April Challenge #Archive30 – Tag 11: Drawing

Zeichnung Präses Joachim Beckmann im Dienstfahrzeug, Fotoalbum F03, aus Bestand: 7NL 113 (Nachlass Präses Joachim Beckmann), F03

Vor allem Politiker betonen gelegentlich, dass Sie mehr Zeit mit ihrem Chauffeur verbringen als mit ihrem Ehepartner, und dass die Fahrer die Wünsche ihres Dienstgebers kennen, bevor sie sie aussprechen. Dies dürfte auch für den Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Joachim Beckmann, und seinem Fahrer Hermann Wendenburg zutreffen. Bedingt durch die zahlreichen weiteren Ämter reiste der erste Repräsentant der zweitgrößten evangelischen Landeskirche in Deutschland viel mit der Limousine umher. Er war u.a. Mitglied des Rats der Ev. Kirche in Deutschland, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche der Union, stellvertretender Vorsitzender der Arnoldshainer Konferenz, Ordinarius der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal und Professor der Theologischen Fakultät der Universität Bonn.

1971 ging Präses Joachim Beckmann in den Ruhestand. Seine Reaktion auf die Zeichnung, die ihm sein langjähriger Fahrer zum Abschied schenkte, ist nicht überliefert. Trotz der kleinen Anzüglichkeit  hat er sie jedenfalls aufgehoben. Sie findet sich in dem stattlichen Fotoalbum (Signatur: 7NL113, F03), das ihm die Mitarbeiter des rheinischen Landeskirchenamts zum Abschied schenkten.

April Challenge #Archive30 – Tag 10: Animals, Teil 2

Titelblatt der Grundabgabentabelle („Fauller Hundt“) für das Dorf Nächst-Hochstetten, aus Bestand: AEKR 4KG 066B (Ev. Kirchengemeinde St. Johannisberg), Altes Archiv a 3

Mein Fauller Hundt

Macht Eß Kundt

Waß Ein Jeder Gibt

Von Seinem Grundt

Mit diesem Vierzeiler ist ein Dokument aus dem Jahr 1762 überschrieben, das sich im Archivbestand der Kirchengemeinde Sankt Johannisberg an der Nahe befindet. Von der Sache her handelt es sich um ein für das 18. Jahrhundert völlig gängiges Schriftstück: eine tabellarische Übersicht über die auf verschiedenen Bodenqualitätsklassen lastenden Grundabgaben. Was stutzig macht, ist die Bezeichnung „Fauler Hund“. Sie kommt nicht nur in dem kleinen Gedicht im Titel vor, sondern wird auch mit der größten Selbstverständlichkeit im Text verwendet: „Eß begreifft dieser faulle Hund in sich erstl. die 6 Classen oder Buchstaben über daß Ackerfeld, wie hoch jede Class geschätzt …“. Über die Hintergründe der Bezeichnung „Fauler Hund“ für eine derartige tabellarische Übersicht konnte das Bopparder Archivpersonal trotz intensiver Recherchen bislang nichts ermitteln. Deshalb wenden wir uns an die Netzcommunity: Wer weiß Näheres über den „Faulen Hund“?

April Challenge #Archive30 – Tag 10: Animals, Teil 1

Tiere und Archiv – nein, ich möchte nicht über die Tierchen schreiben, die man im Archiv gar nicht gerne sieht. Hier soll es heute um Tiere gehen, von denen wir sehr spezielle Abbildungen in unserem Archiv besitzen: Tiermotive auf Kirchensiegeln. Über Kirchensiegel und deren Künstler haben wir bereits mehrfach berichtet (Suche in diesem Blog: Kirchensiegel). Ich stellte mir heute die Frage: Welche Tiermotive zieren die Siegel der evangelischen Kirchengemeinden z.B. im Bereich der Stadt Essen?

Siegel der Evangelischen Kirchengemeinde Essen-Holsterhausen, Kirchenkreis Essen, Siegelumschrift: „Evangelische Kirchengemeinde Essen-Holsterhausen“, Symbol: Kreuz, Schlange, 1. Kor. 15, 55-58, außer Geltung gesetzt nach Fusion der Essener Kirchenkreise zum 1.7.2008

In unserer digitalen Siegelsammlung wurde ich fündig: In den Siegeln von sechs Essener Kirchengemeinden ermittelte ich Tierdarstellungen:

Die Schlange ist in zwei Gemeinden im Siegel abgebildet. Nach dem Schöpfungsbericht im Buch Genesis überredet die Schlange im Paradies Eva, von dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen (der berüchtigte „Apfel“); sie gilt auch als Synonym für den Satan. Die Schlange ringelt sich im Siegelbild der Kirchengemeinde Essen-Holsterhausen neben dem Kreuz, in dem der Kirchengemeinde Werden am Kreuz.

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April Challenge #Archive30 – Tag 9: Archive Building

Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland – Hauptstelle Düsseldorf

Der Größe der rheinischen Landeskirche entspricht auch die architektonische Vielfalt unserer drei Archivgebäude. Die Hauptstelle befindet sich im Dienstgebäude des 1971 bezogenen Landeskirchenamtes im Düsseldorfer Stadtteil Derendorf. In dem Gebäude, das sich durch seinen dezenten Brutalismus auszeichnet, werden ca. 7.000 lfd. Meter Archivgut sowie die Archivbibliothek verwahrt.

Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland, Archivstelle Boppard

1995/96 wurde in Boppard der Rheinflügel des ehemaligen Klosters St. Martin für Archivzwecke umgebaut. Dessen heutige Bausubstanz stammt aus dem 19. Jahrhundert. 1847-1853 hatte dort der bekannte Japanforscher Philipp Franz von Siebold gewohnt. Die nunmehr professionellen Arbeits- und  Aufbewahrungsbedingungen beendeten das Provisorium in dem seit 1957 angemieteten Raum im Landeshauptarchiv Koblenz. Unsere Evangelische Archivstelle Südrhein verfügt in Boppard über ca. 1.500 m Regalkapazität.

Archivmagazin: Außenaufnahme der Johanneskirche

2017 schließlich erfolgte der Bezug der ehemaligen Johanneskirche in Moers-Meerbeck als Außenmagazin. In dem 1964 entstandenen Bau können 8.000 lfd. Meter Archivgut verwahrt werden.

Leider Modell geblieben ist der Entwurf für einen Neubau auf einem landeskirchlichen Grundstück in Hilden. Der bislang unpublizierte Entwurf zeigt den hohen Kubus eines Magazingebäudes, an das sich der um einen kleinen Innenhof gruppierte Funktionsbereich mit dem Lesesaal und den Büros der Mitarbeitenden anschließt.

Vorentwurf für den Neubau eines Archivgebäudes, M 1: 500, Dipl. Ing. Bettina Kaiser

April Challenge #Archive30 – Tag 6: Patterns

„Burcard Gotthelff Struvens Ausführliche Historie der Religions-Beschwerden zwischen denen Römisch-Catholischen und Evangelischen im Teutschen Reich“, erschienen in Leipzig in zwei Bänden 1722

Patterns – Muster, das ist ein weites Feld, auch im Archiv. Zunächst dachte ich an Muster von Ablagesystemen und dachte, ich hätte da etwas im Schrank. Ich fand aber nichts, also habe ich es wohl weggeschmissen. In ein Archiv passen auch Formularsammlungen, das sind ja auch Muster. Staub-trockenes Thema, unsere Kollegen im Zweigarchiv in Boppard haben entsprechende Sammlungen, wir wohl nicht. Dann fielen mir Schriftmuster ein, Vorlagen z.B. der Buchstaben in der alten deutschen Schreibschrift, die vielen Archivbenutzern das Lesen der Handschriften bis in Zeit der 1940er Jahre erschwert.

Präsentieren möchte ich aber andere Muster: Alte Bücher haben teilweise Einbände, die Muster aufweisen, entweder außen auf dem Vorder- und Hinterdeckel, oder, wie in meinem Beispiel, auf dem Innendeckel, auch als Spiegel bezeichnet. Der Spiegel wurde meistens aus aufgeklebten Papier- oder Pergamentblättern hergestellt. Im vorliegenden Fall ist es ein farbenfroher, teils wellenförmiger Schmuck. Aufgeklebt ist ein Exlibris, also eine Marke, die zur Kennzeichnung des Eigentümers des Buches dient. Wer hinter den Initialen steckt, ist unbekannt. Das Buch stammt aus dem Nachlass des Professors Gerhard Goeters, der es wiederum von seinem Vater, Professor Wilhelm Goters, geerbt hatte (siehe den handschriftlichen Eintrag auf der rechten Seite oben „W.G. Goeters“). Es handelt sich um das Werk „Burcard Gotthelff Struvens Ausführliche Historie der Religions-Beschwerden zwischen denen Römisch-Catholischen und Evangelischen im Teutschen Reich“, erschienen in Leipzig in zwei Bänden 1722 (Archivbibliothek Goe 251).

April Challenge #Archive30 – Tag 5: Favourite Item

Diese charmante Entwurfszeichnung für eine spezielle Amtstracht der Vikarinnen aus dem Jahr 1946 ist eine der gefragtesten Archivalien unseres Archivs in den vergangenen Jahren. Sie wurde in mehreren Ausstellungen gezeigt (siehe z.B. Ausstellung „Pionierinnen im Pfarramt„) und in zahlreiche Publikationen zum Thema Frauenordination aufgenommen. Deshalb hat sie sich definitiv das Prädikat #Lieblingsstück verdient!

Vikarinnen, Amtstracht, ca. 1946; in Bestand: 7NL 084 (Pastorin Änne Kaufmann), Nr. 7
1946

Die damaligen Vikarinnen fanden die Entwürfe übrigens gar nicht so charmant. Sie erinnerten sie eher an „modische Morgenröcke“ als an die angemessenen Amtstracht eines Geistlichen. Realisiert wurde schließlich eine schlichte Form des Talars mit einem weißen Schutzkragen anstatt des Beffchens, das den männlichen Pfarrern vorbehalten blieb (Übrigens ganz ähnlich auch in der württembergischen Kirche).

April Challenge #Archive30 – Tag 4: Memory

Erinnerung an Pfarrer Klaus Lohmann

Siehe dazu den Blogbeitrag vom 14. November 2018: 80 Jahre Novemberpogrome: Tagebucheintrag Pfarrer Klaus Lohmann. Hier finden sich auch weitere Infos zu seiner Person und Hinweise zu Beständen.

Tagebucheintrag von Pfarrer Klaus Lohmann, nach der Pogromnacht am 9./10 November 1938, Tagebuchnotiz unter dem Datum: Montag, 14.11.1938; aus Bestand: AEKR 7NL 091 (Nachlass Pfr. Klaus Lohmann)