Kurioses aus Düsseldorf der 60er und 70er Jahre

Passend zu dem diesjährigen Motto des Tags der Archive „Fakten, Geschichten, Kurioses“ haben wir eine Slideshow aus Fotografien der 1960er und 1970er Jahre zusammengestellt, die allerlei Kurioses der beiden Jahrzehnte zeigt. Besonders prägnant für diese Zeit war vor allem die ausgefallene und verrückte Mode. Gerade in den Schaufenstern der Düsseldorfer Königsallee fand man diese zuhauf. Ebenso ist und war Düsseldorf bekannt für Kosmetik bzw. kosmetische Behandlungen. Diese findet man auch in einigen Bildstrecken wieder und fragt sich heute, ob und welchen Nutzen diese wohl gehabt haben. Aber auch technischer Fortschritt war ein nicht unbedeutendes Thema. So zeigten diverse Messen und Ausstellungen der 60er und 70er die neusten Erfindungen und Innovationen.

Die Bilder entstammen alle samt vom dem Fotografen Hans Lachmann. Dieser war von den frühen 50er Jahren bis in die frühen 90er Jahre der meist gebuchte Fotograf der evangelischen Kirche im Rheinland, sowie regionaler kirchlicher Gemeinden und Vereine. Seine bildliche Dokumentation zeigte nicht nur den Kirchenalltag, sondern auch vermehrt das Alltagsleben in verschiedenen Facetten.

  • Ein Model präsentiert auf einem Stuhl vor einem Geschäft sitzend die neue Herbstmode. Königstraße / Ecke zur Königsalle. Zu sehen ist das Geschäft W. Weitz Küchenkultur auf der Königsalle 34a Fotograf: Hans Lachmann Datum: Herbst 1962 Ort: Düsseldorf Signatur: AEKR 8SL046 (Bildarchiv), BRD_1962_3526 Schachtel BRD 31 (14/4772)

Schadensersatz für zwei Pistolen

Die Grundsteinlegung ihrer neuen Kirche in der Bolkerstraße am 13. März 1683 erfüllte die bedrängte Reformierte Gemeinde in Düsseldorf mit neuer Hoffnung. Finanziert durch zahlreiche Spenden u. a. aus Genf, Danzig und den Niederlanden machte der Bau der Neanderkirche (so ihr Name seit 1917) rasch Fortschritte und bereits Ende 1684 fanden in ihr die ersten Gottesdienste statt.

Die Abbrucharbeiten am alten Predigerhaus führten aber zu einem Kollateralschaden, der die Gemeinde noch lange beschäftigen sollte. Johann Mostart, Reiter der herzoglichen Leibgarde, hatte nämlich „bei der Reformierten Kirchen sein Quartier“. Im angrenzenden Stall hatte er seine Ausstattung eingelagert, zu der auch zwei Pistolen zählten. Als diese nicht mehr auffindbar waren, verklagte er die Reformierte Gemeinde auf Schadensersatz. Wie immer bei Rechtssachen zieht sich die Angelegenheit hin und produziert viel Papier. Im Juli 1685 muss ihm die Gemeinde schließlich drei Reichstaler und fünf Schilling als Entschädigung zahlen. Ein Mehrfaches dieser Summe betrugen die weiteren Auslagen für Gerichts- und Schreiberkosten, die Mostart gleichfalls in Rechnung stellen durfte.

Radschlosspistole anno 1580.

Der vergleichsweise bescheidene Wertansatz für die Pistolen spricht dafür, dass es sich bei den Waffen wahrscheinlich noch um ältere Radschlosspistolen handelte, wie sie vor allem bei der Kavallerie bis ins späte 17. Jahrhundert beliebt waren. Verbreitet waren auch bereits die moderneren Steinschlosspistolen, bei denen eine Offiziersausführung aber um die 18 Reichstaler kostete.

