Bei Verzeichnisarbeiten an den Koblenzer Ortsakten (Bestand 1OB 008) fand sich in der Beiakte „Die bauliche Unterhaltung der St. Florinskirche in Koblenz“ (Nr. 14861) ein Bildband des Fotoateliers ‚Welt-Foto-Koblenz Lindstedt-Zimmermann‘. Darin enthalten sind Aufnahmen der Florinskirche am Tage ihrer Einweihung am 7. September 1930. Aufgenommen wurden sie von Karl Zimmermann, einem emsigen und arbeitsamen Fotografen, der nach dem 1. Weltkrieg v.a. für die Besatzungsmächte erst in Diez an der Lahn, später in Koblenz tätig war. Daneben fing Zimmermann mit seiner Kamera auch seine Umgebung ein und dokumentierte somit das Zeitgeschehen.
Das Rechnungsbuch im klassischen Schmalfolio-Format; aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 026B Bell I Nr. 23
Im älteren Archiv der Kirchengemeinde Bell, dessen Findbuch jetzt auch online verfügbar ist, finden sich Kirchenrechnungen, die bis 1531, also in die vorreformatorische Zeit zurückreichen. Die darin notierten Ausgaben spiegeln den Verlauf und die Auswirkungen der 1557 in der Hinteren Grafschaft Sponheim eingeführten Reformation wider. In der Zeit davor wurden erwartungsgemäß jährlich Ausgaben für Kerzenwachs, Chrisam und „vor die Kirchen Kleidern zu weschen“ angesetzt. Von großer Bedeutung war offenbar auch das Osterbrot, dessen Austeilung besondere Stiftungen sicherten. Bemerkenswert hingegen sind die jährlichen Ausgaben für Wein, den man zu Ostern, Weihnachten und dem Kirchweihfest am St. Johannistag „in der Kirchen gebraucht“ hat. In Bell wurde also möglicherweise bereits lange vor Einführung der Reformation das Abendmahl unter beiderlei Gestalt ausgeteilt. 1557 ging „das Kirspels [Kirchspiels] Volk“ dann erstmals auch offiziell zum „Nachtmahl“, wie die Einträge in dem Rechnungsbuch belegen. In diesem Übergangsjahr wurde zum letzten Mal das Osterbrot ausgeteilt, finden sich in den (allerdings lückenhaften) Jahrgängen letztmalig Ausgaben für die Reinigung liturgischer Gewänder und die Anschaffung von Chrisam und Wachs. „Schlicht ist Pflicht“ betitelte einst ein Vortrag die einschneidenden Veränderungen im Zuge der Reformation, und das galt jetzt auch für Bell. Die Beller Kirchenrechnungen sind ein schönes Beispiel, wie wertvoll eine nüchterne serielle Quelle für die Forschung sein kann.
1557 ging es erstmals „zum Nachtmahl“; aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 026B Bell I Nr. 23
Heute ist es manchem vielleicht schon unangenehm, wenn der Gemeindebrief der Kirchengemeinde mit Namensaufdruck im Zeitungsbriefkasten des Mehrfamilienhauses liegt. Mitglied der Kirche zu sein, ist unmodern geworden. 1926 konnte in Bonn zumindest jedes Mitglied der Evangelischen Gemeinde nachlesen, wer sich ebenfalls dazu zählte: Die Evangelische Gemeinde gab ein „Gemeindebuch, Ausgabe 1926/27“ heraus, das „1. Die Einrichtungen der evangelischen Gemeinde Bonn“ und „2. Mitglieder-Verzeichnis“ umfasste. Immerhin, auch wenn der Datenschutz noch unbekannt war, es wurde „gedruckt nur für die Mitglieder der evang. Gemeinde Bonn.“ Ein Exemplar gelangte etwa vier, fünf Jahrzehnte später in die Bibliothek des Landeskirchlichen Archivs (Signatur OB 18 006).
Gemeindebuch der evangelischen Gemeinde Bonn; Ausgabe 1926/27
Was bewog die Gemeinde, ein solches Gemeindebuch herauszugeben? Natürlich, die Übersicht über die Einrichtungen der Gemeinde, die Pfarrer und ihre Bezirke mit Straßenverzeichnis, die Kirchen und Gemeindehäuser, das ist nicht ungewöhnlich; dazu ein Überblick über díe Geschichte und Vorgeschichte dieser – in einem bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts ausschließlich katholischen Umfeld – erst 1816 gegründeten evangelischen Gemeinde. Es soll ein Zusammenhalt geschaffen werden, man soll einander kennen können. Im Vorwort heißt es dazu: „In Zeiten wie die unsrige ist das Bedürfnis nach Zusammenschluß mit Gleichgesinnten besonders stark. Auch dazu möchte diese Schrift helfen“.
Minibücher des WHW mit Bildern von Heinrich Hoffmann aus dem Bestand 8SL089
Bei der Ordnung unseres Bestandes 8SL089, welcher allerlei dreidimensionale Objekte und museale Gegenstände beinhaltet, fiel mir auch ein Archivkarton mit einer Sammlung von diverser “grauer Literatur“ in die Hand. Darunter waren diese Miniaturbücher des „Winterhilfswerks des deutschen Volkes“ mit Bildern von Heinrich Hoffmann. Das WHW sollte als Nothilfeaktion zur Bekämpfung der Folgen von Arbeitslosigkeit und Armut helfen. Nach Gründung im September 1933 fungierte es als Organisation für Spendenannahmen und profitierte dabei von schnellem Wachstum. Vor allem durch die angeordneten Haus- und Straßensammlungen der NSDAP, sowie durch den Verkauf von Abzeichen, wurde das WHW zu einer der bekanntesten Organisation des Alltags im Nationalsozialismus. In den Jahren 1933 bis Ende 1943 wurden über 8.000 Abzeichen in hoher Auflage und in den verschiedensten Ausführungen und Materialien zu lokalen Anlässen und Veranstaltungen herausgegeben. Dazu gehören auch die Miniaturbücher, die gerade mal die Maße 4,8 x 3,6 (Höhe x Breite) cm haben und damit noch viel kleiner als gewöhnliche Taschenbücher sind. Inhaltlich lassen sie sich als eine Art Jahreschronik der Nationalsozialismus definieren, die immer bei sich geführt werden konnten, da sie auf Grund ihrer Größe in jede Hosentasche passten.
Das Amt des Präses in der Evangelischen Kirche des Rheinlands ist ein vielseitiges. Der Präses (bisher waren es tatsächlich nur Männer) ist leitender Geistlicher der Landeskirche, Vorsitzender der Landessynode, Vorsitzender der Kirchenleitung und des Landeskirchenamtes und selbstredend auch der Repräsentant der Kirche nach außen. In dieser Funktion empfängt oder besucht er selbstverständlich Vertreter anderer Landeskirchen oder Glaubensgemeinschaften. Bei solchen Gelegenheiten werden oft Geschenke oder Dankesgaben überreicht. Diese werden zunächst gut in der Präsidialkanzlei verwahrt und später an das Archiv übergeben.
Als erst vor kurzem zahlreiche solcher Gastgeschenke und Gaben an das Archiv überreicht wurden, staunten die Mitarbeitenden nicht schlecht über die vielen interessanten Objekte, die vor allem aus den Amtszeiten der Präsides Peter Beier (1989-1996), Manfred Kock (1997-2003) und Nikolaus Schneider (2003-2013) stammen. In der Regel handelt es sich dabei oft um Kreuze aller Art, Kreuz- oder Jesusfiguren, Münzen und Medaillen, (religiöse) Abbildungen wie Zeichnungen oder Fotografien, Bücher, audiovisuelle Medien oder Skulpturen. Darunter finden sich aber auch Geschenke, die etwas außergewöhnlich sind und dadurch besonders herausstechen.
Nach den drei Videos zur Einführung in die Schriftgutverwaltung, widmet sich das neue Video speziell der Frage, ob und wie Ersetzendes Scannen in den Verwaltungen der Evangelischen Kirche im Rheinland zum Einsatz kommen kann. Es gibt ein wenig rechtlichen Hintergrund und viele praktische Tipps für die Herangehensweise.
Wenn Sie noch weitere Fragen zur Schriftgutverwaltung haben, die wir auf diesem Wege beantworten sollen, schreiben Sie mir gerne eine Email.
Christa Lippold hat eine weitere Sammlung an Urkunden und Zeugnissen Ihres Vaters Pfarrer Eberhard von Mering dem Archiv zur Aufbewahrung überlassen, die zum Bestand 7NL 225 aufgenommen wurden. Ein wichtiges Teilsegment bilden dabei die Briefe Ihrer Eltern aus dem geschichtsträchtigen Jahr 1933. Es ist der Briefwechsel von den Studenten Ruth Liebert und Eberhard von Mering von Januar bis Oktober 1933. Neben Alltäglichem berichten die Liebenden rudimentär auch von der aktuellen politischen Lage.
Es handelt sich hier um ein Zeugnis des jungen B.K.-Theologen in Rodenkirchen und seiner zukünftigen Ehefrau aus Zeiten der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Von Mering äußert sich kritisch über die Massenhysterie, die nach Hitlers Regierungsübernahme am 30. Januar 1933 vorherrsche. Im Brief vom 20. Februar 1933 berichtet von Mering von einer Hitler-Rede, die aus den Messehallen übertragen wurde. Aus Sicht eines evangelischen Theologen ist ihm das „blindwütige Zujubeln und Massengeheul unsympathisch“. Von Mering hält die Rede Hitlers, „die von glühendstem Hass gegen seine Mitmenschen getragen ist“, für Gotteslästerung.
In einem späteren Brief vom 11. April 1933 beklagt er die kritiklose Begeisterung für die neue Regierung, obwohl er auf einer Gausitzung über „soviel mittelalterlich Grausames gegenüber den Juden“ gehört hat. Und fügt noch hinzu:
„man muss entsetzt sein, dass so etwas in einem modernen Staate noch möglich ist. Alle Nächstenliebe ist in Fanatismus aufgegangen.“
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