Mitgliedskarten für alle möglichen Einrichtungen und Unternehmen begleiten unser Leben, heute zumeist in Plastikform. Bereits vor über hundert Jahren legte ein privater Verlag der Evangelischen Kirchengemeinde Köln einen solchen Kirchenpass zur Einführung vor.
Stefanie Schensar, Leiterin des Archivs des Ev. Kirchenverbandes Köln und Region, erläutert in ihrer Reihe „Archivale des Monats“ in der Zeitung „Unsere Kirche“ anschaulich die Zusammenhänge. Das Kölner Presbyterium sah jedenfalls 1908 kein rechtes Verhältnis von Kosten und Ertrag und lehnte die Einführung ab. Ein Muster befindet sich noch im Kölner Archiv.
An die regionalen Beiträge möchte ich noch einen Artikel anschließen, der einen Überblick gibt über die Buchtitel, die sich mit Kirchenbauten im Gebiet der Evangelischen Kirche im Rheinland als Ganzes oder eines überregionalen Teiles befassen.
Burgen Gottes – Zelte der Gemeinde; Kirche am Rhein – Eine Bilddokumentation
Vom Inhalt und Aufbau her sind die folgenden Titel z. T. kaum vergleichbar. Erstmals erschien 1968 ein Überblick über „Architektur und Kunst in der Ev. Kirche im Rheinland“, wie der Untertitel zu dem Bildband „Burgen Gottes – Zelte der Gemeinde“ lautet. Über 150 meist großformatige Abbildungen geben einen Überblick über die Kirchen in Voll- oder Detailansichten. Einige Fotos zeigen andere Motive der Kunst oder Architektur. Einen „Ideengeber“ hatte laut Vorwort der Band in dem Bildkalender „Das Evangelische Rheinland“, der ab 1956 bis 1970 erschienen ist; das Landeskirchliche Archiv besitzt eine Sammlung der Kalenderjahrgänge.
Ein Gesamtporträt unserer Landeskirche zeigen sollte der Nachfolge-Band „Kirche am Rhein. Eine Bilddokumentation“, den Hans-Otto Kindermann 1984 herausgab. Geschichte, Landschaft, Leben in der Gemeinde und Personen kommen hier zu Architektur und Kunst hinzu. Auf 216 Seiten wechseln sich klein- und großformatige Fotos mit Texten ab.
Kirche entdecken und erleben: Ein Reiseführer durch die Evangelische Kirche im Rheinland mit ihren 46 Kirchenkreisen
In Zeiten von Papiermangel kamen und kommen gelegentlich
die Rückseiten bereits benutzter, dann aber nicht mehr benötigten Blätter als
Briefpapier zum Einsatz. Es kann deshalb reizvoll sein, den Zusammenhängen
zwischen der zufällig überlieferten Briefrückseite und dem eigentlichen Inhalt
des Schreibens nachzuspüren. Ein solcher Fall tauchte kürzlich bei der
Bearbeitung einer Nachlieferung zum Nachlass des Koblenzer Superintendenten
Wilhelm Rott (1908-1967) auf.
Flugblatt zur Wahlveranstaltung der Gesamtdeutschen Volkspartei in Bendorf am 22. August 1953 (Bestand 7NL 024B, Nachlass Superintendent Wilhelm Rott, Nr. 39).
Es handelt sich um einen Brief an Wilhelm Rott vom 4.
November 1953, den ihm sein ehemaliger Vikar Günter Klein (1928-2015) im Jahr
1953 geschrieben hatte, nachdem er nach Ende seines Koblenzer Vikariats als
Repetent im kirchlichen Dienst an die Universität Bonn gewechselt war. Als
Briefpapier verwendete Klein überzählige Exemplare eines im Vorfeld der
Bundestagswahl vom 6. September 1953 entstandenen Flugblatts für eine
Wahlveranstaltung der Gesamtdeutschen Volkspartei (GVP) in Bendorf, in der er
selbst (der seinen Vornamen allerdings nicht mit „th“, sondern nur mit einfachem
„t“ schrieb!) als Redner auftrat.
Die GVP war eine im Jahr 1952 auf Initiative des späteren
Bundespräsidenten Gustav Heinemann gegründete Partei, die sich gegen die von
Konrad Adenauer betriebene Politik der Westintegration und insbesondere der
Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland wandte und stattdessen die Wiedervereinigung
auf dem Weg der Neutralität zwischen Ost und West anstrebte. In ihr sammelten
sich christlich geprägte Politiker beider großen Konfessionen, die sich
zunächst, wie Heinemann selbst, in der CDU , aber auch, wie die auf dem
Flugblatt genannte Helene Wessel, in der nach dem Zweiten Weltkrieg als
linkskatholische Alternative zur CDU wiedergegründeten Zentrumspartei engagiert
hatten. Der evangelische Flügel der GVP war stark von Theologen der Bekennenden
Kirche geprägt, in der sich auch der Bonhoeffer-Mitarbeiter Wilhelm Rott
engagiert hatte.
