„Was man nicht aufgibt, hat man nie verloren.“ – Über mein Praktikum in der Archivstelle der evangelischen Kirche im Rheinland, Boppard

Die Archivare der Archivstelle Boppard mit Praktikantin Hannah Heckmann.

Mit diesem Satz des deutschen Dichters, Friedrich Schiller, möchte ich mein Praktikum abschließend zusammenfassen.

Die Archivstelle Boppard, zugehörig zum Landeskirchlichen Archiv in Düsseldorf, könnte romantischer nicht liegen, und wer nicht weiß, wo er suchen muss, würde in dem ehemaligen Franziskanerinnen-Kloster St. Martin, direkt am Bopparder Rheinufer, nie ein Archiv vermuten, gehören die Räumlichkeiten des 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelösten Klosters heute doch der Stiftung Bethesda. Und diese Räumlichkeiten durfte ich neun herrliche Sommer-Wochen lang meinen Arbeitsplatz nennen.

Schon im Eingangsbereich schnuppert man historische Luft auf den ausgetretenen Stufen und dem Mosaikboden vor der Tür des Archivs im ersten Stock.

Das Archiv ist weder staubig noch dunkel. Alle Räume sind hell und mit hohen Regalen ausgestattet, um die Bestände bearbeiten zu können. Das Bild vom klischeebehafteten Archivar sucht man hier vergebens.
Die wahren Schätze finden sich hier im Magazin und der Bestandsbibliothek. Wer alte, handschriftliche Bücher mit schweren Ledereinbänden gesucht hat, wird möglicherweise hier fündig. Und hier findet sich auch ein wenig Staub auf den Buchseiten in den meterhohen Regalen.

Eine Besonderheit war für mich, dass ich mein eigenes Büro erhalten habe, was in Anbetracht der Arbeiten, die ich zu verrichten hatte, durchaus praktisch war. Denn Archivarbeit erfordert vor allem zwei Dinge: Platz und Licht.

In säurefreien Heftern(DIN EN ISO 9706) umgebettetes Schriftgut

Der erste Aufgabenbereich in meinem Praktikum waren die Bearbeitung des Bestandes der Kirchengemeinde Wirschweiler-Allenbach aus der Nachkriegszeit, für den ich auch ein Findbuch erstellen durfte und der heute wieder sicher in seiner Heimatgemeinde in metall- und säurefreien Papiermappen und –kartons liegt, damit das Papier über die kommende Aufbewahrungszeit keinen Schaden nimmt. Ich durfte hier sehr selbstständig arbeiten, hatte aber immer helfende Hände zur Verfügung.

 

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Neue Stelle im Archiv der EKiR ausgeschrieben

In unserem Archiv ist zum nächstmöglichen Zeitpunkt die Stelle eines Archivars (w/m/d) zu besetzen. Es handelt sich um eine unbefristete Vollzeitstelle.

Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 31. Juli 2019. Die vollständige Stellenausschreibung mit allen Informationen finden Sie auf den Portalen der Archivschule Marburg und bei Augias-Net.

Hitzewelle auch im Sommer 1976

WEG-Artikel während der Hitzewelle im Juni/Juli 1976, in: Der WEG Nr. 29/30/1976, 18.7.1976

Heiße Junitage liegen hinter uns in Düsseldorf. Am 26.6.2019 wurden hier sogar die heißesten Temperaturen in NRW gemessen: 36,8 Grad! Kaum ein Gespräch wurde in diesen Tagen mit einem anderen Thema begonnen. Glücklicherweise startet der Juli jetzt zunächst mal mit moderaten Sommertemperaturen.

Auch im Juni des Jahres 1976 war eine ungewöhnliche Hitzewelle im Rheinland Thema, die sich noch bis in den Juli hinein zog. Nicht weniger als neun Mal werden die Auswirkungen der „Tropenhitze“ – 32 Grad im Schatten am 4. Juli!- in der Ausgabe der Kirchenzeitung Der WEG vom 18. Juli 1976 erwähnt. Weiterlesen

Zum Stellenwert von Archivarbeit in Kirchengemeinden

Stimmungsbild über die Situation des Sonderdienstes in der rheinischen Kirche 1990, Zeichnung: Andreas Krzok, Bestand: AEKR Bibliothek, ZK 70 Der WEG 1990 Nr. 28, S.8

Diese Karikatur aus dem Jahr 1990 bündelt am Beispiel einer Archivordnung meisterhaft sämtliche Vorurteile und Standesdünkel der saturierten Pfarrerschaft: Interpretation des theologischen Nachwuchses als billige Arbeitskräfte, im Wortsinn verstaubte Geschlechterstereotype und last but not least die übliche Geringschätzung professioneller kirchlicher Archivarbeit.

