Hinter Gittern. Kein Nachlass des Gefängnisseelsorgers Hans Freitag im Landeskirchenarchiv

„Nein, es war kein Versehen, dass der evangelische Pfarrer i.R. Hans Freitag seine umfangreiche Sammlung dem Landesarchiv und nicht dem Landeskirchenarchiv angeboten hat.“

So beginnt der Bericht über die Sammlung des evangelischen Gefängnisseelsorgers Hans Freitag im Jahresbericht „Das Landesarchiv Nordrhein-Westfalen 2020“ (Düsseldorf 2021, S. 38-39). Hans Freitag (Die evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer im Rheinland, Bd. 2, Bonn 2013, Nr. 3512) wurde am 20.05.1929 in Plankenfeld (Oberfranken) geboren und absolvierte die Lehre als Dreher und später die Ausbildung an der Evangelistenschule Johanneum in Wuppertal. Nach einer Tätigkeit bei der Wuppertaler Stadtmission und dem Examen als Gemeindemissionar (1962) war Freitag von 1967 bis 1994 (1995?) Seelsorger am Gefängnis in Lüttringhausen, später als Justizvollzugsanstalt Remscheid bezeichnet.

Warum die Abgabe an das Landesarchiv kein Versehen gewesen sei, wird in dem Beitrag nicht erläutert. Einen Hinweis findet man im zweiten Absatz: Freitag war „vom Land bezahlter Gefängnispfarrer“ und stand in keinem Dienstverhältnis zur evangelischen Landeskirche oder einer ihrer Untergliederungen. Das Landesarchiv hat die Abgabe in drei Teile aufgegliedert: Die offizielle Korrespondenz hat die Bestandsbezeichnung Gerichte Rep. 794, Briefe und Aufzeichnungen aus der Seelsorge und seine Forschungen über die Geschichte des Strafvollzugs bilden den Bestand RW 794. Die umfangreiche Fotosammlung Freitags wurde in den Bestand RWB integriert.

Auch wenn die Sammlung Hans Freitags nicht in unser Landeskirchenarchiv gelangt ist, ist es doch gut zu wissen, dass es diesen Bestand gibt. Der gesamte Artikel im Jahresbericht des Landesarchivs 2020 lässt sich hier nachlesen (PDF, S. 20).

12 neue Findbücher online!

Auf der Website des Archivs der Ev. Kirche im Rheinland kann von nun an in 12 weiteren Findbüchern recherchiert werden.

Unter ‚Landeskirchliche Ämter und Einrichtungen‘ sind folgende Bestände zu finden:

2LR 002 Pfarrerdienst beim Evangelischen Konsistorium der Rheinprovinz, Konsistorialrat Helmut Rößler,
2LR 013M Evangelische Landvolkshochschule Altenkirchen,
2LR 036B Evangelische Studentengemeinde Bonn,
2LR 037B Evangelische Studentengemeinde Köln,
2LR 045 Kirchliche Hochschule Wuppertal (KiHo).

Zur Bestandsgruppe ‚Selbständige Werke und Einrichtung“ kamen hinzu:

5WV 005 Bergische Bibelgesellschaft,
5WV 014M Presseverband der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Im Bereich der ‚Handakten‘ sind nun auch die des ehemaligen Präses Peter Beier einsehbar:

6HA 030 Präses D. Dr. phil. h.c. Peter Beier.

Eine Erweiterung erfuhr auch die Bestandsgruppe der ‚Nachlässe‘:

7NL 038 Pfarrer Wolfgang Scherffig,
7NL 094 Pfarrer Dr. Hermann Korth,
7NL 098 Superintendent Hermann Becker.

Innerhalb der ‚Sammlungen‘ ist die der Handschriften recherchierbar.

8SL 048 Handschriften.

Aufbau der Landeskundlichen Dokumentation in der Evangelischen Archivstelle in Boppard

Neuer Sammlungsbestand mit Faltblättern und andere Informationen

Landeskundliche Dokumentation im Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland, Archivstelle Boppard. Bestand: AEKR Boppard 8SL 085B ( Landeskundliche Sammlung)

Immer wieder findet man in Aktenbeständen oder Kirchengemeinden usw. Faltblätter von Gebäuden und Orten oder Informationen zu Veranstaltungen und vieles mehr. Da diese manchmal keinen Bezug zu dem Aktenbestand haben, werden diese nun in einem eigenen neuen Sammlungsbestand aufgenommen:  8SL 085B Landeskundliche Sammlung.

