„Eine Sammlung“ ist das heutige Thema, und zu diesem Anlass möchte ich einen für sich genommen recht unscheinbaren Bestand aus unserer Dienstbibliothek vorstellen, der aber bei Recherchen schon häufig ausgesprochen wertvolle Dienste geleistet hat: die Sammlung von Gemeindeverzeichnissen der Evangelischen Kirche im Rheinland. Weiterlesen
April Challenge #Archive30 – Tag 19: Handwriting

Stellungnahme von OKR Erich Dalhoff – Neuordnung des Landesbeamtenrechts, 1954, Konzept und Reinschrift, aus Bestand AEKR 1OB 017 (Landeskirchenamt Sachakten 1: Az. 11-13), 615
Es sind nicht nur die Schriften der frühen Neuzeit oder stenografische Mitschriften die Archivarinnen und Archivare bisweilen vor große Herausforderungen stellen. Auch die handschriftlichen Konzepte vieler Mitarbeitender des Landeskirchenamtes, wie sie sich zuhauf in den Sachakten der Jahre 1948 bis 1971 finden, sind äußerst mühsam zu entziffern.

Dalhoff, Erich, Dr., Konsistorialrat jur., Oberkirchenrat
Foto: Hans Lachmann; Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 010_0080
Eine besonders harte Nuss ist dabei die Handschrift von Oberkirchenrat Dr. Erich Dalhoff. Er war von 1947 bis 1976 als Jurist im Landeskirchenamt tätig, seit 1962 hauptamtliches Mitglied der Kirchenleitung und ab 1971 juristischer Dirigent und maßgeblich an der Gesetzgebung der noch jungen rheinischen Landeskirche beteiligt.
Glücklicherweise sind den meisten Konzepten fertige Reinschriften von geübten Mitarbeitenden Dalhoffs beigefügt.
April Challenge #Archive30 – Tag 18: Love

Scherffig, Wolfgang, mit Braut (Hochzeit), Hilfsprediger, Uniform der Wehrmacht, 2. Weltkrieg, Foto: Album Ludwig Quaas, angelegt Ostern 1941, Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 80003
Dass die Hochzeit ein herausragender Tag im Leben eines Ehepaars ist und entsprechend zelebriert wird, versteht sich, zeigt er doch die gegenseitige Liebe in aller Öffentlichkeit an. Zugleich bringt er umfangreiche rechtliche, soziale und ökonomische Änderungen mit sich. Die Hochzeitsgesellschaft feiert dies nicht nur, sondern bezeugt den Beginn der Ehe. In entbehrungsreichen, unsicheren Zeiten gewinnt der formale Aspekt durchaus an Bedeutung. Im Zweiten Weltkrieg etwa war eine Ferntrauung zwischen dem abwesenden Soldaten an der Front und der Braut im heimatlichen Standesamt nicht selten.
Dort die Kriegsfront, hier die Heimatfront. Im Zweiten Weltkrieg waren es sicherlich der Wunsch nach Geborgenheit in einer unwägbaren, lebensbedrohenden Umgebung, und das Verlangen, in Zeiten gefahrvoller Trennungen die Distanz zu überbrücken und Nähe herzustellen, die zum Schreiben animierte. Das Kriegsgeschehen selbst wird in den Briefen und Postkarten allenfalls beiläufig geschildert, die Orte vage etwa mit „Im Osten“ umschrieben. Es sind zumeist Briefe und Postkarten voller Sehnsucht, Zärtlichkeit und ängstlicher Zweifel hinsichtlicht der Zukunft. Sie finden sich – sorgsam aufbewahrt und auch später oft gelesen – in vielen Nachlässen. Das Hochzeitsfoto und die Portäts von dem Ehepartner und den Kindern in der Brieftasche und auf dem Sideboard vermitteln das Gefühl, diese Zeiten nicht alleine durchstehen zu müssen, sondern gemeinsam bewältigen zu können.

