Ein poetischer Neujahrswunsch aus dem 18. Jahrhundert

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern ein Frohes Neues Jahr mit diesem schönen Neujahrsgedicht!

Wiganders Poetisches Lautenspiel, S. 254-255, ca. 1770, aus Bestand: AEKR 8SL 048 (Sammlung Handschriften), Nr. 31

Neüer Jahres Wunsch
Christrühmlich war die Art der alten erster Zeiten,
Aus wohlgemeinten Hertz ein Wünschgen zu bereiten
Triumph zu stimmen an, zumahl wans alte Jahr
Rein aus in Grund und Ruh vergnügt gelauffen war.
Ich allerschönstes Kind muß mich auch untersehen,
Nach unsrer alten Art dich wünschend anzugehen,
Ach! Daß mein treüer Wunsch ging in dein Hertz hinein,
Wie wolte ich getrost und wohl zufrieden seyn!
In dieser Zuversicht versuch ich es zu wagen
Bin ich gleich was zu blöd und kans nicht deutlich sagen,
Ein Seufzer wird genug mein Wünschen zeigen an,
Laß nur, o schönstes Kind ihn lauffen seine Bahn,
Rufft schon der Mund nichts aus, so laß das Ächzen gelten,
Aus Lippen und durchs Hertz kan man ja gleiches melden,
Trau nur der Redlichkeit, und denke liebstes Kind,
So wie mein Hertze wünscht, daß auch die Worte sind!
Lebe Schönste in Vergnügen
Lebe in vergnügter Ruh,
Gottes Gnade deckt dich zu
Drum kanst du mit Ruhme singen
durch diß neu gekommen Jahr,
Über Unglück, über Neiden,
Über Krankheit, über Leiden,
Über Noth und Todts Gefahr
Biß die Zeit uns läst erleben,
Eins dem andern
Wünsche in die Hand zu geben.

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Sehet, die vierte Kerze brennt!

Das Team des Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland wünscht allen Freunden und Freundinnen des Archiv fröhliche Weihnachten!

Wir schließen die Bürotüren ab, lassen die Tasten ruhen und verabschieden uns bis zum 5. Januar 2026 in die Winterpause.

(c) AEKR/ Hans Lachmann

„…wunderbahrliche Fata und Schicksahle…“: Pfarrer Sixt als Chronist der reformierten Gemeinde Kreuznach

„Wahrhaffter Bericht […] wie und welcher Gestalt die in anno 1689 von denen Frantzosen abgebrannte Refomirte Pfarrkirch auf dem Wörth […] wieder aufferbauet worden“ (1716-1726); aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 065B (Bad Kreuznach), Az. 71-1-0.

Von keinem Pfarrer ist im Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Kreuznach so viel Handschriftliches überliefert wie von Wolfgang Christoph Sixt, der von 1689 bis 1735, also fast fünf Jahrzehnte lang, in der reformierten Gemeinde amtierte. Mit akribischer Sorgfalt und in gestochener Schrift hielt der schreibfreudige Geistliche die Ereignisse einer äußerst unruhigen und bedrohlichen Epoche fest. Sein Amtsantritt fiel in die Zeit des verheerenden Pfälzischen Erbfolgekriegs. Sixt siedelte Ende August 1689 nach Kreuznach über, wo französische Truppen zuvor „auf die grausamste Weise gehauset und die Bürger mit Geldpressuren ohne Erbarmen tractieret [hatten], sodaß man die Ratsherren und alle übrige Wohlhandende gefänglich erstlich aufs Rathaus gesetzet, nachgehends beim Abmarsch mit nacher Maynz genommen und so lange da behalten, bis sie 40 Schatzungen bezahlt hatten.“ Vor ihrem Abzug hatten die Franzosen außerdem „alle Thürn [Türme] und die Mauren der hiesigen Statt gesprengt und ruiniert, die Thoren über’n Haufen geschmiesen und das Schloß Cauzenberg gesprengt und totaliter ruinirt“. Auf dem Eier- und dem Kornmarkt legten sie große Feuer und verbrannten „eine unbeschreibliche Menge Früchten [Getreide] darin, und [haben] was sie nicht verbrennen können, über die Brück in die Nahe geschüttet.“ Nur zwei Monate später musste Pfarrer Sixt erleben, wie seine Kirche auf dem Wörth, wie alle anderen Kirchen in Kreuznach, von den Franzosen niedergebrannt wurde, wobei „all die Glocken verschmolzen“. An einen Wiederaufbau der Kirche war in Kriegszeiten nicht zu denken. Nach einer Sammlung bei wohlhabenden Glaubensgenossen in Frankfurt und Hanau konnte immerhin der Chor der Kirche abgetrennt, neu gedeckt und als Kapelle zum Gottesdienst genutzt werden.

