Die Mitarbeitenden des Rundfunkreferats zu Besuch im Archiv der EKiR, 16.5.2024
Die Mitarbeitenden des Rundfunkreferats zu Besuch im Archiv der EKiR am 16.5.2024
Den vier Mitarbeitenden des Rundfunkreferats NRW eröffnete sich eine bisher unbekannte Welt. Anlässlich eines Beratungstermins mit Mitarbeitenden des Archivs der EKiR zur Übernahme der älteren Aktenbestände der Rundfunkarbeit erhielten sie auch die Möglichkeit, sich einmal hinter den sonst verschlossenen Türen der Archivmagazine umzuschauen. Dabei konnten sie sich zum einen von der fachgerechten Lagerung ihrer eigenen Altbestände überzeugen und zum anderen auch einen kleinen Einblick in die weiteren im Archiv verwahrten Quellen nehmen.
Wir haben uns sehr gefreut über das Interesse und die Wertschätzung unserer Arbeit, die uns entgegengebracht wurden, und freuen uns auf die weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Der Bestand der Kirchengemeinde Simmern unter Dhaun wurde Anfang 2024 in die Ev. Archivstelle Boppard gebracht. Die erste Ordnung und Verzeichnung erfolgte 1962 durch Archivrat W. Schmidt. Beim Sichten und der neuen Erschließung der Akten, wurde der vorhandene Registraturplan mit den Gruppen beibehalten, da er nur bei den Amts- und Rechnungsbüchern von dem Registraturplan 1994 abwich. Der geordnete Bestand hat eine Laufzeit von 1371 (Urkunden) bis 2015. Er hat 204 Verzeichnungseinheiten und ist in 34 Kartons verpackt. Durch das damalige zubinden der Akten mit Schnüren kam es an den Rändern zu Beschädigungen. Bei der Durchsicht der Akten wurden nur solche Schreiben kassiert, die keinen Bezug zur Gemeinde haben und auch an anderer Stelle vorliegen. Die Altarbibeln blieben bei dem Bestand. In diesem Bestand finden sich auch Archivalien zu den Filialgemeinden Weitersborn, Brauweiler, Horbach und Martinstein. Interessant sind auch die Familienpapiere zu der Fabry-Stiftung (1590-1877), sowie die Urkunden von 1371 bis 1530.
Ich habe gerade den Roman „Machandel“ von Regina Scheer gelesen. Dieses im Jahr 2014 erschienene Buch erzählt eine Familiengeschichte in der DDR in Ost-Berlin und dem kleinen Dorf Machandel in Mecklenburg. Aus der Sicht von fünf Personen wird in 25 Kapiteln diese Familiengeschichte mehrerer Jahrzehnte für die Lesenden zusammengefügt. Eine dieser Personen ist Herbert, ein Jugendfreund des Bruders der Hauptprotagonistin Clara. Herbert ist Historiker und arbeitet nach der Wende in den 1990er Jahren an dem Thema der Verstaatlichung der preußischen Eisenbahnen. In diesem Zusammenhang fand ich auf Seite 423 des Romas den folgenden Abschnitt über seine Besuche im Archiv:
„Eine Stunde später war ich im Archiv, froh, dass ich dort sitzen konnte, um mich herum das Rascheln von Papier und das leise Klappern der Tastaturen. Ich berührte die Akte vor mir mitsamt ihren Stempeln und Kürzeln aus vergangenen Jahrhunderten, spürte wie immer in solchen Momenten einen Anflug von Feierlichkeit, ein gespanntes Kribbeln, eine Neugier. Was würde mir diesmal entgegenkommen, wenn ich das vergilbte Papier umblätterte? Es war jedes Mal ein Gang in Unbekanntes, Dunkles: in Räume, die sich überraschend öffneten, oder durch Gänge, die ins Nichts führten, man musste aufpassen, dass man nicht ausrutschte, es gab keinen vorgezeichneten Weg. Immer wieder erfuhr ich, wie scheinbar Vergangenes in die Gegenwart führt, wie es immer um dasselbe geht – um Menschen und ihre Träume, um Macht und Ohnmacht. Und die Dinge sind selten so, wie sie scheinen.“
Regina Scheer, Machandel, 2014, S. 423
In diesem Sinne würden wir uns freuen, Sie in unserem Archiv begrüßen zu dürfen!
Seminar Notfallmanagement im Archiv im LVR-Kulturzentrum Abtei Brauweiler – Referentin Anna Katharina Fahrenkamp vom LVR-AFZ
„Vorsicht ist besser als Nachsicht“ ist ein für alle Archive universell geltender Leitspruch, wenn es um Notfallvorsorge und Notfallmanagement geht. Wie wichtig diese Themen für Archive sind, zeigen die folgenschweren Katastrophen und Havarien, die sich national und international allein in den letzten zwei Dekaden ereignet haben. Dazu gehören etwa das Elbhochwasser 2002, der Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek 2004, der Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009, der Brand im Nationalmuseum in Rio de Janeiro 2018, das Feuer im Krakauer Stadtarchiv 2021 und einige Monate später die Hochwasserkatastrophe in Deutschland (unser Kollege aus Boppard berichtete aus Bad Neuenahr). Die Hiobsbotschaft der russischen Invasion der Ukraine 2022 und die dabei gezielte Zerstörung ukrainischen Kulturerbes machten erneut deutlich, wie wichtig der Schutz unserer Kulturgüter ist. Der 55. Rheinische Archivtag 2022 widmete sich daher ganz dem Thema des Katastrophen- und Krisenmanagements.
