Gesangbuch für Berg- und Hüttenleute von 1832

Gesangbuch für Berg- und Hüttenleute, nebst einigen Gebeten, 1832; AEKR Archivbibliothek Sign. 2017.112

Die Gesangbuchsammlung der Archivbibliothek umfasst ca. 600 Titel des 18.-20. Jahrhunderts. Hier verdanken wir jetzt einer privaten Schenkung den wertvollen Zugang der Erstausgabe einer speziellen Liedersammlung für Bergarbeiter und Hüttenleute. Ihr Autor, Albert Wilhelm Perlberg (1794-1843), war Oberbergrat zu Halle und, by the way, Mitglied der Hallenser Freimaurerloge Zu den drei Degen.

Das bis in die 1860er Jahre mehrfach aufgelegte Gesangbuch vereinigt 61 Lieder, die in verschiedene Themenbereiche aus dem Alltag der Arbeiter eingeteilt sind. Die Amtsblätter der königlich-preußischen Regierungen in der Rheinprovinz empfahlen „dem bergmännischen Publikum“ wärmstens die Anschaffung. Ob sie es freilich zuvor auf Realitätsnahe und Akzeptanz seitens der Bergarbeiter überprüft hatten, wage ich zu bezweifeln. Viele Lieder atmen einen rationalistisch-aufklärerischen Geist, der an den existentiellen Nöten der frühindustriellen Arbeiterschaft völlig vorbeigeht.

Als Beispiel seien zwei Strophen aus dem achtstrophigen Lied Nr. 31 der Gruppe „Gottes Größe, Macht und Güte in den Teufen“ zitiert (zu singen auf die Melodie: Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut):

  1. Mein Auge sieht der Erze Glanz, des Kieses goldnen Schimmer; kristallner Drusen Strahlenkranz, die Gäng´und ihre Trümmer durchsetzen höflich das Gestein, auch Bergkrystall und Edelstein als Sterne finstrer Tiefen.
  2. Als Gott, dein Allmachtswort einst sprach: es werde! ward auch Eisen; wir fördern´s fröhlich an den Tag, sein Werth ist hoch zu preisen. Auch schufst du Silber und das Gold; hast aber, Höchster, nicht gewollt, dass uns sein Glanz verblende.

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