Hochzeitskarte „Glück läßt springen, jubeln und singen!“ zur Heirat von Johannes und Annemarie Mehrhoff am 17.2.1939, © Plischke-Verlag, Bestand: AEKR 7NL 120 (Nachlass Johannes Mehrhoff), Nr. 161
Heute sind es Emojis, die das Gefühlsleben ausdrücken und per Email oder Kurznachricht in Echtzeit von Einem zum Anderen transportieren, früher waren es Postkarten, die der Adressat Tage oder, etwa in Kriegszeiten, Wochen später im Briefkasten vorfand. Beiden ist gemeinsam, dass die zeichnerische Darstellung die Empfindungen nuancierter als viele Adjektive beschreibt.
April Challenge #Archive30 – Tag 16: Something Small
Den heutigen Beitrag der April Challenge möchte ich einem kleinen „Bürohelfer“ widmen: Der Heftklammer – Aus dem Alltag in Büro und Registratur nicht mehr wegzudenken, leider zu Lasten der Archivarbeit. Stichwort: Entmetallisieren. Heftklammern gibt es in einer Vielzahl von Ausführungen hinsichtlich Länge, Material und Stärke. Aktuell findet man im Gebrauch häufig die Variante mit der Bezeichnung 24/6, welche der zurückgezogenen Norm DIN 7405 entsprechen und so seit 1963 verwendet wird. Bei der Bezeichnung gibt die Ziffer vor dem Schrägstrich die Materialstärke an (je kleiner die Zahl desto stärker das Material), die Ziffer hinter dem Schrägstrich die Schenkellänge der Klammer. Die Norm DIN 7405 erstreckte sich hierbei nicht nur auf Materialstärke und Länge, sondern ebenfalls auf die im Handel erhältliche Konfektionierung und Bezeichnung. Bis zu ca. 30 Blatt Papier können mit einer 24/6 Heftklammer geheftet werden. Für größere Stapelmengen Papier gibt es Heftklammern mit einer Schenkellänge bis ca. 18mm. Interessanterweise entsprechen aber nur Heftklammern mit der Bezeichnung 24/6 der Norm DIN 7405. Eine Normung nach DIN für die übrigen Ausführungen gab es nicht. Im Gegensatz zur Büroklammer, dem handhabungsleichteren „Bürohelfer“, benötigt man zur Anbringung der Heftklammern ein sogenanntes „Heftgerät“ welches häufig auch als „Tacker“ od. „Klammeraffe“ bezeichnet wird. Keine ewige Verbindung: Zum Auflösen der Heftklammerverbindung wird wiederum ein Heftklammernentferner benötigt. Betrachtet man das materielle Umfeld des Heftens mittels Heftklammern in der Gesamtheit, so müsste es eigentlich heißen: something small from something bigger, denn ohne ein Heftgerät lässt sich die Heftklammer nicht ohne weiteres einbringen und ohne Heftklammernentferner nur mühsam mit Fingerspitzengefühl und etwaigen „Ersatzwerkzeugen“ entfernen. Einzeln betrachtet bleibt sie was sie ist: einer der kleinsten zweckmäßigen Gegenstände die uns im Büro- /Archivalltag begegnen.
April Challenge #Archive30 – Tag 14: Friendship

Gedicht über die Freundschaft, unbekannter Autor, ca. 1880; in: AEKR Düsseldorf, 7NL 142 (Pfarrerfamilie Garschagen), Nr.3
Freundschaft!
Selbst des Nachts in meinen Träumen,
lebt ich auf Hilmarens See,
sprach zu ihm von Nebelschäumen
und wie sie ihm brächten Weh.
Treue Freundschaft, o du wahre,
Gottesgab aus Himmels Höhen,
hilft mir stets bis hin zur Bare,
bis zum Scheiden fest zu stehen!
Dieses hübsche Gedicht über die Freundschaft aus unbekannter Feder stammt aus dem Nachlass der Pfarrerfamilie Garschagen.
(K)eine Frage des Kelches