Die Bolkerstraße um 1640: Ein Hausverkauf


Im Zuge unserer Blogreihe zum diesjährigen Tag der Archive, zeigen wir ihnen hier die ganze Woche Geschichten und Kurioses aus Düsseldorf. Da die meisten die berühmte Bolkerstraße in der Düsseldorfer Altstadt kennen, hier eine kleine Geschichte zu einem Hausverkauf im Jahre 1640, die zeigt dass das Wohnen in Düsseldorf schon zu dieser Zeit mit Kompromissen verbunden war.
Am 1.05.1640 verkaufte Frau Maria Keltterhausen, die Tochter der verstorbenen Eheleute Adolf Keltterhausen, Prokurator am fürstlichen Hofgericht und Adelheid von Brück, den ihr nach dem Tode ihrer Eltern angefallenen Anteil von Haus und Hof „uf der Bollickerstrasse“, angrenzend beiderseits an die Erben von Dr. Wilhelm Pabst und Joh. Knefelius, Pastor zu Elberfeld, bzw. an dessen Kinder von Anna Keltterhaus, vorn auf die Bolkerstrasse und hinten auf Erbe von Stoffel Reide anstoßend, ihrem Schwager bzw. ihrer Schwester Henrich
Lanzetz und Cathrine Keltterhaus, für 500 Düsseldorfer Taler zu je 52 Albus. Die Ankäufer übernahmen zudem auch eine Schuld von damals 100 Talern, die Maria ihrer Schwester Anna Knefelius bzw. deren Kindern schuldete. Als Verkäuferin behielt sie weiterhin das Wohn- und Unterhaltsrecht in ihrem Hause. Das kuriose an der Geschichte, so heißt es in den Schreiben weiter: Falls sie sich mit Schwager und Schwester nicht vertrage sollte, so solle ihr einfach die hinterste Kammer zu ebener Erde zugesprochen werden, in der sie dann eine Herdstätte, sowie einige kleine Ställchen einrichten könne.

Bestand AEKiR 4KG 005 Düsseldorf, 283
Bestand AEKiR 4KG 005 Düsseldorf, 283
Bolkerstraße in Düsseldorf um 1970 aus : AEKR 8SL046 (Bildarchiv), BRD_1970_2142

Vom kirchlichen Amtsbuch zur genealogischen Quelle

Kirchenbücher sind in vielen kirchlichen Archiven die am intensivsten genutzte Quellengattung – sind sie doch unabdingbar für jede Ahnenforschung, die vor die standesamtliche Zeit – im Linksrheinischen ab 1798, im Rechtsrheinischen ab 1874 – zurückreicht. Emsige Familienforscher übersehen dabei allerdings gelegentlich, dass die Tauf-, Heirats- und Bestattungsbücher ihrer ursprünglichen Zweckbestimmung nach gar nicht in erster Linie dazu da waren, Informationen für künftige Genealogen bereitzustellen. Sie waren vielmehr genuin kirchliche Amtsbücher, sollten kirchliche Amtshandlungen (Taufen, Konfirmationen, Trauungen, Bestattungen) dokumentieren und hatten deshalb eine nicht unerhebliche kirchenrechtliche Bedeutung. So ist es nicht verwunderlich, dass im Zuge der Ausdifferenzierung des kirchlichen Rechts in den neuzeitlichen Verwaltungsstaaten seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auch die Kirchenbuchführung immer detaillierter geregelt wurde. Ein schönes Beispiel aus dem Jahr 1772 befindet sich im Archivbestand der damals zur Landgrafschaft Hessen-Kassel gehörenden Evangelischen Gemeinde St. Goar am Mittelrhein.