Notfallvorsorge und Notfallmanagement sind integrale Elemente der Bestandserhaltung und somit Teil des Aufgabenspektrums archivischer Arbeit. Jedes Archiv hat also die Pflicht, sich Gedanken zu machen, welche Maßnahmen zu ergreifen sind, um sich bestmöglich für Notfälle zu wappnen. Glücklicherweise müssen Archivar:innen hier das „Rad“ nicht neu erfinden. Vielmehr kann man mittlerweile auf zahlreiche Literatur, Handlungsempfehlungen oder Online-Kurse (https://bestandserhaltung.eu/) zurückgreifen. Im Rheinland hat man zudem die Möglichkeit den Ernstfall sogar zu proben. Denn das LVR-Archivberatungs-und Fortbildungszentrum bietet jährlich ein Seminar mit Workshop zur Notfallvorsorge in Archiven, Bibliotheken und Museen an.
Einreihungsbescheid (Vorderseite) der Militärregierung Deutschland (Britisches Kontrollgebiet) zu Maßnahmen der Entnazifizierung in Deutschland Bestand 1OB 005
Einreihungsbescheid (Rückseite) der Militärregierung Deutschland (Britisches Kontrollgebiet) zu Maßnahmen der Entnazifizierung in Deutschland Bestand 1OB 005
Mit der vollständigen Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8./9. Mai 1945, dem Ende kriegerischer Auseinandersetzungen auf europäischem Boden (global endete der Krieg erst mit der Kapitulation des japanischen Kaiserreichs am 2. September 1945) und dem Zusammenbruch des Dritten Reiches galt es Deutschland für den demokratischen Neustart zu positionieren. Essentiell hierfür wurde die Ausmerzung der nationalsozialistischen Ideologie angesehen. Die Entnazifizierung Deutschlands wurde zur obersten Priorität und wurde dementsprechend im Schlussdokument der Potsdamer Konferenz vom 2. August 1945 festgehalten.
Im weitesten Sinne zielte die Entnazifizierung darauf ab, alles was nationalsozialistisch behaftet war – wie Gesetzgebung, Organisationen, Symbole, Schriften etc. – auszurotten. Im engeren Sinne versteht man heute darunter die Entfernung belasteter Personen aus allen wichtigen Ämtern der politischen, wirtschaftlichen wie sozialen Lebensbereiche. Die Sphäre der Kirche sollte hiervon nicht ausgenommen bleiben. Der für den Bereich der Nordrheinprovinz zuständige Major General schrieb diesbezüglich am 27. Juni 1945 recht missmutig in einem Brief u.a. an die SHAEF (Supreme Headquarters, Allied Expeditionary Force – Oberstes Hauptquartier der Alliierten Expeditionsstreitkräfte):
„1. At the present time the one place where the German people can gather together in large numbers and yet where little check can be kept on proceedings is in their Churches. 2. At the same time the one class of Germans of standing who have not been screened is the clergy. 3. This position ist obviously unsatisfactory. Steps will be taken to have the clergy fill in Fragebogen forthwith and to have these examined in the usual way (…)“ (1OB 005 Nr. 31).
Gestern trafen sich die Archivarinnen und Archivare der Düsseldorfer Archive im Stadtarchiv, um die Woche der Archive noch einmal Revue passieren zu lassen. Insgesamt ergab sich ein durchaus positives Bild, was den Erfolg und die Besucherzahlen der einzelnen Veranstaltungen anging. Trotz Bahnstreik fanden zahlreiche interessierte Besucher den Weg in die Archive. Damit war dann auch für alle Beteiligten klar: Es wird 2026 wieder einen Tag der Archive geben! In welcher Form dieser stattfinden wird, ist zum heutigen Zeitpunkt noch unklar. Einig waren sich doch alle, dass es beim nächsten Mal mehr Kooperationen der einzelnen Archive untereinander geben soll. Auf Grund der geografischen Lage und der einzelnen Archivsparten bietet es sich an, sich untereinander noch mehr zu vernetzen und gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, was dann auch hoffentlich noch einmal ein breiteres Publikum anziehen wird. Wenn sie auf dem Laufenden bleiben wollen, dann schauen sie gern regelmäßig auf dem Blog Archive in Düsseldorf- Tag der Archive und mehr vorbei.
Das Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Bärweiler-Lauschied umfasst den Zeitraum von 1628-1958. Da das Pfarrhaus jedoch 1686 durch einen Brand zerstört wurde, enthält der Bestand nur noch ein Schriftstück des 17. Jahrhunderts (Brief-Fragment von 1628) und nur wenige des 18. Jahrhunderts, ausschließlich das Rechnungswesen betreffend. Die Dokumente sind zum Teil durch Wasserschaden beeinträchtigt.
Das Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Burgsponheim stammt abgesehen von einigen wenigen Blättern, die bis 1725 zurückgehen, aus der Zeit der rheinischen Provinzialkirche. Das neuere Schriftgut reicht bis 1960. Nachlässige Aktenführung und längere Vakanzen haben zu empfindlichen Verlusten des ohnehin nicht besonders umfangreichen Archivs geführt.
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