Spröde Quellen zum Sprechen bringen – Presbyteriumsprotokolle und Jahresrechnungen

Unter diesem Titel warben wir bereits 2012 bei einer Fortbildungsveranstaltung für ehrenamtliche Archivbetreuer für das Crowdsourcing bei der Transkription früh-
neuzeitlicher Amtsbücher. In erster Linie kommen hier die Protokolle der örtlichen Presbyterien oder Konsistorien in den Blick. Sie bilden eine Quellengruppe von kaum zu überschätzender Bedeutung, von der bislang nur wenige Gemeindeserien als Editionen vorliegen. Einen aktuellen Überblick für das Rheinland finden Sie hier.

Im Unterschied zum Sprachgebrauch seit preußischer Zeit, der den Begriff Konsistorium auf die zentralen kirchlichen Oberbehörden einengt, ist hierunter in der frühen Neuzeit, vor allem im reformierten Kontext, das gewählte ehrenamtliche Leitungsgremium der Kirchengemeinde zu verstehen. Es entspricht dem heutigen Presbyterium und setzte sich zusammen aus den Ältesten, den Diakonen und dem
oder den Predigern. In den Protokollen bietet sich der historischen Forschung nun wirklich das alltägliche Leben in der dörflichen oder städtischen Gemeinde dar.

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NS-kritische Satire „Das Rotkäppchen“ fand ihren Weg auch nach Weiler

Im Archiv der Kirchengemeinde Merxheim-Weiler fand sich bei der Verzeichnung des Bestandes unter den von Pfarrer Martin Ernst Heinrich aus der Zeit des „Dritten Reiches“ nachgelassenen Dokumenten ein maschinenschriftlicher Durchschlag der NS-kritischen Satire „Das Rotkäppchen“, die 1937 in den „Münchner Netteste Nachrichten“, Faschingsausgabe der „Münchner Neueste Nachrichten“, erschienen und unter der Hand reichsweit verbreitet worden war. Die Satire erzählt das bekannte Märchen mit nationalsozialistischem Kolorit:

aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 121B Merxheim-Weiler
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Frauenkalender gab es schon vor 115 Jahren

Frauenkalender, 1906, Archivbibl. Sig. ZK 1245

Hätten Sie gedacht, dass es schon vor 115 Jahren Kalender im Taschenbuchformat mit dem Titel „Frauenkalender“ gab? Das verbindet man doch eher mit der Emanzipationsbewegung der 1970er Jahre. Vor mir liegt der „Frauenkalender für 1906, herausgegeben vom Deutsch-Evangelischen Frauenbunde“, der im Verlag von Edwin Runge in Gr. Lichterfelde-Berlin seit 1904 erschienen ist.

Der Deutsch-Evangelische Frauenbund war 1899 gegründet worden, „die größtenteils aus bürgerlichem Milieu stammenden Mitglieder setzten sich für den gleichberechtigten Zugang zu Bildung und Beruf für Mädchen und Frauen ein“ (Wikipedia).

Was hat nun dieser Kalender seinen Leserinnen geboten? Ganz modern, ist dem Titelblatt ein Werbeblatt vorgeschaltet, mit ganzseitiger Reklame für „Palmin – feinste Pflanzenbutter“ und „Leonhardi’s Tinten“. Nach den obligatorischen Monats-Kalenderseiten folgen so praktische Angaben wie Maße und Gewichte und Post- und Telegraphen-Gebühren.

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Heiße Sommertage: Probleme für das Klima im Archivmagazin

Bestandserhaltung im Archiv ist ein wichtiges und präsentes Thema. Um eine dauerhafte Aufbewahrung und Erhaltung von Archivgut zu gewährleisten sind die in den Magazinen herrschenden Temperatur- und Feuchtigkeitswerte von essentieller Bedeutung. Ein Raumklima, das nicht an die dort gelagerten Archivalien angepasst ist, beeinträchtigt die Haltbarkeit, schädigt diese und reduziert somit die Lebensdauer maßgeblich. Weiterhin kann eine zu hohe Luftfeuchtigkeit und eine zu hohe Raumtemperatur dazu führen, Schimmel zu erzeugen und den chemischen Abbauprozess von Papier deutlich zu beschleunigen. Daher ist die Schaffung eines geeigneten und konstanten Magazinklimas eine zentrale Aufgabe im Archiv.