Diese Sammlung von Faltblättern, Prospekten und Informationen umfasst den Zeitraum von 1950 bis heute. Diese sind nach folgenden Obergruppen schematisch gegliedert: Kirchen und Klöster; Orte; Landesgeschichte; Burgen, Festungen und Schlösser; Landschaften; Gedenkstätten und Museen; Bibliotheken; Archive; Vereine und Stiftungen; Kirchliche Einrichtungen; Landeskirchliche Informationen; Judentum; Persönlichkeiten; Kultur- und Baudenkmäler. Die Faltblätter und Informationen können zur Ergänzung von Ausstellungen, aber auch als Vorlage für Veröffentlichungen usw. dienen. Diese Sammlung umfasst das gesamte Gebiet der Evangelischen Kirche in Deutschland und teilweise das angrenzende Ausland und den deutschsprachigen Raum, da einige der Informationen einen Bezug zu dem Gebiet der EKD bzw. EKiR haben. Der Schwerpunkt liegt aber auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche im Rheinland, das Teile der Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Nordrhein-Westfalen umfasst.

April Challenge #Archive30 – Tag 17: A Collection – eine Sammlung

Analoge Fotos der Fotosammlung Hans Lachmann werden laufend digitalisiert und für die Recherche und Nutzung aufbereitet.

Neben Schriftgut, werden bei uns auch analoge Fotos archiviert. So sieht es aus, wenn 1000ende Fotos im Archivregal in Fotoschachteln aufbewahrt werden. Die Fotos stammen aus dem Fotografennachlass Hans Lachmann.

Analoge Fotos aus der Fotosammlung Presseverband (8SL 069)

Die Fotos werden laufend digitalisiert, mit Metadaten erschlossen und für die Recherche sowie Nutzung aufbereitet. Im digitalen Bildarchiv Bestand 8SL 046 (Bildarchiv), können die Fotos dann nach Schlagworten durchsucht und in digitaler Form herunter geladen werden.

Aber schauen Sie selbst:
➦ Das Bildarchiv des AEKR 

Pfarramts-Poker in der frühen Neuzeit

Scherenschnitt von Wilhelm Valentin Denhard (1758-1798), 8SL063, Nr.37

Scherenschnitt von Wilhelm Valentin Denhard (1758-1798), 8SL063, Nr.37

Wilhelm Valentin Denhard war ein typischer Vertreter neuzeitlicher, reformierter Pfarrerfamilien im Rheinland: mit ausgeprägtem Traditionsbewusstsein und weit verzweigten Beziehungen zu einflussreichen Familien des protestantischen Bürgertums im Rheinland und darüber hinaus.
Sein Lebensweg ist gut dokumentiert.
Er wurde am 9. Oktober 1758 als Sohn des reformierten Pfarrers Johann Valentin Denhard in Gemarke geboren.
Er trat in die Fußstapfen seines Vaters und studierte Theologie in Duisburg und Marburg.
1778 wurde er an die Gemeinde Stolberg berufen, den Herkunftsort seiner Ehefrau Ida Gertrud Schleicher, die er im Jahr 1780 heiratete. Bis zu seinem Tod am 30. September 1798 blieb er in Stolberg – obwohl sich ihm 1791 noch eine weitere attraktive Möglichkeit bot: Die Berufung an die Hochdeutsche reformierte Gemeinde in Amsterdam.

Die Überlieferung zu dieser Berufung ist bemerkenswert dicht. Sie wirft einerseits ein interessantes Streiflicht auf die damalige Praxis bei der Pfarrstellenbesetzung, und ist andererseits ein spannender Einzelfall, denn die schlussendliche Absage Denhards kam einem Affront gleich.
Der spannende schriftliche Niederschlag dieses Pfarrstellen-Pokers, hier in Auszügen wiedergegeben, findet sich in der Sammlung Pfarrerfamilie Denhard (8SL 063, Nr. 13 u. 14). Weiterlesen