Dozent Ernst Fuchs war chancenlos. Er ahnte es lange Zeit noch nicht einmal, weil er der Bekennenden Kirche angehörte, und Heinrich Held, den späteren ersten Nachkriegspräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, kannte er aus den Tagen, als die Bekennende Kirche sich gegen die Deutschen Christen wehrte. Er wollte daher zunächst nicht wahrhaben, dass dieser ehemalige Mitstreiter vehement seine Berufung auf den Bonner Lehrstuhl für Neues Testament hintertrieb. Pikant: Eine Kirchenleitung, die die Barmer Theologische Erklärung als ihre Bekenntnisgrundlage betrachtet, verweigert einem Mitglied der Bekennenden Kirche, dem die Nationalsozialisten 1933 die Lehrbefugnis entzogen hatten, die Wiederbeilegung der „venia legendi“. Es ging allerdings noch um ein Weiteres. Plakativ ausgedrückt: Die Freiheit der theologischen Wissenschaft in Bonn endet an der theologischen Einstellung des Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Weiterlesen
Kategoriearchiv: Persönlichkeiten
Was geschah an einem 11. Januar im Rheinland?
Im Portal Rheinische Geschichte findet sich hierzu ein Artikel von Prof. Folkert Rickers (Duisburg).

Präses Peter Beier – Amtseinführung, mit Bischof Horst Gienke ( DDR ), Foto: Hans Lachmann, aus Bestand: AEKR Düsseldorf 8SL 046 (Bildarchiv), 10_19890000
„Am 11. Januar 1989 wählte die Landessynode Peter Beier zum Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Beier gehörte zu den profiliertesten Persönlichkeiten des rheinischen Protestantismus. Durch seine immer kritischen Positionierungen in Zeitfragen und sein Eintreten für ein undogmatisches Christentum erlangte er große Bekanntheit. Unser Porträt des streitbaren Protestanten:“
weitere Unterlagen zu Peter Beier im AEKR:
- Handakten Präses D. Dr. h.c. Peter Beier
- Personalakten von Peter Beier: 1OB 009, B 392; 1OB 022, Nr.739
- Zur Friedensbewegung s. auch: 7NL 160 Superintendent Dieter Linz
Darüber hinaus finden sich Korrespondenzen und Interaktionen mit zahlreichen Partnern in verschiedenen Beständen des Archivs.
Handaktenbestände weitere Präsides:
6HA 006 Präses Heinrich Held
6HA 034 Präses Lic. Karl Immer
6HA 003 Präses D. Dr. Joachim Beckmann
6HA 038 Präses D. Dr. h.c. Gerhard Brandt
6HA 045 Manfred Kock
Trotz Notzeiten und Papierknappheit: An die Einführung von Pfarrer Heiermann in Lennep am 3. Advent 1946 erinnert eine gedruckte Predigt
Auf der Suche nach einem Adventsthema für unseren Blog stieß ich im Katalog der Archivbibliothek auf die gedruckte Einführungspredigt des Pfarrers Bernhard Heiermann vom 3. Advent (15.12.) 1946. Das ist genau 70 Jahre her und ich war erstaunt, dass in dieser Zeit des alltäglichen Mangels und der Not das Papier vorhanden war, um dieses Heft „Zur freundlichen Erinnerung an die Einführung“ zu drucken. Den Auftrag führte die J.F. Ziegler’sche Buchdruckerei in Remscheid im Januar 1947 aus. Das Exemplar gelangte aus dem Besitz des früheren Präses Joachim Beckmann in den Bestand der Archivbibliothek. Das stark holzhaltige, grobe Papier ist stark gebräunt und brüchig. Das Titelblatt ziert ein Foto des Kirchturms der alten evangelischen Stadtkirche in Lennep. Weiterlesen
Die Quellen schweigen zum Tod der Tochter Maria („Mulla“) des Düsseldorfer Pfarrers Samuel Keller
Hier soll von einem Beispiel dafür berichtet werden, dass sich Berichte in autobiographischen Darstellungen nicht immer in den Quellen wiederfinden: Von 1892 bis 1898 amtierte in der fünften Pfarrstelle der Evangelischen Gemeinde Düsseldorf Pfarrer Samuel Keller. Er wurde 1856 in St. Petersburg als Sohn eines aus der Schweiz zugewanderten Waisenhausvaters und Lehrers geboren.
