Mein Praktikumsbesuch im Archiv der EKiR

Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. – Richard von Weizsäcker

Praktikant Luke Messinger, Foto: Archiv des JHD

Praktikant Luke Messinger, Foto: Archiv des JHD

Über meine Universität hatte ich die Möglichkeit an der Veranstaltung „Erlebnis-Archiv“ teilzunehmen, welche die Uni in Kooperation mit dem Landschaftsverband Rheinland anbot. Obwohl ich selbst Geschichte studiere, waren Archive für mich auch im Hinblick auf Hausarbeiten noch kein Thema. Wie manch anderer hing auch ich dem Vorurteil an, dass Archivare im Keller eines Unternehmens oder einer Einrichtung sitzen, hauptsächlich Zeit tot schlagen und dann und wann eine Akte bearbeiten. Zunächst hatte ich ein zweitägiges Seminar im LVR Kulturzentrum, hier wurden über Podiumsdiskussionen, Vorträge und Übungen Facetten des Berufs des Archivars beleuchtet, doch auch das konnte mir nicht den ganzen Umfang des Berufes offenbaren. Für mein Praktikum hatte ich mir ein Kirchliches Archiv ausgesucht: das Archiv des Jugendhauses Düsseldorf, dessen Träger die die katholische Kirche ist. Hier wurde ich schnell eines Besseren belehrt, denn Arbeit, auch wenn es nur ein Ein-Personen-Archiv war, gab es hier genug. Ebenso wurde mir schnell klar, dass sich hier weit mehr verbarg als nur Akten, wie Fotos, Dias, Gemälde, Kleidungsstücke, Fahnen und vieles mehr. Nach einer kurzen Einarbeitungszeit bot sich mir dann die Möglichkeit auch in ein anderes Archiv zu schnuppern: Das Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland. Weiterlesen →

Gott und die Welt: Start des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten 2016/17

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Jugendliche im Archiv bei der Arbeit für den Geschichtswettbewerb (Foto: Verband kirchlicher Archive / Jens Murken)

Heute beginnt der neue Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten. Er wird alle zwei Jahre von der Hamburger Körber-Stiftung ausgetragen. Sechs Monate haben Kinder und Jugendliche nunmehr Zeit, einen Beitrag zum Leitthema „Gott und die Welt. Religion macht Geschichte“ zu verfassen.

Der Verband kirchlicher Archive hat hierzu eine nützliche Materialsammlung erstellt. Darin finden sich Anregungen zur Themenfindung ebenso wie praktische Hilfestellungen für die Arbeit mit Unterlagen in einem Archiv. Schüler und Schülerinnen mit „rheinischen“ Themen werden sicherlich in ihrem örtlichen Kirchengemeindearchiv sowie bei uns im Archiv der EKiR fündig.

Kirchliche Verwaltungssprache und NS-Ideologie

Der Begriff der „glaubensverschiedenen Ehe“ ist heute eine übliche und völlig unverfängliche Bezeichnung für Verbindungen von Ehepartnern unterschiedlicher Konfession oder Religion. Gegenüber dem gelegentlich noch gebrauchten Begriff der „Mischehe“ erscheint sie uns Heutigen als angenehm neutral. Kaum jemandem ist freilich bewusst, dass die Einführung des Ausdrucks „glaubensverschiedene Ehe“ in den amtlichen kirchlichen Sprachgebrauch unter äußerst brisanten politischen Vorzeichen erfolgte, nämlich im Zuge des rassischen Antisemitismus in der Zeit des Nationalsozialismus. Weiterlesen →

Ein Beispiel für die geglückte Integration des Hausmädchens in den Familienverband

Nachtrag zum Beitrag vom 25.8.2016

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Predigten von Emanuel Leberecht Garschagen, 1886-1888, aus: 7NL 142,14

Die Familie des rheinischen Pfarrers Emanuel Leberecht Garschagen (1831-1910) lebte von 1874 bis 1908 in Nimwegen, wo er in der Deutschen Lutherischen Gemeinde Dienst tat.

Die Predigten Garschagens aus diesen Jahren sind in mehreren Büchlein in ordentlicher Handschrift festgehalten.

