Die religiöse Erziehung der Kinder in konfessionell gemischten Ehen ein Problem für das Erbe?

Dass die religiöse Erziehung der Kinder aus „Mischehen“ oder konfessionell gemischten Ehen in Teilen des Rheinlandes ein Problem darstellte, haben wir hier im Blog bereits gezeigt und auch Informationen zur Begrifflichkeit erhalten. „Das Mischehenwesen im Rheinland im 19. Jahrhundert“ wurde jetzt durch Volker Speth wissenschaftlich untersucht – auch durch Zugriff auf Archivalien unseres Archivs – und veröffentlicht.

Ein Schlaglicht auf die Auswirkungen bis in die Erbfolge wirft der folgende Zeitungsausschnitt aus der Koblenzer Zeitung vom 16.7.1928. Das Dokument ist in unserem Archivbestand 2LR 025 (Statistisches Amt) Nr. 51 enthalten. Der damalige Statistiker, Pfarrer Ewald Diederichs aus Remlingrade, hatte eine Presseausschnittssammlung angelegt (siehe Findbuch, ab Seite 40).

Zeitungsausschnitt über eine Frage der Kindererziehung in einer Mischehe, 14.7.1928, in: 2LR 025 (Statistisches Amt), Nr. 51

Da der Ausschnitt in Frakturschrift gesetzt ist, möcht ich den Text übertragen:

„Ein in gemischter Ehe lebender evangelischer Landwirt hatte das Versprechen der katholischen Kindererziehung gegeben, in einem Testament dann aber bestimmt, daß die Kinder sein Vermögen nur erben solten, wenn sie im evangelischen Glauben erzogen würden. Sonst solle die Schwester Erbin sein. Diese Bestimmung hat das hiesige [Koblenzer] Landgericht für ungültig erklärt, weil es mit dem Anstands- und Rechtsgefühl aller sittlich ernst denkenden Menschen in Widerspruch stehe, auf die religiöse Anschauung eines Menschen durch Androhung von Vermögensnachteilen oder Inaussichtstellen künftiger Vorteile einzuwirken. Die volle Glaubens- und Gewissensfreiheit sei allen Bewohnern des Reichs durch die Verfassung gewährleistet worden. Dazu komme, daß die Bestimmung auf die Kinder gerade dann einwirken solle, wenn sie nach Vollendung des 14. Lebensjahrs ihre Religionsmündigkeit erlangt hätten. Auch deswegen widerspreche sie den guten Sitten. Die Entscheidung ist rechtskräftig geworden.“

Karl Barth: 50. Todestag und das Karl Barth Jahr 2019

Heute vor 50. Jahren starb Karl Barth, der als „Kirchenvater des 20. Jahrhunderts“ gilt

Karl Barth

Bekennende Kirche, Theologische Schule Elberfeld, Professor Karl Barth, Fotograf: unbekannt, Fotosammlung: Nachlass Heinrich Lücke, 7NL 030

Aber wer war er eigentlich und warum wird ihm aktuell in den Medien große Aufmerksamkeit gewidmet?

„Er stellte sich gegen Adolf Hitler, protestierte gegen die Wiederaufrüstung der Bundesrepublik, warnte vor einer geistlosen Konsum-Gesellschaft. Der streitbare Schweizer Theologe Karl Barth (1886-1968) war jahrzehntelang die mutigste und prägnanteste Stimme des Protestantismus.“ (Stephan Cezanne/ epd) via ekir.de

Zu seinen Ehren hat der Reformierte Bund einen Webauftritt “Karl Barth 2019. Gott trifft Menschen“ sowie auch eine Wanderaustellung konzipiert, die vom 09. Dezember bis 27. Januar in der Bonner Kreuzkirche zu sehen ist.

Wer Karl Barth live hören möchte, findet einen Interview-Ausschnitt auf der interaktiven Website  „Widerstand!? –Evangelische Christinnen und Christen im Nationalsozialismus“ . Die Website vereint auch Quellen verschiedener Archive u.a. zu seiner Person bzw. zum Thema des Nationalsozialismus.  

Weitere Infos zu Karl Barth finden sich auch hier im Blog im bereits publizierten Blogbeitrag von Herr Flesch „Ein Brief des Theologen Karl Barth vom 16. August 1945”.

Gottesdienstplakat

Ankündigung evangelischer und katholischer Gottesdienste in der Stadt Linz am Rhein

Plakat, Ankündigung evangelischer und katholischer Gottesdienste in der Stadt Linz am Rhein, von A. Schulte in Linz; aus Bestand: AEKR Boppard Sammlung R. W. Schmidt (unverzeichnet)

In der noch nicht ganz erschlossen Sammlung von Dr. K. W. Schmidt in der Evangelischen Archivstelle Boppard findet sich ein Plakat, auf dem die katholische und die evangelische Pfarrkirche ihre Gottesdienste ankündigen. Das Plakat stammt vermutlich aus der Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts und hat die Größe von DIN A3.  Es zeigt Abbildungen beider Kirchen sowie Telefonnummern beider Pfarrämter. Umrandet wird das Plakat von Motiven des ausgehenden Jugendstils. Der Druck erfolgte durch A. Schulte in Linz, vermutlich im Auftrag der Stadt. In der Stadt Linz am Rhein scheint es ein friedliches Miteinander der beiden Konfessionen gegeben zu haben. 

Weiß jemand die genaue Datierung?

