Können Sie Steno? Aus der Arbeitspraxis eines Archivars

Stenografierte Notizen von Pfarrer Hans Josten, ca. 1959 (6HA 029)

Stenografierte Notizen von Pfarrer Hans Josten, ca. 1959 (6HA 029)

Unleserliche Handschriften stellen Archivare im Arbeitsalltag häufig vor Probleme.

Worum geht es in dem Schriftstück? Das ist eine wichtige Frage, wenn es um die richtige archivische Einordnung geht. Selbst wenn man ältere Schriften wie die deutsche Kurrentschrift und Sütterlin relativ gut beherrscht, kann man manchmal nur einzelne Wörter entziffern. Am schwierigsten ist es bei Konzepten und Briefentwürfen. Noch schlimmer ist es bei Eigennamen und Unterschriften.  Aber immerhin geben einzelne Wörter eine Orientierung, mit der man sich den Inhalt nach und nach erschließen kann.

„Oh Mann, was für eine Klaue. Ich kann kein einziges Wort entziffern!“ war auch meine erste Reaktion, als mir das abgebildete Schriftstück aus den Handakten des Pfarrers Hans Josten, von 1935 bis 1954 Leiter des Rheinischen Pfarrfrauendienstes, beim Verzeichnen in die Hände fiel. Weiterlesen

Quecksilber in der Suppe: Ein Ehedrama im Jahr 1601

Crustarius, Johannes (1552-1617) Pfarrer Kgm. Bacharach, Inspektor ( Superintendent ); AEKR 8SL 046 (Bildarchiv) 80034_2

Crustarius, Johannes (1552-1617) Pfarrer Kgm. Bacharach,
Inspektor ( Superintendent ); AEKR 8SL 046 (Bildarchiv) 80034_2

Bei dem grimmig blickenden Herrn auf dem Kupferstich handelt es sich um Johannes Crustarius, von 1587 bis 1617 als reformierter Inspektor oberster Geistlicher im kurpfälzischen Oberamt Bacharach am Mittelrhein.

Er stand dem reformierten Klassikalkonvent vor, der über die Kirchenzucht zu wachen hatte. Klagen über mangelnden Kirchenbesuch und Entheiligung des Sonntags standen dort ebenso auf der Tagesordnung wie Tanzvergnügungen und abergläubische Rückfälle in die katholische Vergangenheit. Im Frühjahr 1601 hatte sich der Konvent mit einem weitaus ernsteren Vergehen zu beschäftigen: Der erst 19-jährige Johannes Rödgen aus Nauheim bei Steeg hatte einen Giftanschlag auf seine Ehefrau verübt. Weiterlesen

Kurt Wolff am 30. März 1916 in Barmen geboren

Prof. Kurt Wolff Foto: Hans Lachmann Sammlung Fliedner-Kulturstiftung

Professor Kurt Wolff
Foto: Elsbeth Kohl, Düsseldorf
Sammlung Fliedner-Kulturstiftung

geboren am 30. März 1916 in Barmen
gestorben am 12. August 2003 in Düsseldorf

Am 30. März 2016 wäre Professor Kurt Wolff hundert Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass möchte auch das Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland an diesen vielseitig begabten Künstler erinnern. Weiterlesen

Kennen Sie diesen Pfarrer? Folge 2

 

Was bisher geschah: Am 18. Januar 2016 wurden 27 rheinische Pfarrer ohne Vergangenheit und Zukunft in die Weiten des Internet geschickt. Leider erreichte mich bislang über keinen von ihnen eine Nachricht.

Dieser Weg scheint also wenig erfolgversprechend zu sein. Da ich aber nach dem Motto lebe „Von der Politik lernen heißt Siegen lernen“ wende ich dies Mittel einfach weiter an und setze die Serie unverdrossen fort.

Im Jahre 1773 wurde der Pfarrer der kleinen lutherischen Gemeinde in Krefeld, Johannes Zacharias Dieterich, dienstunfähig.