Die Austeilung des heiligen Abendmahls, aus Bestand: AEKR 1OB 002 (Konsistorium der Rheinprovinz), 710
Eine Akte des Königl. Konsistoriums Koblenz aus dem Archivbestand 1OB 002 Konsistorium der Rheinprovinz mit einer Laufzeit von nahezu 90 Jahre befasst sich mit der Austeilung des hl. Abendmahls. Im Hinblick auf die Frage ob eines der essentiellen Riten im christlichen Glauben nur mit gemeinsam genutztem Abendmahlskelch oder auch mit Einzelkelchen gefeiert werden darf, entstand ein reger Schriftverkehr zwischen den kirchlichen Gemeinden, dem Königl. Konsistorium zu Koblenz bis hin zu den kaiserlichen Ämtern. Weiterlesen
April Challenge #Archive30 – Tag 12: Letters

Heinrich Rebensburg und Emilie Brandenburg als junge Eheleute, Bestand: 7Nl 030 (Nachlass Pfarrer Heinrich Lücke), 27
Das Stichwort „Letters – Briefe“ macht es mir leicht und gleichzeitig schwer: Das Archiv ist voll von Briefen, denn auch die Archivalien aus dem Bereich der Verwaltungen bestehen ja zu einem großen Teil aus Korrespondenzen. Es war so ein bisschen wie mit dem Finger über der Landkarte: kreisen und einen Zufallstreffer landen. Bei mir ist es ein Glückwunschschreiben vom 4. Oktober 1873 anlässlich der Verlobung von Heinrich Rebensburg und Emilie Brandenburg aus (Wuppertal-)Barmen geworden. Sie sind die Großeltern des Pfarrers Heinrich Lücke (1912-1995), mit dessen Nachlass (Archivbestand 7NL 030) diese Familienbriefe in unser Archiv gelangt sind.
Heinrich Rebensburg wurde am 12. August 1846 in Barmen geboren. Er ist Kaufmann und war als Soldat im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Emilie Brandenburg ist vier Jahre älter (geb. 8.2.1842); die beiden kennen sich bereits aus Kindertagen (Heinrich Lücke: Aus dem Leben meines Großvaters, 7NL 030 Nr. 27).
Jetzt sollen die Briefschreiber aus Dortmund, Onkel W. Düngelmann und Tante Alwine, zu Wort kommen:
Brief an Heinrich Rebensburg von Onkel W. Düngelmann und Tante Alwine, Bestand: 7NL 030 (Nachlass Heinrich Lücke), 92
„Lieber Heinrich, liebe Emilie! Zu Eurer Verlobung wünschen wir Euch und Euern Eltern das Glück in reichstem Maße!!! Wol selten werden sich zwei Herzen vereinigen, die so durch und durch in allen Hauptfragen einerlei Meinung sind, und darf man mit gutem Grund hoffen, daß diese Verbindung von Gottes bestem Segen begleitet sein wird. Überrascht habt Ihr uns mit dieser Nachricht gar nicht, denn wir sahen lange, daß die liebenden Sterne (die Augen) einmal eine Bahn verfolgen würden.
Lieber Heinrich! Du hast Dir eine Perle Barmens errungen, ein schlichtes, bescheidenes, häusliches und, was die Hauptsache ist, gottseliges Kind, dem Wahrheit aus dem Gesicht schaut. – Und Du – Liebe Emilie! findest einen biedern, treuherzigen Burschen, der mit seinen treuen blauen Augen Jeden anheimelt, der mit ihm verkehrt.
Nehmt’s nicht als Lobspenderei, sondern als Ueberzeugung; Ihr kennt mich; und es ist allerdings eine Gratulation eigener Art, aber sie ist die Wahrheit.
…
Schließlich unsere besten Grüße an Euch und Euere Familien,
Euere Onkel W. Düngelmann
Tante Alwine [Düngelmann]