Titelseite der vom Hessischen Konsistorium in Kassel herausgegebenen Vorschrift zur Kirchenbuchführung (AEKR Boppard, Bestand 4KG 023B, Kirchengemeinde St. Goar, Nr. 10)
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Zwei neue Steinchen im „großen hebräischen Puzzle“

Bei Ordnungs- und Verzeichnungsarbeiten im Bestand Kirchenschaffnei Meisenheim stießen Mitarbeiter der Evangelischen Archivstelle Boppard kürzlich auf zwei außergewöhnliche Fundstücke: Pergamente mit hebräischer Handschrift. Es handelt sich zum einen um eine Buchseite, die als Einband der Disibodenberger Schaffneirechnung von 1623 verwendet wurde, zum anderen um eine hebräische Schriftzeile auf der Rückseite der ältesten Urkunde des Bestandes von 1387. Zwar ist die Verwendung von Pergamentmakulatur an sich nicht ungewöhnlich und findet sich auch zahlreich im Meisenheimer Bestand, dabei handelt es sich jedoch im Falle des Bopparder Archivs soweit bislang bekannt ausschließlich um „recycelte“ christliche Handschriften.

Hebräische Buchseite als Rechnungseinband; aus Bestand: AEKR Boppard 5WV 022B Odernheimer (Disibodenberger) Schaffneirechnungen

Das hebräische Einbandfragment identifizierte der Mainzer Judaist Andreas Lehnardt, der sich seit Jahren dem „großen hebräischen Puzzle“ widmet, als ein Blatt aus dem bekannten Rechtskodex Sefer Mitzwot Qatan (Das kleine Buch der Gebote) von Rabbi Yitzhaq ben Yosef aus Corbeil († 1230), vermutlich entstanden im 14. Jahrhundert. Im Detail handelt es sich um folgende Passagen:
Außendeckel, rechte Spalte: Mitzwa 11, von משתקין אותו וכן אם bis דאפי; linke Spalte: Mitzwa 113, von בסוף לא יהא אלא bis ברכה של.
Innendeckel, rechte Spalte: Mitzwa 53, von לא נשאר לנו; linke Spalte: Mitzwa 53 (Fortsetzung) von ואמ‘ אין שלום וגו‘ bis מיליהן דכת‘.
Am Rand finden sich Glossen von Rabbenu Peretz in kleinerer aschkenasischer Kursive.

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Düsseldorfer Tag der Archive 2022

Übermorgen ist es wieder so weit: Der bundesweite Tag der Archive 2022 startet unter dem großzügig gefassten Motto „Fakten, Geschichte, Kurioses“. Die Düsseldorfer Archive machen daraus traditionsgemäß eher eine Woche der Archive mit zahlreichen Programmpunkten vom 5.-11. März. Pandemiebedingt liegt der Schwerpunkt auf digitalen Angeboten, es finden aber auch wieder klassische Archivführungen statt. Das vollständige Programm für Düsseldorf finden Sie hier.

Im Archivblog werden wir ab kommenden Montag täglich etwas aus dem reichen Panoptikum des Archivs der Ev. Kirchengemeinde Düsseldorf vorstellen. Dieser Bestand mit zahlreichen Akten und Amtsbüchern des 17.-18. Jahrhunderts hat die Kriegszerstörungen 1943 weitgehend unbeschadet überstanden und bietet etwa mit seinen Häuserakten zu Grundstücken in der Altstadt eine wichtige lokalgeschichtliche Ergänzung zu den Beständen des Stadtarchivs.

Neue Reihe: Lernvideos zum Thema Schriftgutverwaltung

Wie bei so vielem, macht uns Corona auch bei der Durchführung der Lehrgänge zur Schriftgutverwaltung seit zwei Jahren einen Strich durch die Rechnung.

Um Abhilfe zu schaffen bis wir auch die präsente Schulungsarbeit hoffentlich sehr bald wieder aufnehmen können, sind wir dabei, ein Online-Lernangebot zu erstellen. Das kann natürlich auch danach noch jederzeit zum Einstieg ins Thema genutzt werden. Den Auftakt macht unser erstes Video mit Informationen zur neuen Schriftgutverordnung, die am 19.1.2022 in Kraft getreten ist. Weitere sollen bald folgen. Schauen Sie doch mal rein!

Einführung in die Schriftgutverwaltung – Teil 1: Die Schriftgutverordnung der EKiR (SGVO)