Wallonen in Wetzlar – Ursprung der reformierten Gemeinde

Im Archiv der Kirchengemeinde Wetzlar, dessen Findbuch kürzlich retrokonvertiert und ergänzt wurde, finden sich auch vier Urkunden einer Ende des 16. Jahrhunderts gebildeten wallonisch-reformierten Gemeinde, und auch im Aktenbestand ist eine umfangreiche Überlieferung dazu als separate Gruppe vorhanden. Diese reformierte Gemeinde geht zurück auf etwa 60 wallonische Familien aus dem niederrheinischen Wesel, die 1586 in Wetzlar Zuflucht vor den Kriegswirren am Niederrhein fanden.

Papierurkunde vom 4. August 1687 mit Lacksiegel des Konsistoriums der reformierten Gemeinde zu Wetzlar; aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 047B

In Wesel lebten bereits seit 1544 protestantische Wallonen, die vor der Religionspolitik in den habsburgischen Niederlanden geflohen waren. Sie waren calvinistisch geprägt, bildeten eine eigene Gemeinde und ihre Prediger hielten Gottesdienste in französischer Sprache. Auch in der seit 1542 lutherischen Reichsstadt Wetzlar wurden den Reformierten nach Fürsprache u.a. des einflussreichen Theologen Franz Junius d. Ä. großzügige Rechte eingeräumt. Bürgermeister und Rat bekannten am 19. September 1586, „dass wir […] bewilliget haben, Sechzig Paar Ehe-Volcks ungefehrlich, so bisz dahero etliche Jahre daselbst zu Wesel gewohnet, allhier zu Wetzflar bey uns zu Bürgern in gewöhnliche Eyd und Pflichte, gegen Vorzeigung wissentlichen Abzugs und Erlegung des Bürgergelds uff- und anzunehmen, dergestalt, dasz sie unsern Gesetzen und Statuten allemaszen als andere unsere Mitbürger unterworffen, und dagegen auch, wie dieselbigen aller Bürgerlichen Freyheiten und Rechten sich mit erfreuen und genieszen sollen und mögen.“

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Vor über 30 Jahren: Solarmobil-Sternfahrt der Kirchengemeinde Essenberg (Duisburg)

Autos mit elektrischem Antrieb sind seit wenigen Jahren keine Exoten mehr auf unseren Straßen, sondern begegnen uns, jedenfalls hier in Düsseldorf, alltäglich. Doch ahnen wir, dass es schon vor mehr als 30 Jahren rollende elektrische Pioniere gegeben hat? Unsere Plakatsammlung enthält ein Plakat, auf dem die Evangelische Kirchengemeinde Essenberg (Duisburg-Homberg) im Mai 1991 zu einer „Solarmobil-Sternfahrt“ einlädt:

Gottes Schöpfung bewahren – „Solarmobil-Sternfahrt“ der Ev. Kirchengemeinde Essenberg. Aus Bestand: 8SL 049(Plakatsammlung)
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Arbeiten am gesetzlichen Feiertag. Eine eigentümliche Form studentischen Protestes an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal im Jahr 1967

Studierendenstreiks, also der Boykott von Vorlesungen und anderen Lehrveranstaltungen zur Propagierung oder Durchsetzung (bildungs)politischer Ziele, sind spätestens seit den 1980er Jahren und dann vor allem mit dem bundesweiten Studentenstreik 1997/98 der deutschen Öffentlichkeit vertraut. Vergleichsweise originell ist die umgekehrte Variante, also die Ansetzung von Lehrveranstaltungen bewusst auf einen unliebsamen Feiertag.

Eine solche Melange gewissermaßen aus politischem Aktivismus und protestantischem Arbeitsethos ergab sich am 17. Juni 1967, dem Tag der Deutschen Einheit, an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal, kurz KiHo. Auch wenn wir heute nur den 17. Dezember schreiben, lohnt es sich, in die mentalen Befindlichkeiten der späten Sixties einzutauchen.

Kirchliche Hochschule Wuppertal. Bestand AEKR 8SL046 (Bildarchiv), 80045_09
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Adventszeit ist Backzeit: Ein Rezept zum Nachmachen

Passend zur Adventszeit und angelehnt an leckere gebrannte Mandeln, die wir heutzutage auf dem Weihnachtsmarkt finden, möchten wir Ihnen an dieser Stelle eine Rezeptidee aus dem 18. Jahrhundert vorstellen. Aus einem Exemplar des Frauenzimmer-Lexicons (ein Lexikon von Gottlieb Siegmund Corvinus unter dem Pseudonym Amaranthes von 1715, welches im Verlag Johann Friedrich Gleditschs auf den Markt gebracht wurde. Es sollte das erste deutschsprachige speziell an Frauen gerichtete Lexikon sein.)
Inhaltlich lassen sich zahlreiche Einträge zu beliebigen Haushaltsgegenständen, Küchengeräten, Haustieren und Orte innerhalb einer Stadt finden. Gerade deshalb, gilt das Lexikon als eine gute Quelle zur Dokumentation des gutbürgerlichen Alltags im frühen 18. Jahrhundert.