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Kirchliches Zeugnis für Auswanderer

Kirchliches Zeugnis (5WV 050 Diakonisches Werk – Altes Archiv)

Die deutsche Überseewanderung, die ihre Hochphase im 19. und frühen 20. Jahrhundert erreichte, stellte die Kirchen vor enorme Herausforderungen. Wie sollen die Menschen in den Überseegebieten „religiös“ versorgt werden? Laut dem Zeitungsartikel „Gedenket der deutschen evangelischen Gemeinden in Südbrasilien!“ (Bestand: 5WV 050 Diakonisches Werk – Altes Archiv) wanderten bereits um das Jahr 1912 ca. 20 000 Deutsche nach Chile, 30 000 nach Argentinien und 500 000 nach Brasilien aus. Hierbei gehörten mehr als „zwei Drittel“ der evangelischen Kirche an. Die „Evangelische Gesellschaft für die protestantischen Deutschen in Amerika“ sorgte für die religiöse und gesellschaftliche Versorgung der Auswanderer in Südamerika. So berichtet die „Evangelische Gesellschaft für die protestantischen Deutschen in Amerika“, dass bis zum Jahr 1911 bereits 200 ev. Gemeinden und 400 deutsche Schulen errichtet wurden.

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Neue Folgen des Podcasts „Rheinische Kirchengeschichte(n)“

Der Podcast „Rheinische Kirchengeschichte(n)“ wartet mit zwei neuen Folgen auf! In der sechsten Folge „Paul Schneider (1897-1939) und der Schulstreik“ geht es um die Überlegungen und die Intention des Hunsrücker Pfarrers, mit einem Schulstreik ein Zeichen gegen die Politik des NS-Regimes zu setzen.

Der Nachlass von Paul Schneider, verwahrt im Archiv der EKiR, liegt größtenteils auch digitalsiert vor. Auf unserer Homepage steht er Interessierten zur Verfügung.

In der siebten Folge „Christsein in der NS-Zeit – Die Gründung der Bonner Evangelischen Studentengemeinde (ESG)“ wird ein Schlaglicht auf die Studierendenschaft der Bonner Universität geworfen. Hier wird der Frage nachgegangen, wie sich die Studierenden im Dritten Reich positionierten.

Alle Folgen des Podcast können gerne nochmal nachgehört werden. Den Link gibt es hier.

Adventssammlung damals und heute

In einer Pressemitteilung vom 4. November 2025 verkündeten Diakonie und Caritas den Start der diesjährigen Adventssammlung, einer „der erfolgreichsten ökumenischen Fundraising-Aktionen“, heute am 16. November. Die Spendensammlung geht bis zum 6. Dezember. Unterstützt werden zahlreiche Hilfsangebote und Projekte, die in den Gemeinden vor Ort konkrete und unmittelbare Hilfe leisten.

Dementsprechend lautet das diesjährige Motto „Füreinander. Für hier.“

Die Adventssammlung hat eine lange Tradition. Seit mehr als 75 Jahren gibt es sie. Im Jahr 1948 sammelten Caritas und Diakonie, damals noch Evangelisches Hilfswerk, erstmals gemeinsam in Nordrhein-Westfalen, um der immensen materiellen und seelischen Not zu begegnen, die drei Jahre nach dem Ende des Krieges allerorten herrschte. Das Plakat dieser ersten gebündelten Spendenaktion findet sich in unserer Plakatsammlung.

Plakat Adventssammlung 1948 des Evangelischen Hilfswerks Westfalen/ Caritas-Verband, Design: H. Lange, aus Bestand: 8SL 049 (Plakatsammlung), Nr. 2595
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Religionsangaben auf den Steuerkarten

Bei Ordnungsarbeiten im Bestand 8SL055B (Anordnungen, Rundschreiben, Merkblätter) bin ich auf ein Rundschreiben aus dem Jahr 1937 gestoßen, das die Religionsangabe auf Steuerkarten betrifft. Dabei stellte sich mir die Frage: „Ist das heute auch noch so?” (Link: https://taxfix.de/ratgeber/steuern-sparen/kirchensteuer-steuererklaerung/) Nachfolgend ein Auszug der Internetseite aus dem Jahr 2025.

Evangelisch: EV
Römisch-katholisch: RK
Alt-katholische Kirche: AK
Evangelisch-reformiert: RF
Französisch-reformiert: FR
Freie Religionsgemeinschaft Alzey: FA
Freireligiöse Landesgemeinde Baden: FB
Freireligiöse Landesgemeinde Pfalz: FG
Freireligiöse Landesgemeinde Mainz: FM
Freireligiöse Landesgemeinde Offenbach/M.: FS
Israelitische Religionsgemeinschaft Baden: IB
Israelitische Religionsgemeinschaft Württemberg: IW
Israelitische Gemeinden in Bayern: IS
Israelitische Kultussteuer Land Hessen: IL
Israelitische Synagogengemeinde Saar: IS
Israelitische Kultussteuer Frankfurt (Hessen): IS
Jüdische Kultusgemeinden Koblenz und Bad Kreuznach: IS
Jüdische Kultussteuer Nordrhein-Westfalen: JD
Jüdische Kultussteuer Hamburg: JH
Was trägt man bei Konfession ein, wenn man keine hat?
Bist du konfessionslos, trägst du in deine Steuererklärung das Kürzel VD ein.

Man erkennt, dass die Abkürzungen für die Konfession gleichgeblieben sind und dass eine Religionsangabe auf der Steuerkarte erforderlich ist. In dem Schreiben von 1937 findet sich auch die Bemerkung: gg = gottgläubig oder gl = glaubenslos.

Aus Bestand: 8SL055B, Nr. 302, Religionsangaben auf Steuerkarten: