Neues Online-Findbuch: Kirchengemeinden Idar und Kirschweiler

Frühneuzeitliche Zettelwirtschaft: Das 1605 begonnene Kirschweiler Kapellen-Rechnungsbuch; aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 039B (Idar-Kirschweiler, Nr. 77a

Neu auf der Website des Archivs ist das jüngst retrokonvertierte Findbuch des Archivs der Evangelischen Kirchengemeinden Idar und Kirschweiler. Der Flecken Idar gehörte in der Frühen Neuzeit teils den Grafen von Leiningen-Heidesheim, teils zur Reichsherrschaft Oberstein, die 1669 nach dem Aussterben der Grafen von Dhaun und Falkenstein ebenfalls an Leiningen-Heidesheim fiel. Kirchliche Aufsichtsbehörde war zunächst das Konsistorium in Heidesheim bei Worms. Nach dem Ende der Linie Leiningen-Heidesheim (1766) fiel Idar an die Hintere Grafschaft Sponheim, zunächst gemeinschaftlich an Pfalz-Zweibrücken und Baden, ab 1776 allein an Baden, womit das Konsistorium in Karlsruhe zuständig wurde. Das Filial Kirschweiler gehörte bis zur Französischen Revolution zur Wild- und Rheingrafschaft. 1815 kamen Idar und Kirschweiler zum oldenburgischen Fürstentum Birkenfeld, dessen Gebiet 1934 als Kirchenkreis Birkenfeld in die Rheinische Provinzialkirche eingegliedert wurde.

Das Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Idar mit dem Filial Kirschweiler wurde 1956 von Synodalarchivpfleger Pfarrer Melzer nach dem Registraturplan der Evangelischen Kirche im Rheinland geordnet. 1961 und 1964 erfolgten Ergänzungen durch weitere Altakten, Rechnungen und Amtsbücher, die teilweise gesondert abgelegt wurden. Bereits damals war vorgesehen, das Kirschweiler Kapellen-Rechnungsbuch von 1605 in den Bestand aufzunehmen; dies geschah jedoch erst 2001, als die Kirchengemeinde Kirschweiler das Rechnungsbuch zusammen mit weiteren Unterlagen als Depositum an die Evangelische Archivstelle Boppard übergab. Gleichzeitig wurden die Bestände von Idar und Kirschweiler vollständig nach Boppard überführt und die drei älteren Repertorien mit den neu hinzugekommenen Unterlagen als getrennte Blöcke in einem Gesamtfindbuch zusammengeführt. Im Zuge der Retrokonvertierung 2025 erfolgte die Integration in eine durchgehende Registraturplansystematik.

Der Bestand umfasst überwiegend Akten des 19. und 20. Jahrhunderts, ergänzt um frühneuzeitliche Dokumente zu Pfarrbesetzungen und Rechnungsangelegenheiten. Besonders hervorzuheben sind das erwähnte Kirschweiler Kapellen-Rechnungsbuch von 1605 sowie die Idarer Kriegschronik aus dem Ersten Weltkrieg.

Otium cum dignitate

Bevor wir unseren Archivleiter, Dr. Stefan Flesch, in den wohlverdienten Ruhestand schicken und der Staffelstab offiziell weitergegeben wird, begleiten wir ihn auf seiner letzten Archivführung. Aber entscheiden Sie selbst für sich und wählen die KISS1 Variante mit einem Augenzwinkern oder alternativ die längere Fassung mit Archivalien „en détail” weiter unten.

Wer es ausführlicher mag, schaut gerne hier vorbei:


  1. Apronym aus dem Marketing mit der Bedeutung „Keep It Short and Simple“ / „Gestalte es kurz und einfach“ ↩︎

Une certaine idée des archives, oder: Time to say goodbye

Bei der Überschrift schimmert die Sentenz von Charles de Gaulle durch, der sich dazu bekannte, zeit seines Lebens eine gewisse feste Vorstellung seines geliebten Frankreichs besessen zu haben, „une certaine idée de la France“. „Grandeur“ à la de Gaulle bildet nun freilich keine geeignete Kategorie für ein Archiv (und schon gar nicht für das Archiv der EKiR), hingegen ist das anvertraute Archivgut durchweg „très valable“.