Erste und letzte Seite des auf der Rückseite der Flugblätter geschriebenen Briefs von Vikar Günter Klein an Superintendent Wilhelm Rott vom 4. November 1953. Der Text des Flugblatts schimmert auf der Rückseite durch (Bestand 7NL 024B, Nachlass Sup. Wilhelm Rott, Nr. 39).
Die auf dem Flugblatt ebenfalls genannten Politiker Joseph Wirth und Wilhelm Elfes gehörten nicht der GVP an, sondern waren führende Köpfe des 1953 gegründeten „Bundes der Deutschen“. Diese Partei widersetzte sich ebenfalls der Westintegration der Bundesrepublik, legte dabei aber stärker als die GVP den Akzent auf eine Verständigung mit der Sowjetunion – so wie es Wirth bereits in seiner Zeit als Reichskanzler in den Jahren 1921/22 getan hatte (Rapallo-Vertrag vom 16. April 1922). Im Vorfeld der Bundestagswahl 1953 hatten GVP und Bund der Deutschen ein Wahlbündnis geschlossen, erlitten jedoch – nicht zuletzt aufgrund der offenen kommunistischen Einflussnahme im Bund der Deutschen – eine mehr als deutliche Niederlage. 1957 löste sich die GVP auf, Heinemann und Wessel traten, wie viele andere Mitglieder auch, zur SPD über.
Ob sich Günter Klein über die Bendorfer Veranstaltung hinaus für die GVP engagierte und wie Wilhelm Rott zum politischen Engagement seines Vikars stand, ist nicht überliefert. Es steht jedoch zu vermuten, dass es eine Einzelaktivität blieb, denn Klein machte keine politische, sondern eine wissenschaftliche Karriere. Er wurde 1959 an der Universität Bonn mit einer Dissertation zu Ursprung und Entwicklung der Vorstellung der Zwölf Apostel im frühesten Christentum zum Dr. theol. promoviert, habilitierte sich bereits zwei Jahre später mit einer Arbeit über das Problem des Schismas bei Paulus und wurde 1964 auf den Lehrstuhl für Neues Testament der Theologischen Fakultät der Universität Kiel berufen. Von 1967 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1993 wirkte er als Lehrstuhlinhaber für Neues Testament und Direktor des Neutestamentlichen Seminars in Münster und ist dort am 27. Dezember 2015 gestorben.
Im letzen Teil dieser Serie blicken wir auf die südlichsten Kirchenkreise, vom Rhein über die Nahe bis zur Saar: An Nahe und Glan, Obere Nahe, Saar-Ost und Saar West.
In einem abschließenden Blogbeitrag werde ich noch Veröffentlichungen, die sich auf das ganze Gebiet der rheinischen Landeskirche beziehen, vorstellen.
Kirchenkreis An Nahe und Glan
Dieser Kirchenkreis wurde 1969 durch Fusion der Kirchenkreise Kreuznach, Meisenheim und Sobernheim errichtet. Weder für die drei alten Kirchenkreise noch für den Nachfolger konnte ich eine Veröffentlichung über die Kirchenbauten ermitteln. Auch das traditionelle Synodalbuch aus den 1950er Jahren gibt es hier nicht – und übrigens in keinem dieser südlichen Kirchenkreise.
Kirchenkreis Obere Nahe
Kirchenkreis Sankt Wendel: 150 Jahre Ev. Kirchenkreis St. Wendel; 1835 – 1985 / Hrsg.: Evangelischer Kirchenkreis St. Wendel. | Gemeinden im evangelischen Kirchenkreis Birkenfeld / Hajo Knebel; Karlheinz Brust
Aus der Vereinigung des Kirchenkreises Birkenfeld mit dem nördlichen, nicht saarländischen Teil des Kirchenkreises St. Wendel entstand 2010 der Kirchenkreis Obere Nahe.
Für den Kirchenkreis Birkenfeld legten Hajo Knebel und Karlheinz Brust 1979 das Buch „Gemeinden im evangelischen Kirchenkreis Birkenfeld“ vor, das vom Kirchenkreis herausgegeben wurde. Auf meist einer Seite werden die Gemeinden und ihre Kirchen mit Text und einer Abbildung vorgestellt.