Archivmagazin K29
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Kennen Sie Konrad Heresbach?

Ja natürlich, wenn Sie etwa in Mettmann das nach ihm benannte Gymnasium besucht haben oder generell gut bewandert in der niederrheinischen Landes und Religionsgeschichte des 16. Jahrhunderts sind. Aber die Beschäftigung mit seiner Persönlichkeit lohnt sich für alle.

Im Zuge der vom Archiv der EKiR begleiteten Kunstaktion „Kirchenköpfe“ ist jetzt das Portrait des Humanisten und fürstlichen Rates Konrad Heresbach (1496-1576) der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Informationen zu seiner Vita und zur künstlerischen Realisierung finden Sie hier.

Der Preußenadler über dem Saar-Département

Bescheinigung der Übergabe von vier Siegelstempeln durch den Wolfer Pfarrer Friedrich Adolph Bartz an den Kreissekretär des neu geschaffenen Kreises Bernkastel am 10. März 1817 (Bestand 4KG 059B, KG Wolf/Mosel, Nr. 102).

Im Zuge einer Recherche im Bestand der Kirchengemeinde Wolf/Mosel sprang ein Schreiben aus dem Jahr 1817 mit vier Siegelstempeln ins Auge, von denen zwei auf den ersten Blick Widersprüchliches zu vereinigen scheinen: Über der in der Zeit der französischen Herrschaft zwischen 1798 und 1813 gebräuchlichen Bezeichnung „Saar-Departement“ thront der preußische Adler, und dem ebenfalls von den Franzosen kreierten Verwaltungsterminus „Local-Consistorium“ sind die Worte „Koen. Preussisches“ vorangestellt.

Historischer Hintergrund dieses Kuriosums ist, dass sich der Übergang von der französischen Administration zur preußischen Verwaltung in einem längeren Prozess vollzog, der sich von 1814 bis 1818 erstreckte. Wie immer in politischen Übergangszeiten konnten die alten Strukturen nicht von heute auf morgen aufgehoben werden, doch trotzdem musste man schon nach den neuen Bedingungen arbeiten, und so wurden zeitlich befristete Zwischenlösungen erforderlich.

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Neues Online-Findbuch: Kirchengemeinde Oberstein

Neu auf der Website des Archivs ist das Online-Findbuch der Kirchengemeinde 4KG 119B Oberstein. Die Herrschaft Oberstein gehörte zur pfälzischen Grafschaft Falkenstein und stand bis 1675 den Grafen von Daun, bis 1766 den Grafen von Leiningen-Heidesheim und bis 1794 den Grafen von Limburg-Styrum zu. Die Siedlung entstand unterhalb der Burgen Bosselstein und Schloss Oberstein, Sitz der beiden Hauptlinien der 1075 erstmals genannten Herren von Stein (Oberstein). An einer Felswand unterhalb von Burg Bosselstein ließ Graf Wirich IV. von Daun zwischen 1482 und 1484 die Felsenkirche errichten. Nach Einführung der Reformation durch Graf Philipp Franz von Daun 1572 ging die Kirche an die evangelische Gemeinde Oberstein über und blieb bis 1964 deren einziges Gotteshaus. Nach Bildung des Fürstentums Birkenfeld 1817 wurden die nun preußischen Ortschaften Breungenborn, Ausweiler, Frauenberg und Hammerstein der Kirchengemeinde Reichenbach zugewiesen, gleichzeitig die vier Abteigemeinden Göttschied, Regulshausen, Gerach und Hintertiefenbach von Georg-Weierbach nach Oberstein umgepfarrt. Hintertiefenbach ging 1842 an die Kirchengemeinde Fischbach; Göttschied wurde zum 1.1.1963 zur eigenständigen Gemeinde erhoben.

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