worst-Case-Szenario:

auch die Bestände Rheinisches Konsistorium  , das Provinzialkirchenarchiv  , Militärkirchenbücher  und Kirchenschaffnei Meisenheim wurden hier via Film untergebracht.

Das Gedächtnis Deutschlands – Der Barbara-Stollen from Mittelbadische-Presse.TV on Vimeo.

Pfarrertöchter

179Klischees damals und heute – ändern sich nicht?  Pfarrerstöchter und ihr „Problem“ Jungs kennen zu lernen.

Zufällig lese ich heute in der WAZ den Bericht „Pfarrerstöchter küsst man nicht“. In unserer noch zu erschließenden Sammlung fand ich ein Zeitungsausschnitt (leider ohne Datum) in dem eine Pfarrerstochter aus England bereits über dieses „angebliche“ Problem spricht. Vermutlich ist der Zeitungsbericht in den 60er Jahren erschienen, da der Minirock erst 1965 erfunden wurde.

 

 

Süddeutscher Kirchenarchivtag in Nürnberg 2016

© Foto: Axel Schneider, Süddeutscher Kirchenarchivtag 2016 im Landeskirchlichen Archiv der Ev.-Lutherischen Kirche in Bayern (LAELKB )

© Foto: Axel Schneider, Süddeutscher Kirchenarchivtag 2016 im Landeskirchlichen Archiv der Ev.-Lutherischen Kirche in Bayern (LAELKB )

Am 14. bis 15. Juni 2016 fand im Landeskirchlichen Archiv der Ev.-Lutherischen Kirche in Bayern (LAELKB ) der Süddeutsche Kirchenarchivtag statt (in Nürnberg). Die Tagung eröffnete und begleitete die Archivleiterin Dr. Andrea Schwarz. Zunächst wurden 4 Gruppen gebildet, die nacheinander in die verschiedenen Bereiche des Archivs eingeführt wurden. Dr. Schwarz führte die 1. Gruppe durch den 2011 – 2013 errichteten Archivneubau und erklärte die Funktionalität des Baus. Dr. Daniel Schönwald zeigte dann den Benutzerbereich und erläuterte den Fortgang der Digitalisierung bei der Benutzung der Kirchenbücher. Archivar Peter Halicska erzählte von seiner Tätigkeit in der Archivpflege und wie bei der Betreuung der Pfarrarchive vorgegangen werden sollte. Bibliothekar Thilo Liebe sprach über den Aufbau der Archivbibliothek und den Umgang mit den Kirchenbüchereien der Gemeinden. Nach einer Pause führte uns Johannes Haslauer M.A. vom Staatsarchiv Coburg in das Kulturportal des Staates Bayern, das „Bavaricon“,  ein. Schwerpunkt in diesem Jahr ist die Präsentation der Zeit der Reformation und der katholischen Reformation in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Anschließend sprach Dr. Gabriele Stüber aus Speyer über die Wanderausstellung zur Reformationsdekade „Lutherbilder aus sechs Jahrhunderten“, die am 08. März 2016 in Worms eröffnet wurde und bis 2018 in deutschen Städten gezeigt wird. Dazu gibt es auch einen reich bebilderten Katalog.

Der 2. Tag begann mit einer Andacht und Führung in der Lorenzkirche durch Touristenpfarrerin Susanne Bammessel. Zurück im Archiv setzte sich die Tagung fort mit einem Vortrag von Dr. Udo Wennemuth aus Karlsruhe über die Problematik bei der Führung elektronischer Kirchenbücher. Den letzten Beitrag lieferte Peter Halicska, der über die Notfallverbünde der Archive im Katastrophenfall (Feuer-, Wasserschäden etc.) am Beispiel des Notfallverbundes Nürnberg sprach.

Den Schlusspunkt setzte Dr. Stüber mit der Einladung an alle zur nächsten Südschienentagung in Speyer.

Interessante Überlieferung zu einer Konfirmation im Jahr 1908

Von dem Düsseldorfer Pfarrer und Superintendenten i.R. Helmut Ackermann (über ihn) hat das Landeskirchliche Archiv eine Anzahl älterer Gesangbücher übernommen. Diese Sammlung erstreckte sich über das Rheinland hinaus. Eines dieser Gesangbücher enthält interessante Dokumente zur Geschichte einer Konfirmation im Jahr 1908: Gesangbuch für die evangelisch-lutherische Kirche des Herzogtums Braunschweig vom Jahre 1902, verlegt in Wolfenbüttel bei Julius Zwißler.

Das zweite Vorsatzblatt enthält die folgende Widmung:

Widmung zur Konfirmation für Rudolf Studte von Pastor Stock 1908 in: Gesangbuch für die evangelisch-lutherische Kirche des Herzogtums Braunschweig vom Jahre 1902 ; aus Bestand : AEKR Düsseldorf Biblitohek Hh499

Widmung zur Konfirmation für Rudolf Studte von Pastor Stock 1908 in: Gesangbuch für die evangelisch-lutherische Kirche des Herzogtums Braunschweig vom Jahre 1902 ; aus Bestand : AEKR Düsseldorf Biblitohek Hh499

Rudolf Studte
ist am weißen Sonntag 1908 (den 26. April)
in der Katharinenkirche zu Braunschweig
konfirmiert.
Text der Konfirmationsrede:
Hebr. 10.39.
Wir aber sind nicht von denen, die da
weichen!
Braunschweig, den 27. April 1908
Stock, Pastor.

Die hier erwähnte Konfirmationsrede hat Pastor Stock drucken lassen:
„Fest und treu!“ Konfirmationsrede gehalten am Weissen Sonntag (26. April) 1908 in der St. Katharinenkirche zu Braunschweig von Pastor A. Stock über Hebr. 10, 39. Braunschweig: Verlag von Johannes Neumeyer 1908, 10 Seiten

Möglicherweise hat jede(r) Konfirmierte den Druck anschließend erhalten. Jedenfalls hat Rudolf Studte die Predigt besessen und in sein Konfirmationsgesangbuch eingelegt. Es handelt sich übrigens um ein sehr schönes Gesangbuch mit einem in Jugendstilornamenten geprägten Pappeinband; die goldene Inschrift auf dem vorderen Deckel „Befiehl dem Herrn deine Wege“ und der Goldschnitt vervollständigen die Ausstattung.

Eine weitere Beilage verrät, wie das Gesangbuch aus Braunschweig nach Düsseldorf gelangte: Weiterlesen

Geschäfte für den guten Zweck

Preisliste der Handlung des Evangelischen Stifts Koblenz aus der Zeit um 1900 mit dem Formular "Hauptbuch (Manual) nach Schema F" im Angebot, aus Bestand: AEKR Boppard

Preisliste der Handlung des Evangelischen Stifts Koblenz aus der Zeit um 1900 mit dem Formular „Hauptbuch (Manual) nach Schema F“ im Angebot, aus Bestand: AEKR Boppard

Das Evangelische Stift St. Martin in Koblenz wurde 1844 als Kranken- und Waisenhaus gegründet. Sein Begründer, der aus Kreuznach stammende Johann Friedrich Kehr (1804-1867), war allerdings von Hause aus Buchdrucker, und so lag es nahe, dass er dem Stift ein Geschäftsmodell zugrunde legte, bei dem sein erlernter Beruf eine zentrale Rolle spielte. Neben dem Kranken- und Waisenhaus betrieb er noch eine Druckerei, eine Buchbinderei sowie eine Buch- und Schreibwarenhandlung, deren Reinerträge unmittelbar in die Finanzierung der beiden sozialen Einrichtungen flossen. Weiterlesen