Der damalige Kirchenkreis St. Wendel gab zu seinem 150jährigen Jubiläum 1985 den Band „150 Jahre Evangelischer Kirchenkreis St. Wendel 1835-1935“ heraus. Jede Kirchengemeinde und ihre Kirchenbauten werden hier ausführlich auf fünf bis zehn Seiten und mehreren Fotografien porträtiert.
Unser Kooperationsprojekt mit dem Verein für Computergenealogie (CompGen) zur Erfassung der Kölner Garnisonskirchenbücher seit 1816 hat seinen erfolgreichen Abschluss gefunden. In den auf Matricula eingestellten Kirchenbüchern können nun ca. 70.000 Datensätze online recherchiert werden.
Die Mehrzahl der Soldaten rekrutierte sich dabei gerade nicht aus dem Rheinland sondern aus den östlichen Provinzen Preußens. Für die Familienforschung bilden die Militärkirchenbücher generell eine noch wenig erschlossene Quellengruppe. Das Blog von CompGen informiert anschaulich über erste statistische Auswertungen etwa zu den Todesursachen. Auffällig ist die hohe Suizidrate unter den Garnisonsangehörigen.
Das Kürzel MBK stand ursprünglich für Mädchen-Bibelkreise und umschrieb die zwanglosen Bibeltreffen von Schülerinnen und Lehrerinnen aus der Gründungszeit in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Aber als sich der rheinische Verband dem Bund der MBK 1920 anschloss, verbarg sich bereits mehr dahinter. Natürlich war die Arbeit mit Schülerinnen und jungen Frauen immer ein Kerngeschäft, wobei auch dort die Bibeltreffen nur einen kleinen Teil des Programms beschreiben, viel bedeutender für die Vereinsmitglieder waren die jährlichen Freizeiten und Wochenenden, dies geht zumindest aus dem im Archiv der EKiR gelagerten Bestand hervor. Zahlreiche, liebevoll gestaltete Freizeitberichte von jungen Teilnehmerinnen bis in die 60er Jahre bezeugen die Beliebtheit und dankbare Annahme des Angebots. Begleitet wurden die Mädchen von sogenannten Reisesekretärinnen, die ihr Engagement nicht selten lebenslang dem MBK widmeten. Die Arbeit fruchtete. Viele der Mädchen übernahmen mit dem Heranwachsen ebenfalls Aufgaben der Vereinsarbeit.
„Es war einmal ein Gloria-Filmtheater…“ – so begann Superintendent Wilhelm Rott sein Grußwort anlässlich der Einweihung des neuen Evangelischen Gemeindezentrums in Weißenthurm am 2. August 1964. Hintergrund dieser für Außenstehende verwunderlichen Formulierung war der nicht alltägliche Umbau eines Kinos in ein kirchliches Gebäude.
Innenraum der Evangelischen Kirche in Weißenthurm bei ihrer Einweihung 1964, aus Bestand: KG Weißenthurm [extern]
Eigentlich hatte die noch junge, erst 1959 selbständig gewordene evangelische Gemeinde Weißenthurm nur zehn Jahre zuvor bereits ein Gemeindezentrum erbaut. Dies war für das stetig wachsende Kirchenvolk, das Anfang der 1960er Jahre schon mehr als 1.000 Seelen zählte, jedoch mittlerweile zu klein geworden und lag noch dazu am Rand der (damals noch) Ortsgemeinde Weißenthurm in der Pilau. Viele Gemeindemitglieder waren daher der Meinung, dass die Kirche zentraler liegen und in mehrerer Hinsicht „Zum Zentrum“ – so das Motto des Projektes – werden sollte: zum Zentrum des Ortes hin orientiert, zum Zentrum der Kirchengemeinde und nicht zuletzt zum Zentrum des Glaubens.
Erste Evangelische Kirche in Weißenthurm, aus Bestand: KG Weißenthurm [extern]
Diese Internetseite verwendet Cookies, um die Nutzererfahrung zu verbessern und den Nutzerinnen und Nutzern bestimmte Dienste und Funktionen bereitzustellen. VerstandenMehr Infos
Cookie-Bar einblenden
Privacy Overview
This website uses cookies to improve your experience while you navigate through the website. Out of these, the cookies that are categorized as necessary are stored on your browser as they are essential for the working of basic functionalities of the website. We also use third-party cookies that help us analyze and understand how you use this website. These cookies will be stored in your browser only with your consent. You also have the option to opt-out of these cookies. But opting out of some of these cookies may affect your browsing experience.
Necessary cookies are absolutely essential for the website to function properly. This category only includes cookies that ensures basic functionalities and security features of the website. These cookies do not store any personal information.
Any cookies that may not be particularly necessary for the website to function and is used specifically to collect user personal data via analytics, ads, other embedded contents are termed as non-necessary cookies. It is mandatory to procure user consent prior to running these cookies on your website.