„Wie kriegen wir die Menschen dazu, es einfach zu machen?“ Sicherung und Bewahrung der persönlichen digitalen Unterlagen

Wie kriegen wir die Menschen dazu, es einfach zu machen? Diese Frage stellte Martin Iordanidis vom Hochschulbibliothekszentrum Köln (HBZ) ins Zentrum seines Vortrags im Rahmen der SUMMER LECTURES 2022 des LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrums am 18. August 2022 zum Thema Personal Digital Archiving (PDA). Personal Digital Archiving bezeichnet einen Zweig des großen Feldes digitaler Langzeitarchivierung, der neben der administrativen und wissenschaftlichen Überlieferung den verantwortungsvollen Umgang von Privatpersonen mit ihren persönlichen digitalen Daten in den Blick nimmt.

Iordanidis ist Mitglied in der Arbeitsgruppe PDA des nestor-Kompetenznetzwerks zur digitalen Langzeitarchivierung, die sich seit 2016 intensiv damit beschäftigt, die Thematik in die Öffentlichkeit zu tragen. In seinem informativen Beitrag hat er dazu die von ihm mitkonzipierte Website meinDigitalesArchiv.de vorgestellt.

Website meindigitalesarchiv.de (Screenshot vom 25.8.2022)

Er geht davon aus, dass die technischen Konzepte und Instrumente, die notwendig sind, um die eigenen digitalen Daten sinnvoll auszuwählen, zu strukturieren und zu sichern weitgehend bekannt sind. Was in seinen Augen fehlt, sind die Aufmerksamkeit für das Thema und, da wo das Problem bereits gesehen wird, Motivation es anzugehen.

Deshalb bietet die Website über verschiedene Zugänge einen niedrigschwelligen Einstieg ins Thema, der dazu animieren soll, es „einfach zu machen“. Es werden z.B. fiktive Personen in unterschiedlichsten Lebensphasen mit ihren Geschichten gezeigt, die jeweils ganz unterschiedlich geartete Interessen an der Sicherung ihrer digitalen Daten haben. Da ist beispielsweise Rentner Peter, der seinen digitalen Nachlass regeln will oder Jungunternehmer Alex, der vor allem seine Website sichern möchte. Ergänzt wird das durch zahlreiche weiterführende Infos, praktische Tipps und Werkzeuge. Auch ein sachthematischer Einstieg ist möglich. Die Liste der Stichwörter reicht hier von Cloudspeicher bis Urheberrecht. Wer es kompetitiver mag, kann den Einstieg über die 15-Min-Challenges probieren. Die Aufgaben heißen hier z.B. „Dateien strukturieren“ oder „Smartphone und Tablet entrümpeln“.

Ergänzend zum Vortrag von Iordanidis stellte Prof. Dr. Achim Oßwald (Technische Hochschule Köln), der ebenfalls Mitglied der Arbeitsgruppe PDA ist, in seinem Beitrag die Frage, ob PDA ein Thema für Archive sein sollte. Er sieht einen sinnvollen Einsatz von PDA-Beratungsaktivitäten im Archivbereich vor allem in der Vorfeldarbeit, um die spätere Bereitstellung von archivrelevanten und -tauglichen Unterlagen, z.B. in Form von Nachlässen, zu verbessern. Außerdem kann dadurch die Wahrnehmung von Archiven durch Personen außerhalb des Fach- und Forschungsbereichs gefördert werden. Dem gegenüber stünde ein erhöhter Personalbedarf und der Bedarf einer Konzeption für ein sinnvolles, gezieltes Beratungsangebot.

Ich hoffe, einen kleinen Beitrag schon mit meinem Hinweis auf die Website meinDigitalesArchiv.de zu leisten.

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