La Rochelle, belle et rebelle: Reformierte Netzwerke zwischen Aachen und La Rochelle im 17. Jahrhundert

Siège de la Rochelle, aus Bestand: AEKR 7NL015 (Nachlass J. F. Goeters), Nr. 863

Das Archiv der EKiR verwahrt eine Sammlung von sechs Briefen, die zwischen Dezember 1657 und Oktober 1658 in der französischen Hafenstadt La Rochelle geschrieben wurden. Ihr Verfasser war der aus einer wohlhabenden reformierten Aachener Familie stammende Daniel Römer (1629-1686). Wie schon sein Vater reüssierte er im Bankgeschäft. Adressat war sein Schwager Dr. Georg Ulrich Wenning (1615-1696), reformierter Pfarrer in Aachen und Vaals.

Wenning verfügte über ausgezeichnete Beziehungen in die Niederlande und hatte 1648 bei den Friedensverhandlungen in Münster und Osnabrück als diplomatischer Emissär Aachens gewirkt. 1652 hatte er Römers Schwester Katharina geheiratet.

Daniel Römer erlebt damals die letzte Phase hugenottischer Gemeinden in Frankreich. Bei der Belagerung der hugenottischen Festungsstadt 1627-28 durch die Truppen des Kardinals Richelieu waren 80 % der Einwohner an Hunger und Krankheiten gestorben. Das Gnadenedikt von Alès 1629 bildete fortan für 40 Jahre die rechtliche Grundlage für protestantisches Leben in Frankreich: Alle politischen Privilegien wurden den Hugenotten genommen, ihre Synoden bedurften nun der Genehmigung des Königs. Aber noch konnten sie ihre Gottesdienste feiern. Erst Ludwig XIV. wird dann die aggressive Unterdrückung einleiten, die schließlich 1685 im Edikt von Fontainebleau kulminiert.

Berichte von Daniel Römer über kirchliche Zustände in la Rochelle Dez. 1657- Okt. 1658, Schwager von Prediger Ulrich Wenning der Kirchengemeinde Aachen, aus Bestand: AEKR Düsseldorf 4KG 004 ( Ev. Kirchengemeinde Aachen), Nr. 36

Immerhin nehmen in La Rochelle 1658 nach Römers Schätzung noch „5- bis 6000“ Kommunikanten am reformierten Abendmahl teil. Vier Pastoren (in seiner Diktion „Lehrer“) betreuen diese Gemeinde. Römer benennt Jean Flanc, Jean Daillé, Samuel Prioleau und –vor allem- Laurent Drelincourt. 1625 geboren, amtierte er von 1651 bis 1661 in La Rochelle. Nach harten Konflikten musste er nach Paris ausweichen und übernahm dann die Pfarrstelle in dem nah bei La Rochelle gelegenen Niort, wo er 1680 starb. Bekannt ist er vor allem als Verfasser von Sonetten. Römer berichtet davon, dass Drelincourt einen Empfehlungsbrief von Charles de Rochefort erbeten habe. Dieser weilte damals als reformierter Prediger in Rotterdam, nachdem er viele Jahre auf den Antillen verbracht hatte, über die er auch eine erfolgreiche „Histoire naturelle“ geschrieben hatte.

Die Briefe beleuchten schlaglichtartig die Beziehungen zwischen reformierten Familien im Kontext religiöser Unterdrückung. Dabei gestalteten sich die Bedingungen im Aachen der 1650er Jahre eher noch repressiver als in La Rochelle. Wer mag, kann sich hier in die vollständigen Texte vertiefen.

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