April Challenge #Archive30 – Tag 20: A Collection

„Eine Sammlung“ ist das heutige Thema, und zu diesem Anlass möchte ich einen für sich genommen recht unscheinbaren Bestand aus unserer Dienstbibliothek vorstellen, der aber bei Recherchen schon häufig ausgesprochen wertvolle Dienste geleistet hat: die Sammlung von Gemeindeverzeichnissen der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Die Ausgaben der Gemeindeverzeichnisse der rheinischen Kirche von 1852, 1933 und 2018.

Bereits seit 1852 gibt die rheinische Kirche derartige Verzeichnisse heraus. Die erste Ausgabe kam noch recht bescheiden daher: Ganze 8 Seiten umfasst das „Verzeichniss der evangelischen Pfarrer, Pfarrverweser, Hülfsprediger und Anstaltsprediger, so wie ihrer Gemeinden in der Rheinprovinz“. (Zum Vergleich: Das aktuelle Gemeindverzeichnis der rheinischen Kirche von November 2018 umfasst 696 Seiten plus einen Anhang von 148 Seiten.) Außerdem fällt bei den frühen Exemplaren der Sammlung auf, dass sie als Pfarrerverzeichnisse bezeichnet und die Gemeinden nur gleichsam en passant erwähnt wurden („… so wie ihrer Gemeinden“). Erst 1861 drehte sich diese Verhältnis, und der Titel lautete fortan „Verzeichniss der evangel. Gemeinden und der daran fungierenden Pfarrer und Hülfsgeistlichen in der Rheinprovinz“. Ab 1907 hieß es dann kurz und knapp: „Verzeichnis der evangelischen Gemeinden und Pfarrer in der Rheinprovinz“.

Der Informationswert der Verzeichnisse wuchs im Lauf der Jahrzehnte stetig. Beschränkten sich die ersten Ausgaben noch darauf, nach Kirchenkreisen geordnet lediglich die Nachnamen der Pfarrer und die zugehörigen Gemeinden anzugeben, so wurde 1861 für jeden Kirchenkreis zusätzlich noch die Gesamtzahl der Gemeinden und der Geistlichen angegeben, ab 1868 dann auch die Namen der Mitglieder des Konsistoriums, des Moderamens der Provinzialsynode und der Mitglieder der theologischen Prüfungskommission. Der Aussagewert auch dieser Informationen hielt sich ebenfalls noch in gewissen Grenzen, aber ab 1907 erfuhr der Quellenwert der Gemeindeverzeichnisse dann eine deutliche Verbesserung: Man ging dazu über, die Geburts- und Ordinationsdaten der Pfarrer abzudrucken und ein alphabetisches Orts- und Namensverzeichnis hinzuzufügen. Nach dem Ersten Weltkrieg dann erweiterte sich das Informationsspektrum abermals: Die Vornamen und Adressen der Pfarrer wurden aufgenommen, außerdem auch die Mitarbeiter der verschiedenen provinzialkirchlichen Ämter, so dass das Verzeichnis allmählich zu einer Art Verwaltungshandbuch der Rheinischen Kirche mutierte.

Aus dem Gemeindeverzeichnis von 1939.

Ab 1933 liegen die Gemeindeverzeichnisse in einem Format und mit einer inneren Struktur vor, die sich im Prinzip bis heute erhalten hat – lediglich der Seitenumfang hat stetig zugenommen. Eine wichtig inhaltliche Neuerung nach dem Zweiten Weltkrieg war, dass fortan außer dem Geburts- und dem Ordinationsdatum auch das Datum des Amtsantritt des Pfarrers in der jeweiligen Gemeinde angegeben ist – bei biographisch ausgerichteten historischen Recherchen ist das eine wertvolle Information.

So ist die Sammlung von Gemeindeverzeichnissen in der alltäglichen Arbeit des Archivs ein wichtiges Hilfsmittel, das vor allem bei Recherchen zu biographischen, aber auch gemeindegeschichtlichen Fragen gute Dienste leistet.

Ein Gedanke zu „April Challenge #Archive30 – Tag 20: A Collection

  1. Ein Aspekt ist mir noch bei meinen Recherchen in den alten Gemeindeverzeichnissen aufgefallen: Auch erst ab der Ausgabe 1920 wird für die Kirchengemeinden die Anzahl der „Seelen“, also der Gemeindeglieder, aufgeführt. Das ist bedauerlich, da für die älteren Zeiten Angaben zu diesen Zahlen kaum zu erhalten sind. Manchmal sind die später genannten Gemeindegliederzahlen allerdings mit Vorsicht zu behandeln, es gibt teils hefte Sprünge zwischen den Ausgaben, ich bezeichne diese gerne als „gewürfelt“.

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