„Kirche unterwegs“ – dahin, wo andere Urlaub machen

Kirchenbus

Campingmission, Kirche unterwegs mit Posauenchor im Hintergrund; Camper gehen zum Gottesdienst; Fotograf: Hans Lachmann, Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 02712_02

„Camping-Seelsorge ist kein Werbetrick“ – so titelte das evangelische Sonntagsblatt „Der Weg“ einen Bericht über die Tätigkeit des Gemeindemissionars Gerhard Gruska. Er war der erste im Rheinland, der von Campingplatz zu Campingplatz reiste und Gottesdienste  abhielt. Die Campingseelsorge entspräche „der Erkenntnis, dass sich die Kirche nicht nur im traditionellen gottesdienstlichen Leben, sondern in allen Lebensbereichen verwirkliche.“ Der Urlaub sei die richtige Zeit, auf Menschen zuzugehen, weil sie Ruhe und Muße hätten.

Kirchenbus Gottesdienst

Ruf zum Gottesdienst am Sonntagmorgen, Campingmission im Sauerland, Fotograf: Hans Lachmann, Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 02712_14

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80 Jahre Novemberpogrome: Tagebucheintrag Pfarrer Klaus Lohmann

Predigt in der Pogromnacht für die Juden im Jahre 1938

Lohmann, Klaus, Vikar Ausbildungsamt der Bekennenden Kirche Johannes Schlingensiepen
1936, Pfarrer; Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 80088_08

In Gedenken an die Pogrome erinnern wir an Pfarrer Klaus Lohmann, der den folgenden Tagebucheintrag taggenau genau vor 80 Jahren am 14. November 1938 bezogen auf die Ausschreitungen und Synagogenbrände der Pogromnacht des 9./10. November 1938 verfasste:

Tagebucheintrag von Pfarrer Klaus Lohmann, nach der Pogromnacht am 9./10 November 1938, Notiz unter dem Datum: Montag, 14.11.1938; aus Bestand: AEKR 7NL 091 (Nachlass Pfr. Klaus Lohmann)

„Morgens telefoniert mich die Stapo an: ich solle erscheinen! Verhör wegen meiner gestrigen Predigt. Ich habe gestern gesagt, dass ‚alle Völker‘ sich vor Gott verantworten müssen, Russland u. auch Deutschland. Weiter, dass auch die Juden Christi Brüder u. somit unsere Brüder sein können! – Ich werde laufen gelassen – für wie lange? – Frauenhilfe, Andacht über Offbg 1, 1-3. Abds [Abends] Gemeindeversammlung in meiner Wohnung. Ich spreche fast anderthalb Stunden zur Lage, u. ich glaube, die Leute verstehen, dass wir weiter den Weg der BK gehen müssen.“

Klaus Lohmann, Montag, den 14. November 1938.

Anlass des Verhörs war diese Predigt, die er als maschinenschriftliches Manuskript bei der Gestapo einreichen musste: Weiterlesen →

Aufbau der Landeskundlichen Dokumentation in der Evangelischen Archivstelle in Boppard

Neuer Sammlungsbestand mit Faltblättern und andere Informationen

Landeskundliche Dokumentation im Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland, Archivstelle Boppard. Bestand: AEKR Boppard 8SL 085B ( Landeskundliche Sammlung)

Immer wieder findet man in Aktenbeständen oder Kirchengemeinden usw. Faltblätter von Gebäuden und Orten oder Informationen zu Veranstaltungen und vieles mehr. Da diese manchmal keinen Bezug zu dem Aktenbestand haben, werden diese nun in einem eigenen neuen Sammlungsbestand aufgenommen: 8SL 085B Landeskundliche Sammlung.

Diese Sammlung von Faltblättern, Prospekten und Informationen umfasst den Zeitraum von 1950 bis heute. Diese sind nach folgenden Obergruppen schematisch gegliedert: Kirchen und Klöster; Orte; Landesgeschichte; Burgen, Festungen und Schlösser; Landschaften; Gedenkstätten und Museen; Bibliotheken; Archive; Vereine und Stiftungen; Kirchliche Einrichtungen; Landeskirchliche Informationen; Judentum; Persönlichkeiten; Kultur- und Baudenkmäler. Die Faltblätter und Informationen können zur Ergänzung von Ausstellungen, aber auch als Vorlage für Veröffentlichungen usw. dienen. Diese Sammlung umfasst das gesamte Gebiet der Evangelischen Kirche in Deutschland und teilweise das angrenzende Ausland und den deutschsprachigen Raum, da einige der Informationen einen Bezug zu dem Gebiet der EKD bzw. EKiR haben. Der Schwerpunkt liegt aber auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche im Rheinland, das Teile der Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Nordrhein-Westfalen umfasst.

Frühe Netzwerke gegen Frauenhandel

Mitgliedskarte Pastor Otto Ohl, Deutsche Liga zur Bekämpfung des Frauenhandelns, München 1. April 1914; Bestand: AEKR 7NL 211 (Nachlass Otto Ohl), 634

Im Nachlass von Otto Ohl, dem Leiter und Referenten der Inneren Mission im Rheinland, befindet sich eine Mitgliedskarte der Deutschen Liga zur Bekämpfung des Frauenhandels aus dem Jahre 1914. Die Frage tauchte bei mir auf, welche Frauengruppen damals und heute betroffen sind und wie der Frauenhandel ablief. Die Dokumente geben darauf eine Antwort. Ist das Ziel, die Abschaffung der Zwangsprostitution heute erreicht? Das darf bezweifelt werden. Weiterlesen →