Das Besondere daran ist in diesem Fall der mit Bleistift hinzugefügte Hinweis im Einband des Büchleins, den vermutlich Garschagen Sohn Lebrecht (geb. 1873) geschrieben hat: Weiterlesen →

Ein Merkblatt für die Hausfrau für den Umgang mit Dienstmädchen

Änne Kaufmann Berufstätigenarbeit aus: 7NL084, 39

Merkblatt für die Hausfrau, 1950,
aus: 7NL084 Pastorin Änne Kaufmann, 39

1950 wagte sich der Sozialausschuss des Rheinischen Mädchenwerkes, dem auch Pastorin Änne Kaufmann angehörte, an eine Diagnose der Situation junger Arbeiterinnen. Eine der dabei untersuchten Berufsgruppen war die der Hausangestellten, weniger förmlich also der Dienst- oder Hausmädchen.

Dienstmädchen wohnten ständig im Haushalt ihres Arbeitgebers und verrichteten dort sämtliche hauswirtschaftlichen Arbeiten gegen Kost und Logis und einen kleinen Lohn. Seine eigentliche Blütezeit hatte das sog. Dienstbotenwesen bereits im 19. und frühen 20. Jahrhundert erlebt, aber auch in den 1950er Jahren war es noch durchaus üblich.

Frau Oberin Hinsberg schilderte dem Ausschuss in ihrem Referat „Die besondere Lage der Hausangestellten“  das Dilemma dieses Berufsfelds: zahlreiche Stellen waren in diesem fast rein weiblichen Berufszweig unbesetzt, obwohl die Zahl der arbeitssuchenden Frauen in die Tausende ging. Viele Frauen wollten einfach nicht im Haushalt arbeiten.

Der kurzen Liste von Vorteilen des Berufs setzte Hinsberg eine lange Liste von Nachteilen entgegen. Weiterlesen →

Können gesprungene Glocken wiederhergestellt werden?

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Werbepostkarte der Firma Lachenmeyer – AEKR Boppard

In unserer Sammlung fand sich eine Werbepostkarte der Firma Glocken-Schweißwerk Lachenmeyer, die gesprungene Glocken wieder instandsetzt.

Eine Recherche ergab, dass es diese Firma heute noch gibt. Sie hat damals wie heute noch ihren Firmensitz in Nördlingen. Glocken aus allen Ländern werden dort in einem besonderen Schweißverfahren repariert. Die Werbepostkarte ist 1950 abgestempelt worden.

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Rückseite der Werbepostkarte Lachenmeyer – AEKR Boppard

Weitere Informationen zum Thema :

Der Deutschlandfunk brachte 2014 eine Sendung über diese Firma : Glocken – Mit der Gasflamme ans Klangdenkmal von Remko Kragt.

Der eloquente Dr. Grünagel

Reichsbischof Ludwig Müller in Aachen: v.l.n.r.: Zehn - Bruch - Müller - Staudte - Grünagel. ca. 1933/1934?

Reichsbischof Ludwig Müller in Aachen:
v.l.n.r.: Zehn – Bruch – Müller – Staudte – Grünagel.
um 1933

Damit hatte die Kirchen-leitung der Evangelischen Kirche im Rheinland nicht gerechnet: „Nun gesellen Sie sich“, so schrieb Präses Heinrich Held im Dezember 1949 an Oberkirchenrat Oskar Söhngen in Berlin-Charlottenburg, „auch noch zu den Vielen, die für Dr. Grünagel eintreten, und mein Aktenstück wird immer stärker.“ Für den ehemaligen Aachener Pfarrer Friedrich Grünagel verwendeten sich zahlreiche, teilweise prominente Persönlichkeiten: Neben Oberkirchenrat Söhngen Professor Emil Weber, Superintendent Paul Staudte, Emmi Welter, Vorsitzende der rheinischen Frauenhilfe und Mitglied des Deutschen Bundestags, Eugen Gerstenmaier, Leiter des Evangelischen Hilfswerks und späterer Bundestagspräsident, Kirchenpräsident Hans Stempel, Kirchenpräsident Martin Niemöller, Landesbischof Julius Bender u.a.. Die rheinische Kirchenleitung um Präses Heinrich Held geriet zunehmend unter Rechtfertigungsdruck. Weiterlesen →