War Berlin eine Reise wert? – Impressionen aus einer geteilten Stadt

Brandenburger Tor in Berlin

Berlin, Brandenburger Tor, Hinweisschild: „Achtung! Sie verlassen nach 70 m. West-Berlin / You are now leaving British Sector“, Fotograf: Hans Lachmann, Schachtel Nr. 166: Berlin-West, aus Bestand: AEKR 8Sl 046 (Bildarchiv),80135_0

„Für manche Bundesrepublikaner scheint eine Reise nach Berlin immer noch so etwas wie ein Abenteuer zu sein, das man lieber Beherzteren überlässt oder Kongressteilnehmern und Geschäftsleuten, die ihr Berufsethos auch nach Schanghai oder auf eine von Haifischen bewachte Insel fahren ließe, wenn es sein müsste.“ Mit diesem Bonmot leitete die Wochenzeitung „Die Zeit“ am 7. April 1955, nahezu zehn Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs, einen Artikel über das allmählich aus der Schockstarre erwachende Berlin ein. Der Tourismus zog erst später, dann jedoch vehement an.

Der Fotograf Hans Lachmann besuchte in den 1950ziger bis 1970ziger Jahren mehrmals Ost- und West-Berlin. Er fing gekonnt die Stimmung dieser Jahre ein. Eine kleine Auswahl seiner Fotos präsentieren wir Ihnen hier in einer Diaschau.

  • Ostberlin, Gendarmenmarkt mit Schauspielhaus und Berliner Dom, Fotograf: Hans Lachmann, Schachtel Nr. 167: Berlin-Ost, aus Bestand: AEKR 8Sl 046 (Bildarchiv),80135_31

Nach 1945 konnte man Berlin politisch als eine Insel in einer feindlichen Umgebung betrachten. Entsprechend den Londoner Protokollen war es, spiegelbildlich zu ganz Deutschland, in vier Sektoren geteilt: der Sektor der Vereinigten Staaten von Amerika, des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland, Frankreichs und der Sowjetunion. Weiterlesen →

Wer ist Azombo Nsomoto Victor?

Brief von Azombo Nsomoto Victor an Präses Joachim Beckmann, 21.12.1959, Seite 1 (Ausschnitt);
aus: Bestand AEKR, 1OB 017I (Landeskirchenamt Sachakten), Nr.256

Am 8. Januar 1960 erreichte ein Schreiben aus dem fernen Douala, der größten Stadt Kameruns, Präses Joachim Beckmann. In französischer Sprache und sorgfältiger Handschrift fordert der Briefschreiber eindringlich zur ökumenischen Unterstützung der protestantischen Kirchen in Kamerun auf. Der Absender: Azombo Nsomoto Victor. Weiterlesen →

Die Frauen halten letztlich den Laden zusammen: Neues zur Geschichte der Rheinischen Frauenhilfe

Mitgliedskarte der Frauenhilfe Rheydt mit Protrait der Kaiserin. (Archiv der Ev. Kirche im Rheinland, 801071_123)

Die 1899 in Berlin gegründete „Evangelische Frauenhülfe“ geht auf eine Initiative der Kaiserin Auguste Viktoria zurück. Bereits 1912 hatte sie reichsweit über 250.000 Mitglieder und bildete somit die größte evangelische Frauenorganisation.

Den Werdegang des rheinischen Zweigverbandes der Frauenhilfe hat nun Dr. Annett Büttner in einem Beitrag für das Portal Rheinische Geschichte anschaulich beschrieben. Einige der zahlreichen Abbildungen stammen auch aus dem Archiv der EKiR. Leider ist die Altregistratur der Rheinischen Frauenhilfe bei der Zerstörung ihres Vereinsheimes in Wuppertal-Barmen 1943 restlos vernichtet worden. Eine erstaunlich dichte Gegen- bzw. Ersatzüberlieferung bietet wiederum der Bestand Ohl, hier Nr. 2136-2150.

Ergänzend hinzuweisen ist noch auf weitere Facetten kirchlicher Frauenarbeit wie den gleichfalls im Kaiserreich entstandenen Deutschen Evangelischen Frauenbund (DEF). Dieser war gesellschaftspolitisch aufgeschlossener als die Frauenhilfe; exemplarisch erhalten ist das Archiv des DEF-Ortsverbandes Boppard von seiner Gründung an. Schließlich hat auch der rheinische Gustav-Adolf-Verein eine eigene Frauenarbeit geleistet.

„…vorher nicht geahnte Nöte“ Mischehenseelsorge in den 1950er Jahren

Die Frage der „Mischehen“ zwischen Katholiken und Protestanten trieb die Evangelische Kirche im Rheinland vor allem in den 1950er und 1960er Jahren um. Sogar ein eigener Beauftragter für Mischehenarbeit, der Mehrener Pfarrer Anton Jongen,  wurde berufen, der bereits im Jahr 1958 so mit der Arbeit ausgelastet war, dass er beim Landeskirchenamt um Unterstützung durch einen Hilfsprediger oder Missionar bat (siehe 1OB 017 I, Az. 11-4-8, Bd.1, Nr. 235). In den 1950er Jahren war es vor allem der Zuzug von Evangelischen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten in die sonst eher katholischen Rheinlande, der die Zahl der konfessionsverschiedenen Eheschließungen ansteigen ließ. In beiden Konfessionen war diese Entwicklung unerwünscht.