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Mehr als 400 Jahre Gocher Gemeindegeschichte rund um ein Gasthaus

Das vollständige Findbuch ist jetzt online

Ältestes Lagerbuch der Reformierten Gemeinde Goch von 1585, aus Bestand: 4KG 055 (Goch), Nr 371

Dass der alte Aktenbestand der Kirchengemeinde Goch sehr interessant und wertvoll ist, steht außer Frage. Die Überlieferung ist, insbesondere für die reformierte Gemeinde und die im Jahr 1824 vereinigte Evangelische Gemeinde Goch, nicht nur sehr dicht, sie beginnt auch ausgesprochen früh: nämlich mit dem ältesten Lagerbuch von 1585. Selbst Archivrat Walter Schmidt, der im Jahr 1952 das erste Repertorium zum Bestand anlegte, ließ es sich nicht nehmen einzelne Aktenstücke mit dem Hinweis „hochinteressant“ zu versehen (s. z.B. Nr.115). Unter der Obhut des Gocher Archivpflegers wurden zahlreiche Aktenstücke bereits aufwendig restauriert. So zum Beispiel die 27 Pergamenturkunden, die unter dem Klassifikationspunkt Urkunden I erfasst sind. Die älteste Urkunde datiert aus dem Jahr 1379 und betrifft die Finanzierung des Gocher Gasthauses. Gasthaus meint in diesem Kontext natürlich nicht das Gasthaus, wie wir es heute kennen. Zwar stand es vermögenden Reisenden und Pilgern gegen Bezahlung für Übernachtung und Kost zur Verfügung, aber auch Alte, Kranke, Notleidende erhielten hier Hilfe. Nicht zuletzt wurden auch Waisen aufgenommen.

Rechnungsbuecher des Gast- und Waisenhauses der Evangelischen Kirchengemeinden Goch aus vier Jahrhunderten, aus: Bestand 4KG 055 (Goch), Nr.411
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Kirchliches Amtsblatt der Rheinprovinz 1860-1948 online

Erste Ausgabe des kirchlichen Amtsblattes vom 01.07.1860.

Neben den im letzten Monat auf unserer Website zur Verfügung gestellten Digitalisaten der Rheinischen Provinzialsynode steht nun ein weiterer Quellensatz für Recherche- und Forschungszwecke bereit. Unter Quellentexte zur Rheinischen Kirchengeschichte findet sich die Verlinkung zu den digitalisierten kirchlichen Amtsblättern der Rheinprovinz der Jahre 1860 bis 1948. Die publizierten Einzelausgaben wurden jahrgangsweise zu Sammelbänden zusammen gefasst, die als PDFs zum Download angeboten werden. Die Digitalisate der Amtsblätter sind wie die der Rheinischen Provinzialsynode ebenfalls dank OCR per Stichwort durchsuchbar.

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Butter für den Kirchbau: Meddersheimer Turmsanierung in Zeiten der Hyperinflation

Preissteigerungen sind aktuell in aller Munde, allerdings kein Vergleich zu der durch die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs verursachten Hyperinflation des Jahres 1923. Ein beredtes Beispiel findet sich im kürzlich verzeichneten Archiv der Kirchengemeinde Meddersheim, die just in dieser Zeit dringend notwendige Reparaturen am Turm ihrer Kirche in Angriff nehmen musste.

aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 131B (Meddersheim), Nr. 56

Der Kostenvoranschlag des damit beauftragten Bauunternehmers von Ende August 1923 belief sich zunächst auf 3.812.837.500 Mark bei einem Stundenlohn von 480.000 Mark, die Summe steigerte sich jedoch im Zuge der galoppierenden Geldentwertung innerhalb nur weniger Wochen auf insgesamt gut acht Billionen Mark. Der Wertverlust verlief so rasant, dass Zahlungen bald innerhalb eines Tages überwiesen werden mussten. Da die Kirchengemeinde mit der Aufbringung der Beträge nicht mehr nachkam, drohte die durch Zahlungsstockungen und ausbleibende Materiallieferungen ebenfalls am Rande des Ruins stehende Baufirma mit dem Abbruch der Arbeiten, sofern die Gemeinde nicht wenigstens 60 Sack Kalk für die notwendigsten Ausbesserungen beschaffen würde. Mitte November 1923 war die Entwertung schließlich soweit fortgeschritten, dass der Bauunternehmer Rechnungen für geleistete Arbeiten nicht mehr in Geld, sondern in Naturalien, genauer: in Butter und „Frucht“ (also Getreide) als Ersatzwährung ausstellte.

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