Als ich vor über 32 Jahren in den kirchlichen Archivdienst trat, zunächst in Koblenz, dann in Boppard und seit 2001 in Düsseldorf, hatte ich wie alle Berufsanfänger viele mehr oder minder gute Ideen für die Konzeption und Priorisierung der künftigen Arbeitsschwerpunkte. Nicht alle haben den rauen Alltag periodisch wiederkehrender Sparrunden überlebt. Sehr wohl hat sich aber bald ein fester Kern an Überzeugungen herauskristallisiert. Erlauben Sie mir in Abwandlung der Devise „Liberté, Égalité, Fraternité“ gewissermaßen als archivisches Credo zu wählen: „Fiabilité, Accessibilité, Diversité“, also Verlässlichkeit durch die Sicherung und den Ausbau der archivischen Infrastruktur, erleichterte Zugänglichkeit mittels intensivierter Erschließung sowie größtmögliche Vielfalt des Quellenangebotes auch durch gezielte Acquisitionen.

Unser Archiv kann bald sein 175-jähriges Bestehen feiern. Es war mir eine Ehre und Freude, an seiner Entwicklung für eine gewisse Wegstrecke mitwirken zu dürfen. Heute ist nun mein letzter Arbeitstag und dies ist auch der letzte von gut 200 Beiträgen im Blog. Bleiben Sie dem Archivteam an seinen beiden Standorten in Düsseldorf in Boppard weiterhin gewogen und schauen Sie auch gelegentlich in das Archivblog hinein. Adieu!

Wie ein Großteil des Schöneberger Kapitalienbuches verloren ging

Kürzlich war hier von einem verschollen geglaubten Kirchenbuch zu lesen, das wie durch ein Wunder nach langer Zeit doch noch wieder aufgetaucht ist. Auf eine ähnlich glückliche Fügung hofft man in der Westerwaldgemeinde Schöneberg bislang vergeblich, wo vor fast neun Jahrzehnten große Teile eines Ende des 17. Jahrhunderts begonnenen Kapitalienbuches verloren gingen. Von dem ursprünglich mehrere hundert Seiten umfassenden Band, der zu den ältesten Dokumenten des Archivs der Evangelischen Kirchengemeinde zählt, sind heute nur noch wenige Fragmente erhalten. Der Grund dafür lässt jede/-n Archivar/-in erschaudern: Das Kapitalienbuch wurde 1935 an einen Heimatkundler verliehen. Dieser gab 1937 nur noch Reste des wertvollen Bandes an die Pfarrei zurück. Ein Großteil der Blätter war entnommen und „versehentlich“, wie der Leihnehmer beteuerte, vermischt mit anderen Dokumenten als Aktenbündel verkauft worden. In dem durchsichtigen Versuch zu vertuschen, dass es sich bei den Schriftstücken um Seiten aus einer geschlossenen Quelle handelte, hatte er noch dazu die Paginierung an der oberen rechten Ecke jedes Blattes abgerissen.

Ausschnitt des ältesten Schriftstücks der Fragmente. Deutlich zu erkennen die oben rechts entfernte ursprüngliche Paginierung; aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 145B (Schöneberg), Nr. 283, S.1

Die erhaltenen Fragmente beginnen mit einer zehnseitigen Aufstellung der Pfarrgüter und Renten, die 1695 von Pfarrer Friedrich Wilhelm Losius angelegt und von seinen Nachfolgern bis 1783 weitergeführt wurde. Ebenfalls zehn Seiten nehmen die 1705 von Pfarrer Friedrich Höcker erstellten Inventaria ein, die in den Jahren 1709, 1714, 1755 und 1797 ergänzt wurden. Eine weitere Quelle ist die Zehntenliste von 1756 bis 1758, angelegt von Pfarrer Wilhelm Henrich Seel, auf deren Rückseite sich eine Beschwerde des reformierten Pfarrers gegen den lutherischen Kirchspiels-Geschworenen Philipp Jugnitius aus dem Jahr 1758 befindet.