Ernster kirchenpolitischer Hintergrund der Zeichnung ist die „Theologenschwemme“ der 1980er Jahre im Rheinland. Als Auffangstation richtete die Landeskirche 1985 den sog. Sonderdienst ein. Es handelte sich um befristete Stellen für gewisse Funktionsbereiche oder zur Entlastung von Gemeindepfarrern. Von den hunderten Sonderdienstlern sind viele doch noch im Pfarrdienst angekommen, viele haben aber auch andere Berufslaufbahnen eingeschlagen. Ihre Interessenvertretung ist der Rheinische Konvent.

Zeichner ist Andreas Krzok, der langjährige Chefredakteur der früheren rheinischen Kirchenzeitung „Der WEG“.

Unterwegs in der ersten deutschen Demokratie – Rheinischer Protestantismus und Weimarer Republik

Die Umbrüche 1918/19 -nach dem verlorenen Weltkrieg und dem Ende der Monarchie- bedeuteten auch für die evangelischen Landeskirchen in Deutschland eine tiefe Zäsur.

Die Kommission der Evangelischen Kirche im Rheinland veranstaltet hierzu am 12.-13. September 2019 eine wissenschaftliche Tagung in Koblenz. Die Beiträge gehen der Frage nach, wie sich insbesondere der rheinische Protestantismus bzw. die rheinische Provinzialkirche in der Phase der ersten deutschen Demokratie entwickelt und auf das „Experiment der Moderne“ eingelassen hat. Die Teilnahme steht allen Interessierten offen; das genaue Programm und alle Anmeldeinformationen finden Sie hier.

Deutscher Ev. Kirchentag in Dortmund 1963 – „Alltags-Kirchentag“ oder „Glaubensparade“?

Präeses Ernst Wilm
Hans Lachmann, Schachtel Nr. 278: DEKT Dortmund

Der westfälische Präses Ernst Wilm forderte in einem vorab geführten Interview des Magazins „Der Spiegel“: „Es soll ein Alltags-Kirchentag werden mitten im Alltag der Welt.“ Der Alltag in Dortmund werde bestimmt von Zechen und Gruben, metallverarbeiten Fabriken, und auch Verwaltungen, Banken und Versicherungen. Die Interviewer wiesen darauf hin, dass nicht alltägliche 21 Sonderzüge, 5000 Posaunen, 600 Versammlungen mit Kundgebungen und Aufmärschen und prominente Entertainer das Stadtbild bestimmen werden. Wilm entgegnete: „Es ist doch so, dass der Christ sonntags in den Gottesdienst geht und montags auf dem Bildschirm den Frankenfeld sieht.“ Peter Frankenfeld moderierte sehr erfolgreich Spielshows im Fernsehen. Das evangelische Sonntagsblatt „Der Weg“ kommentierte: „Auch Quizmaster und Schlagersänger können gute Christen sein, dass sie sich mit Freuden einer evangelischen Großveranstaltung zur Verfügung stellten und sie zu einem Erfolg ohnegleichen führten.“ Weiterlesen

Soziale Fürsorge im 16. Jahrhundert

Ausstellung Anvertraute Zeit 1535

1535 – Armenfürsorge; Armenordnung der Evangelisch reformierten Gemeinen in dem Herzogtum Berg

Die evangelischen Kirchenordnungen der frühen Neuzeit enthielten von Beginn an Regelungen zur Armenfürsorge. Dieses Thema haben wir in unserer Online-Ausstellung „Anvertraute Zeit“ illustriert. Ähnlich wie in dem Beispiel aus Aachen 1579 wurden jährlich die Einnahmen- und Ausgabenrechnungen der Armenkasse gelegt. Die Einnahmen rekrutierten sich aus Vermächtnissen, Schenkungen, Stiftungen und Bußgeldern, wobei das angesammelte Kapital durch geschickte Kreditvergaben noch gemehrt werden konnte. „Fremde Bettler“ fanden bei der Verteilung zumeist keine Berücksichtigung; als Idealtyp wurde ihnen der ortsansässige, fromme, arbeitsame und unverschuldet in Not geratene Arme gegenüber gestellt.

Das gesiegelte Testament der Aachener Eheleute Laurents und Feyen von Eiss aus dem Jahr 1597 illustriert das Finanzierungssystem. Beide sind an der in der Stadt grassierenden Pest erkrankt und vermachen den Armen der reformierten Kirchengemeinde 100 Taler, da sie keine Leibeserben haben und ihr Onkel bereits von der Armenkasse unterhalten wird.

Eine weitere Einnahmequelle bildete der anlässlich der Reformation eingezogene Klosterbesitz. In Meisenheim am Glan wurden 1535 die nicht mehr benötigten liturgischen Gewänder und Alben an Bedürftige unentgeltlich verteilt bzw. an Bessergestellte verkauft. Die Verteilungsliste findet sich mitte links auf der Ausstellungstafel: „Des tauben Clasen Stieftochter, ist lame“ erhielt dabei ein altes grünes Messgewand .