Am 9. Januar 1958 beschloss die rheinische Synode ein Wort an die Gemeinden in dieser Sache, das 10 Tage später in allen Gottesdiensten verlesen wurde. Weiterlesen →

Hitzewelle und die Ü30-Party hat kein Ende

Badefreude im ehemaligen Rheinstadion Düsseldorf, Fotograf: Hans Lachmann, Schachtel Nr. 82: Baden, aus Bestand: AEKR 8Sl 046 (Bildarchiv), 7_001701

Puh, auch wir haben die Hitzewelle der vergangenen Tage im Archivbüro vorerst überstanden und freuen uns nun auf das !Wochenende! Schließlich lassen sich solche Rekordtemperaturen im und am Wasser ja doch am besten ertragen. Auch in den 80ern wurde die Gelegenheit zur Abkühlung im ehemaligen Düsseldorfer Freibad „Rheinstadion“ gern genutzt (heute Arena Sportpark). Im Hintergrund zu sehen ist das Düsseldorfer Messegelände.

Blut ist dicker als Weihwasser

Wie in vielen  Hunsrücker Kirchen, so ist auch in der Stephanskirche in Simmern neben dem Wappen der Grafen von Sponheim mit seinem charakteristischen Schachbrettmuster auch das weiß-blaue Wittelsbacherwappen zu sehen. Historischer Hintergrund ist, dass nach dem Aussterben des Sponheimer Grafenhauses im Spätmittelalter ein Teil seiner Gebiete an die Wittelsbacher Linien Kurpfalz und Pfalz-Zweibrücken vererbt wurde. Aus der Zweibrücker Linie ging zu Beginn des 19. Jahrhunderts das bayerische Königshaus hervor.

Wappenstein von 1557 im Chorraum der Stephanskirche Simmern mit dem kurpfälzischen Löwen, dem blau-gold geschachten Wappen der Vorderen Grafschaft Sponheim und dem weiß-blau gerauteten Wittelsbacher Wappen (Quelle: www.hunsrueck-museum.de/wp-content/uploads/2017_reformation-simmern-4.jpg)

Dass die Beziehungen zwischen Bayern und dem Hunsrück noch im 20. Jahrhundert durchaus wirkmächtig waren, beweist ein Schriftstück, das jetzt bei Ordnungsarbeiten am Aktenbestand der Kirchengemeinde Simmern zutage getreten ist. „Seine Koenigliche Hoheit Prinz-Regent Luitpold von Bayern haben Allergnädigst geruht, zur Restauration der evangelischen Stadtkirche in Simmern den Betrag von 1000 M. (Eintausend Mark) zu spenden“, heißt es in einem am 11. August 1904 vom Königlich Bayerischen Hof-Secretariat ausgefertigten Schreiben.

Schreiben des Königlich Bayerischen Hof-Secretariats an das Presbyterium der Ev. Gemeinde Simmern vom 11. August 1904 (AEKR Boppard, Best. 4KG 113B, Kirchengemeinde Simmern-Altweidelbach)

In der evangelischen Gemeinde Simmern wird man sich über diesen großzügigen Zuschuss aus dem katholischen Bayern gefreut haben. Er belegt eindrücklich, dass trotz der konfessionellen Unterschiede im Bewusstsein der Zeitgenossen die alten dynastischen Verbindungen von der Isar in den Hunsrück und die gemeinsame wittelsbachische Vergangenheit noch sehr präsent waren.

 

Hinweis: Der Wappenstein wurde auch in einer Sonderausstellung zum Thema „Der Kampf um die Wahrheit – Gesellschaftlicher Umbruch, Reformation, Gegenreformation
und Konfessionalisierung im 16. und 17. Jahrhundert“ gezeigt.

Ein Fotoalbum aus der Zeit des Kirchenkampfs

Ein wertvolles Dokument aus dem persönlichen Nachlass des Koblenzer Pfarrers und Superintendenten Wilhelm Rott (1908-1967) wurde jetzt der Evangelischen Archivstelle Boppard übergeben und den Unterlagen beigefügt, die sich schon in Boppard befanden. Es handelt sich um ein Fotoalbum, das Bilder aus dem Predigerseminar der Bekennenden Kirche in Finkenwalde (Pommern) enthält.

Titelblatt des Fotoalbums mit Bildern aus dem Wintersemester 1936/37 (aus Bestand: AEKR Boppard 7NL 024B (Nachlass Superintendent Wilhelm Rott)

Wilhelm Rott war zwischen 1935 und 1937 Studieninspektor in dem von von Dietrich Bonhoeffer geleiteten Seminar. In der von der offiziellen altpreußischen Kirchenleitung als illegal eingestuften Einrichtung wurden bekenntniskirchliche Vikare auf den Pfarrdienst vorbereiten. Neben der theologischen Wissensvermittlung legte Bonhoeffer großen Wert auf christlichen Gemeinschaftsgeist im alltäglichen Leben, so wie er es in seiner 1938 erschienenen Schrift „Gemeinsames Leben“ im Rückblick auf die Finkenwalder Erfahrungen ausgeführt hatte. Andachten, geistliche Übungen und gemeinsames Singen und Musizieren strukturierten den Tag der Vikare in Finkenwalde. Dass darüber hinaus aber gelegentlich auch noch Zeit für gesellige Aktionen blieb, belegt das „Gruppenbild mit Schneemann in Segenshaltung“ auf anrührende Weise.

Gruppenbild der Finkenwalder Vikare im Wintersemester 1936/37. Dietrich Bonhoeffer in der 2. Reihe von oben 3 v. l., Wilhelm Rott schräg unterhalb rechts neben ihm, Fotograf unbekannt. aus Bestand: AEKR Boppard 7NL 024B (Nachlass Superintendent Wilhelm Rott)