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Das neue Schuljahr startet!

In Nordrhein-Westfalen beginnt das neue Schuljahr 2025/2026. Das Team des Archivs der EKiR wünscht allen Schülerinnen und Schülern einen tollen Start und allen Erstklässlerinnen und Erstklässlern zudem prall gepackte Schultüten!

Wer in alten Bildern zum Thema Schule, Schulstart, Unterricht o.Ä. stöbern möchte, kann das in unserem Medienpool oder in unserer Slide-Show „Schulbeginn in NRW – eine Zeitreise in Bildern“ tun.

Schulkind mit Tornister in der Gemeinde Quierschied; Fotograf: Hans Lachmann; Datum: ca. 1956; Ort: Saarbrücken ; Signatur: AEKR 8SL046 (Bildarchiv), BRD_1956_1180; Schachtel BRD 29(16/1362).

Jugend

Die Jugend… Ein Begriff der keine genaue Definition zulässt. Der Duden beschreibt die Jugend beispielsweise als „Zeit des Jungseins“. Gleichzeitig folgt auch eine biologische Definition, indem Jugend als „Entwicklungszeit“ klassifiziert wird. Doch meines Erachtens nach beschreiben diese stumpfen Definitionen nicht den tatsächlichen Kern! Jugend ist vielmehr eine Erinnerung an unbeschwerte Zeiten, an die erlebte Freiheit oder scheinbar unendliche Sommer. Kurzum beschreibt die Jugend vielmehr ein Gefühl. Die folgende Slideshow versucht dieses Gefühl zu greifen und nostalgische Erinnerungen zu wecken:

  • Eine Pfadfinderin baut ein Zelt auf.
    Fotograf: Hans Lachmann
    Datum: 1.2.1995 - 2.6.1996
    Signatur: AEKR 8SL046 (Bildarchiv), 019_0399
    Schachtel: 825 (6/33659)

Weitere Bilder finden Sie in unserem Online-Bildarchiv.

Stetige Erweiterung unseres digitalen Angebots – Archivportal unterstützt die Recherche

In den letzten Monaten haben wir wieder eine ganze Reihe neuer Findbücher im Archivportal NRW online gestellt. Damit wächst unser digitales Angebot stetig weiter – und das Recherchieren im Archiv wird immer einfacher und ergiebiger.

Gerade unser Online-Archiv bietet viele praktische Funktionen: Recherchen sind archivübergreifend möglich, man kann sich Trefferlisten individuell zusammenstellen oder gezielt in bestimmten Beständen suchen. Es lohnt sich also, regelmäßig reinzuschauen und so einen Besuch in unserem Archiv optimal vorzubereiten. Auch für uns Archivare stellt das Portal eine Arbeitserleichterung dar, wenn Nutzende im Vorfeld schon wissen, welche Bestände für sie von Interesse sind. Auch in Zukunft ist mit weiteren Optimierungen in der Handhabung und im Hinblick auf die Nutzerfreundlichkeit der Plattform zu rechnen.

Unterstützend hat das Landesarchiv NRW wirklich hilfreiche Erklärvideos bei YouTube eingestellt, die dem Nutzenden das Portal erklären und einem das Suchen nach Quellen vereinfachen.

YouTube Kanal des NRW Landesarchivs, abgerufen am 14.08.2025

Für die überregionale Suche empfehlen wir außerdem das Archivportal-D, das Recherchen in Archiven aus dem gesamten Bundesgebiet ermöglicht.

Wir freuen uns über alle, die unser digitales Angebot in Anspruch nehmen und stehen bei Fragen gerne zur Verfügung!