Kirchenglocken für Kriegszwecke

Tatjana Klein hatte vor drei Jahren in unserem Blog über die Beschlagnahme von Kirchenglocken für Kriegszwecke berichtet . Zu diesem Thema hat vor kurzem das Archiv- und Fortbildungszentrum des Landschaftsverbandes Rheinland in seiner Online-Reihe „Zeitlupe“ als „Dokument des Monats Oktober 2019“ einen Beitrag von Katharina Schmude über die Rückgabe der Glocke aus Schloß Moyland bei Kleve veröffentlicht. Ausführlich wird hier allgemein der Ablauf v.a. der Rückgabe der nicht eingeschmolzenen Kirchenglocken aus dem Rheinland dargestellt.

Regionale Handbücher der evangelischen Kirchenbauten im Rheinland. Teil 2

Nach einem ersten Teil mit dem Überblick über die Literatur zu den Kirchenbauten in den Kirchenkreisen Aachen bis Bonn geht es heute in der Region Nordrhein um die Kirchenkreise Dinslaken, Düsseldorf und Duisburg.

Kirchenkreis Dinslaken

Gemeindebuch des Kirchenkreises Dinslaken erschienen in Essen: Lichtweg Verl.ag, 1961, hrsg. von d. Kreissynode Dinslaken

Für den Kirchenkreis Dinslaken fehlt ein Handbuch der Kirchenbauten. Den einzigen Überblick bieten die beiden Gemeindebücher: Das Gemeindebuch 1951 der Kreissynode Dinslaken wurde bereits sechs Jahre nach Kriegsende herausgegeben. Es enthält noch die Kirchengemeinden in Oberhausen und Nord-Duisburg, die 1954 abgetrennt wurden. Das Gemeindebuch des Kirchenkreises Dinslaken wurde 1961 vom Kreissynodalvorstand herausgegeben; es bietet Angaben zu den Kirchengemeinden und ihren Predigtstätten sowie Abbildungen derselben.

Weiterlesen

Kochrezepte aus dem 18. Jahrhundert

Weihnachtszeit ist Schlemmerzeit. Plätzchen, Kekse, Christstollen, Bratäpfel, Glühwein, Gänse-oder Entenbraten, Klöße, Rotkohl und und und… Die Auswahl an Köstlichkeiten ist riesig. Selbstredend greift man da – nicht nur an den Feiertagen – gerne und oft zu.

Koch- und Backrezepte 18. Jh., Bestand: AEKR, 4KG 005 (Evangelische Kirchengemeinde Düsseldorf – Bestand Düsseldorf I), 296

Auch das Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland kann zu dieser Jahreszeit mit dem einen oder anderen kulinarischen Tipp aufwarten. Der Bestand 4KG 005 Evangelische Kirchengemeinde Düsseldorf – Bestand I, Nr. 296 „Kochrezepte und ärtzliche Verordnungen“ hält ca. 130 unterschiedliche Rezepte parat. Die Kochrezepte stammen von einer ortsansässigen Familie, die sich seit dem 18. Jahrhundert erhalten haben und somit Einblick in die damalige Esskultur gewähren.

Im Hinblick auf die kommenden Feiertage möchte ich Ihnen im Dezember wöchentlich ein Rezept vorstellen. Zu dem Originalrezept reiche ich eine Transkription, sodass das Rezept zu Hause gerne nachgebacken werden kann!

Weiterlesen

5 Jahre Archivblog

Am 28.11.2014 ging das Blog des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland online. Seither sind hier über 450 Artikel erschienen, womit wir einen kleinen Beitrag zu der -leider immer noch überschaubaren- archivischen Blogosphäre in Deutschland zu leisten suchen.

Die Bandbreite der Artikel reicht von Hinweisen auf aktuelle Fortbildungsveranstaltungen oder Publikationen hin zu längeren Miszellen über ausgewählte historische Themen. Regelmäßiges Feature sind auch die Informationen über benutzungsrelevante Bestandszugänge oder neue Online-Findmittel.

Tatjana Klein, die 2014 engagiert das Archivblog initiierte, hat ja mittlerweile die Leitung des Kreisarchivs des Rheinisch-Bergischen Kreises übernommen. Wir sind aber optimistisch, mit einer Mischung aus neuen KollegInnen und alten Hasen auch 2020ff. weiter für eine bunte Vielfalt an interessanten Themen zu stehen. Im Bereich der evangelischen Kirchenarchive sind übrigens seither die ansprechend gestalteten und informativen Blogs aus Nürnberg (1/2017) und Stuttgart (2/2019) hinzugekommen. Für diese -wie auch natürlich unser eigenes Blog- möge gelten: Ad multos annos!

Regionale Handbücher der evangelischen Kirchenbauten im Rheinland. Teil 1

Viele Menschen interessieren sich für Kirchengebäude, nicht nur für Dome und Kathedralen in Urlaubsgebieten, sondern auch für Kirchen in ihrer Heimat. Für viele Städte und Regionen im Gebiet der Evangelischen Kirche im Rheinland gibt es Handbücher oder andere Zusammenstellungen der Kirchengebäude; zum Teil sind nur die evangelischen Kirchen aufgeführt, teilweise aber auch Gotteshäuser anderer Kirchen oder sogar Religionen. Durch die Aufgabe etlicher Kirchen in den vergangenen 10-15 Jahren haben die Verzeichnisse schon historischen Wert. Wir wollen uns den Übersichten auf der Grundlage der evangelischen Kirchenkreise nähern, da deren Gebiet oftmals den Raum der dargestellten Kirchen definiert.