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Osterkarte der Schülerbibelkreise

Schülerbibelkreise (BK) Johannes Schlingensiepen (l.) und Samuel Henrichs - Fröhliche Ostern Postkarte 1928

Schülerbibelkreise (BK)
Johannes Schlingensiepen (l.) und Samuel Henrichs – Fröhliche Ostern
Postkarte 1928

1928 übersandten Johannes Schlingensiepen, rheinischer Landeswart der Schülerbibelkreise (1924-1930, links) und Samuel Henrichs, Reichswart des Bundes Deutscher Bibelkreise (1926-1930, rechts), einen Ostergruß mit ihren Konterfeis an die Mitglieder.

1883 bildete sich in Elberfeld das erste Bibelkränzchen für Gymnasiasten. Die „Bibelkreise für Schüler höherer Lehranstalten“ (BK) waren seit 1915 als Reichsverband organisiert. 1934 wurden die Bibelkreise aufgelöst. Nach dem Krieg konstituierte sich die Evangelische Jugend Deutschlands – Schülerbibelkreise mit Sitz in Wuppertal-Barmen als Träger der Jugendarbeit innerhalb der EKD. Aus ihr erwuchs die Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Schülerinnen- und Schülerarbeit (AES).

Die Schülerbibelkreise waren das Sprungbrett für so manche Karriere im kirchlichen Raum. Wir möchten Sie auf folgende Bestände unseres Archivs hinweisen:

  • Schülerbibelkreise (Signatur: 5WV 013), 1886-1989,
  • Nachlass von Pfarrer Werner Dümling, Landeswart der Schülerbibelkreise im Rheinland (Signatur: 7NL 190),
  • Nachlass des Superintendenten Samuel Henrichs (Signatur: 7NL 064),
  • Handakten des Oberkirchenrats Johannes Schlingensiepen (Signatur: 6HA 002).

Wir wünschen Ihnen ein gesegnetes und frohes Osterfest

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland

 

Archivische Standards: Ein Hinweis (nicht) in eigener Sache

Fachliche Standards und Normen  in der alltäglichen Archivarbeit bilden ja keinen Selbstzweck. Vielmehr tragen sie zu größerer Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Einheitlichkeit bei. Eine ausgezeichnete Zusammenstellung haben aktuell die Kolleginnen und Kollegen des Landeskirchlichen Archivs in Bielefeld online gestellt. Weiterlesen

Inflation 1923: Milliarden für die Besoldung der Pfarrer

Hier soll ein Schreiben des Pfarrers und Superintendenten Walter Wolff aus Aachen – in seiner Funktion als Präses der Rheinischen Provinzialsynode – vom 2. Oktober 1923 an Pfarrer Wilhelm Menn vorgestellt werden. Menn war Pfarrer der kleinen Kirchengemeinde Remlingrade bei Remscheid und seit 1922 im Nebenamt der erste Sozialpfarrer der rheinischen Kirchenprovinz. In dieser Funktion sollte er sozialethische Themen bearbeiten und die Kirche in den Gremien der Arbeitswelt vertreten.

Gehaltsinflation, Schreiben Präses Wolff an Pfarrer Wilhelm Gustav Menn, aus Bestand: AEKR Düsseldorf 6HA 008 (Handakten Wilhelm Menn), Sig. 1;

Gehaltsinflation, Schreiben Präses Wolff an Pfarrer Wilhelm Gustav Menn, aus Bestand: AEKR Düsseldorf 6HA 008 (Handakten Wilhelm Menn), Sig. 1;

In dem Schreiben geht es um die Gehaltszahlung für die Pfarrer und die Spesen für Menn – unter den erschwerten Bedingungen der gewaltigen Inflation, die Deutschland erfasst hatte. Anschaulich macht die ungeheure Geldentwertung die Entwicklung des Briefportos 1923 (Quelle: Wikipedia): 31.01.: 50 Mark,
26.06.: 100 Mark,
08.08.: 1.000 Mark,
07.09.: 75.000 Mark,
03.10.: 2 Mio. Mark,
22.10.: 10 Mio. Mark,
03.11.: 100 Mio. Mark,
09.11.: 1 Mrd. Mark. Bei der Währungsreform am 15.11.1923 betrug das Porto 10 Mrd. Mark, die einem Reichspfennig entsprachen. Der Dollarkurs in Mark war 1923 von 49.000 bis auf 4,2 Billionen Mark gestiegen, die am 15.11. 4,20 Reichsmark entsprachen. Weiterlesen