Vom Kino zur Kirche: Das Evangelische Gemeindezentrum in Weißenthurm

„Es war einmal ein Gloria-Filmtheater…“ – so begann Superintendent Wilhelm Rott sein Grußwort anlässlich der Einweihung des neuen Evangelischen Gemeindezentrums in Weißenthurm am 2. August 1964. Hintergrund dieser für Außenstehende verwunderlichen Formulierung war der nicht alltägliche Umbau eines Kinos in ein kirchliches Gebäude.

Innenraum der Evangelischen Kirche in Weißenthurm bei ihrer Einweihung 1964, aus Bestand: KG Weißenthurm [extern]

Eigentlich hatte die noch junge, erst 1959 selbständig gewordene evangelische Gemeinde Weißenthurm nur zehn Jahre zuvor bereits ein Gemeindezentrum erbaut. Dies war für das stetig wachsende Kirchenvolk, das Anfang der 1960er Jahre schon mehr als 1.000 Seelen zählte, jedoch mittlerweile zu klein geworden und lag noch dazu am Rand der (damals noch) Ortsgemeinde Weißenthurm in der Pilau. Viele Gemeindemitglieder waren daher der Meinung, dass die Kirche zentraler liegen und in mehrerer Hinsicht „Zum Zentrum“ – so das Motto des Projektes – werden sollte: zum Zentrum des Ortes hin orientiert, zum Zentrum der Kirchengemeinde und nicht zuletzt zum Zentrum des Glaubens.

Erste Evangelische Kirche in Weißenthurm, aus Bestand: KG Weißenthurm [extern]

1961 befasste sich das Presbyterium deshalb erstmals mit der Idee, das in der Ortsmitte an der Alten Straße gelegene „Gloria“-Filmtheater zu kaufen. 1963 konnte der kühne Plan, gegen den es auch viele kritische Stimmen gab, umgesetzt und das ehemalige Kino für 245.000 DM erworben werden. Die Kosten für den Umbau erreichten nochmals etwa den gleichen Betrag. Finanziert wurde das Bauprojekt durch den Verkauf der alten Kirche an einen Privatmann (das Gebäude dient heute als Wohnhaus) sowie durch Zuschüsse u.a. der Landeskirche, Kreissynode, des Gustav-Adolf-Werkes und der Ortsgemeinde Weißenthurm. Aus dem früheren Kino entstanden ein großer Kirchenraum mit 300 Sitzplätzen, Sakristei, Unterrichts-, Garderoben- und Clubräume, Teeküche sowie zwei Wohnungen, von denen eine als Küsterwohnung diente. Da die Ortsgemeinde Weißenthurm den eigentlich geplanten Glockenturm nicht genehmigte, wurden die Glocken an einem Betonbogen über dem Eingangsportal aufgehängt, wo sie am 17. Oktober 1965 zum ersten Mal läuteten. Mit der neuen Kirche ging auch der langgehegte Wunsch der Gläubigen in Erfüllung, dass eine Orgel den Gottesdienst verschönere.

Heutiges Paul-Schneider-Haus mit Friedenskirche, Foto: Kirchenkreis Koblenz

Das Wort „Gloria“ müsse nun seinen biblischen Sinn wiedererhalten, führte Superintendent Rott in seinem Grußwort weiter aus. „Die Kirchenväter nannten die Welt ein Theatrum glorae Dei, ein Schauplatz der Herrlichkeit Gottes. Möchten Christenmenschen in den Räumen gerüstet werden, ihr Leben zur Verherrlichung Gottes zu führen.“ Pastor i.R. Friedrich Schulz pries anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Einweihung 1983 den Bau des neuen Gemeindezentrums als Anbruch einer neuen Zeit in der Kirchengemeinde mit einem regen Gemeindeleben und nicht zuletzt auch der Ökumene.