In einem ersten Teil sollen die Kirchenkreise Aachen bis Bonn im Landesteil Nordrhein behandelt werden:

Kirchenkreis Aachen:

Das Buch Evangelische Gottesdienststätten im Kirchenkreis Aachen erschien 1986 und wurde vom Kreissynodalvorstand herausgegeben. Auf 144 Seiten werden geschichtliche Übersichten über den Kirchenkreis und die Kirchengemeinden geboten; auf einer Doppelseite wird jede Gottesdienststätte mit Text und Außen- und Innenaufnahme dargestellt.

1998 legte der Kirchenkreis unter dem Titel Brücken bauen ein Handbuch vor, das ebenfalls Angaben zu den Gottesdienststätten in den Gemeinden enthält und jeweils eine Aufnahme bietet. Der Vollständigkeit halber soll das Gemeindebuch des Kirchenkreises Aachen aus dem Jahr 1959 erwähnt werden. Auch hier finden sich geschichtliche Angaben und Abbildungen der Kirchen.

Kirchenkreis An der Agger (die Gemeinden liegen im Oberbergischen Kreis, Rosbach im Rhein-Sieg-Kreis)

Evangelisch in Oberberg; ISBN: 978-3-9804392-2-0

Im Jahr 2007 gab der Kirchenkreis ein Handbuch unter dem Titel Evangelisch in Oberberg heraus; neben umfangreichen Berichten über Angebote und Einrichtungen des Kirchenkreises werden die Kirchengemeinden auf mehreren Seiten vorgestellt. Die zahlreichen Fotos zeigen auch alle Gottesdienststätten.

Aus dem Jahr 1962 stammt das Gemeindebuch des Kirchenkreises An der Agger, das zahlreiche Informationen über die Gemeinden und je eine Abbildung der Kirchen bringt. Auf zwei spezielle Veröffentlichungen für den oberbergischen Bereich soll hier noch hingewiesen werden, die wohl einzigartig für das Rheinland sind: eine regionale Übersicht über die Glocken der Kirchengemeinden unter dem Titel Glocken und Geläute im Oberbergischen und ein Handbuch der Orgeln Orgeln in oberbergischen Kirchen.

Weiterlesen

Klassenfoto mit Massenmörder, oder: Die Problematik christlicher Schuldvergebung

Der vielfach ausgezeichnete Journalist Jürgen Gückel hat jetzt eine aufrührende Studie zu dem SS-Hauptsturmführer Artur Wilke veröffentlicht, seinem ersten Lehrer in der Nachkriegszeit. 1963 wurde dieser zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Hierzu hat Gückel auch im Archiv der EKiR geforscht. Wer aber war Artur Wilke und warum finden sich zahlreiche Briefe von ihm im Düsseldorfer Archiv?

Klassenfoto mit Massenmörder; Vandenhoeck & Ruprecht; ISBN: 978-3-525-31114-1

Diese Fragen führen zu einem Bestand, der seit seiner Erschließung 2005 bereits Gegenstand mehrerer wissenschaftlicher Publikationen wurde: Der Nachlass des Wuppertaler Theologen Prof. Hermann Schlingensiepen enthält umfängliche Korrespondenzen mit den in den großen NS-Prozessen der 1960er Jahre verurteilten Massenmördern der Einsatzgruppen und Konzentrationslager.

Weiterlesen

Warum sind die rheinischen Superintendenten geborene Mitglieder der Landessynode?

Wenn vom 12. bis 16. Januar 2020 die 73. Rheinische Landessynode tagt, dann wird möglicherweise auch ein Thema zur Sprache kommen, das schon ein Jahr zuvor im Zusammenhang mit Überlegungen zur Verkleinerung der Landessynode die Gemüter bewegt hatte – die Frage nämlich, ob es gerechtfertigt ist, dass alle rheinischen Superintendenten qua Amt automatisch Mitglieder der Landessynode sind. Eine von der Kirchenleitung eingesetzte Arbeitsgruppe konnte keine theologische Begründung für diese Regelung finden und sah ihre Ursprünge „in der preußischen konsistorialen Verwaltung“. Doch ist dies tatsächlich so? Es ist reizvoll, dieser Thematik anhand der Protokolle der Rheinischen Provinzialsynoden des 19. Jahrhunderts nachzugehen.

Deckblatt und erste Seite des Protokolls der Provinzialsynode der Provinz Großherzogtum Niederrhein vom 20. bis 26. April 1819. Da im Kirchenkreis Saarbrücken damals drei Superintendenten amtierten und im Kirchenkreis Kreuznach zwei, wurden aus diesen Kirchenkreisen keine weiteren Pfarrer zur Synode zuzgezogen. Die Kirchenkreise Trarbach, Sobernheim, Wied, Koblenz, Aachen, Altenkirchen, Braunfels, Wetzlar und Simmern waren mit dem Superintendenten und je einem weiteren Pfarrer vertreten. (AEKR Boppard, Bestand Kirchenkreis Koblenz, Reg.-Nr. 06-1-2)

1817 hatte der preußische König in allen Provinzen die Einberufung von Provinzialsynoden angeordnet. Auch in den damals noch zwei rheinischen Provinzen Jülich-Kleve-Berg und Großherzogtum Niederrhein traten daraufhin im November 1818 bzw. im April 1819 Provinzialsynoden zusammen, die freilich nur aus den vom König ernannten Superintendenten und einer weiteren Anzahl von Pfarrern, nicht jedoch aus Laienvertretern bestanden. Diese Zusammensetzung entsprach allerdings in keiner Weise der presbyterial-synodalen Tradition von Rheinland und Westfalen, in der das Prinzip der gemeinschaftlichen Beratungen von Theologen und Nichttheologen sowie das Wahlprinzip einen hohen Stellenwert hatten.

Weiterlesen