Walter Sauer, Siegelzeichner der Evangelischen Kirche im Rheinland

Sauer Walter, Düsseldorfer Grafiker Kirchensiegel, Foto um 1980 von Inge Sauer (Privatbestand);

Siegel sind kleine Kunstwerke“

Walter Sauer war ein Düsseldorfer Grafiker, Produktgestalter und Maler, der neben innovativen Entwicklungen im Bereich des Industrie-Designs auch zahlreiche neue Kirchensiegel für die Evangelische Kirche im Rheinland entworfen hat. Sein Talent für klare Formgebung führte zu einer Neugestaltung von Zeichen und Siegeln, die der traditionellen Gattung ein ebenso modernes wie zeitloses Erscheinungsbild gaben. Walter Sauer war  an der Siegelordnung der Evangelischen Kirche im Rheinland beteiligt, indem er dem Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland Vorschläge für die Formulierung der Siegelordnung unterbreitete. Er arbeitete in diesem Bereich eng mit Archivrat Walter Schmidt zusammen.

Walter Sauer war Vorsitzender der Landesgruppe Niederrhein des Bundes Deutscher Gebrauchsgrafiker, in diesem Zusammenhang wies er gegenüber dem Landeskirchenamt darauf hin, dass auch die  Siegel-Entwürfe zu zahlen sind. Dies ist in der Gebührenordnung des Bundes Deutscher Gebrauchsgrafiker so festgelegt. Walter Sauer schenkte 1949 der Rheinischen Kirche einige Siegelentwürfe, hat aber als Gegenleistung die Veröffentlichung seines Aufsatzes über das Siegelwesen Siegel_fuer_Gemeinden1960 Siegel für Gemeinden” im Amtsblatt der Evangelischen Kirche im Rheinland angeregt. Walter Sauer machte sich nicht nur Gedanken um die Honorare der Grafiker, sondern regte auch an, die Namen der Siegelgrafiker im Amtsblatt zu nennen. 1974 schreibt er an Herrn Opkerk vom Landeskirchenamt:

Gute Siegel sind kleine Kunstwerke und kosten oft viel Mühe. Es wäre darum angebracht und billig, den Namen des Entwerfers im Amtsblatt zu nennen und damit schriftkundig [aktenkundig] zu machen, zumal der Urheber ja im jahrzehntelangen Gebrauch des Siegels anonym bleibt.

 

Lebenslauf von Walter Sauer

  • 1912 geboren am 13. März in Hannover aufgewachsen in Rinteln an der Weser
  • Malerlehre
  • Retuscheur in einer Lichtdruckerei in Hannover
  • 1930 Neben dem Abendstudium an der Kunstgewerbeschule in Hannover Besuch von Tagessemestern (Freihandzeichnen, Aktzeichen, Farbenlehre, Schrift). Sonntags fuhr er mit dem Motorrad in die Natur und malte.
  • 1937 Übersiedlung nach Düsseldorf
  • 1937-1939 Studium der Malerei an der Malschule Karp, später Strahn, an der er auch als Lehrer tätig war, und Grafik-Studium an der Kunstakademie Düsseldorf, wo er den Schriftunterricht übernahm.
  • 1940 Heirat mit seiner Akademie-Kommilitonin Anneliese Werthmann
  • 1940-1945 Militärdienst
  • 1943 Geburt der Tochter Christel
  • 1946 Geburt des Sohnes Martin
  • 1946 Neugründung des Bundes Deutscher Gebrauchsgraphiker, bei dem er Vorsitzender der Landesgruppe Niederrhein wurde
  • 1949 Geburt der Tochter Inge
  • 1954-1956 Zusammenarbeit mit seinem früheren Lehrer Walter Maria Kersting (1892-1970) im Atelier für Formgestaltung
  • ab 1957 Entwicklung der ersten neuen Modelle und Techniken für die Sanitärbranche (Waschtische, Körperformwannen usw.) für die Firmen Zimmer & Kellermann sowie Keramag. Später Verträge als Chefdesigner für den Sanitärbereich bei Villeroy & Boch in Mettlach/Merzig und Dänischburg, mit Ahlmann-Carlshütte in Rendsburg und die Firma Keune in Hemer
  •  zahlreiche Vorträge und Veröffentlichungen über Produktdesign in Fachzeitschriften
    Entwürfe für Anzeigen, Corporate Design und Kataloggestaltung, Marken, Firmenzeichen und Siegelentwürfen für Unternehmen, Vereine und Kirchengemeinden
  • ab 1945 Neben Produktdesign und Gebrauchsgrafik Malerei in Öl, Aquarell und Pastell sowie freie Grafik – Zeichnung, Lithografie und Radierung
  • 1972-1975 Vorsitzender des Künstlervereins Malkasten
  • 1982 Verleihung der Malkasten-Ehrenmitgliedschaft
  • Ausstellungen seiner Bilder und Grafiken (in Düsseldorf: im Malkasten,
  • Schloss Benrath, Museum Kaiserswerth, Stadtmuseum)
  • Daneben immer auch verfassen und Publizieren von geistreichen, oft mit        gesellschaftskritischen Texten mit Illustration und kalligraphischer                        Gestaltetung. Sein letztes Buch, die bibliophil gestaltete Anthologie: „Unsere  treuen Bäume“
  • 1994 gestorben am 30. Oktober in Düsseldorf
  • 2012 Ausstellung „Walter Sauer und seine Familie“ im Museum Kaiserswerth, anlässlich seines 100. Geburtstags (mit Werken von Anneliese Sauer, Inge Sauer, Eva Sauer), kuratiert von Inge Sauer

Im Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland gibt es die Sammlung Walter Sauer 8SL 014 Inhalt: Siegelentwürfe (Zeichnungen, Repros und Filme), Programm der Mülheimer Fachtagung über Kirchensiegel 1963.

Inge Sauer schrieb 2012 einen Aufsatz über die Arbeit ihres Vaters in der Zeitschrift R(h)einkultur  Walter_Sauer_von Inge Sauer

Literatur: Walter Sauer: Marken‑Zeichen‑Industriedesign‑Siegel‑Malerei‑Graphik Düsseldorf 1972

Ergänzende Archivbestände: 8SL 038 (Siegelsammlung)

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