Seine ersten Pfarrstellen hatte Samuel Keller in Grunau (Russland, 1880-1884) und Neusatz auf der Krim (1884-1891) inne, wo er die deutschen Kolonisten als Seelsorger betreute. Da seine Arbeit „eine ungewöhnlich dichte Frucht“ brachte, „wurde er ‚oben‘ unliebsam, und wenn er nicht ostwärts, d.h., nach Sibirien, verschwinden wollte, mußte er sich westwärts wenden.“, so Oskar Brüssau, S. 37.
Samuel Keller und seiner Frau Elisabeth Wilhelmine geb. Clever wurden vier Kinder geboren, Hans (1881), Margarete („Grete“, 1882), Maria („Mulla“, 1884) und als Nachzüglerin in Düsseldorf Elisabeth („Lia“, 1897). Keller erwähnt diese in seiner Autobiographie „Aus meinem Leben„, die in zwei Bänden 1917 und 1922 erschien. Drei der Kinder sind auch in „Wer ist’s„, V. Ausgabe 1911, auf Seite 708 aufgeführt. Maria fehlt – und damit sind wir beim Kern dieses Beitrages. Weiterlesen
Der eloquente Dr. Grünagel
Damit hatte die Kirchen-leitung der Evangelischen Kirche im Rheinland nicht gerechnet: „Nun gesellen Sie sich“, so schrieb Präses Heinrich Held im Dezember 1949 an Oberkirchenrat Oskar Söhngen in Berlin-Charlottenburg, „auch noch zu den Vielen, die für Dr. Grünagel eintreten, und mein Aktenstück wird immer stärker.“ Für den ehemaligen Aachener Pfarrer Friedrich Grünagel verwendeten sich zahlreiche, teilweise prominente Persönlichkeiten: Neben Oberkirchenrat Söhngen Professor Emil Weber, Superintendent Paul Staudte, Emmi Welter, Vorsitzende der rheinischen Frauenhilfe und Mitglied des Deutschen Bundestags, Eugen Gerstenmaier, Leiter des Evangelischen Hilfswerks und späterer Bundestagspräsident, Kirchenpräsident Hans Stempel, Kirchenpräsident Martin Niemöller, Landesbischof Julius Bender u.a.. Die rheinische Kirchenleitung um Präses Heinrich Held geriet zunehmend unter Rechtfertigungsdruck. Weiterlesen
Eine Orgie an Ausrufezeichen: Das Danklied der Evangelischen zu Aachen an Kaiser Napoleon aus dem Jahr 1804
Beide christlichen Konfessionen haben in ihrer Geschichte stets gern die Nähe zu den politisch Mächtigen ihrer Zeit gesucht. Vor gut 200 Jahren hatte die evangelische Minderheit in Aachen auch allen Grund, dem frisch etablierten Kaisertum Napoleon Bonapartes zu huldigen. Dies belegt ein aktueller Fund im Archiv der EKiR.
Am 29. Juli 1804 erscholl in der Aachener St. Anna-Kirche die Melodie von Martin Luthers Lied „Herr Gott, dich loben wir“, seine Umsetzung des „Te Deum laudamus“ ins Deutsche von 1529. Der Text war freilich ersetzt worden durch einen Dankeshymnus auf den gerade berufenen Kaiser. Darin heißt es z. B. in der zweiten Strophe:
Aufs lieblichste fiel unser Los!
Wir ruhn in eines Kaisers Schoß,
Der unser Freund und Vater ist,
Weil du sein Gott und Vater bist!
Ach, laß ihn leben, leben, Gott!
Der Enkel erst seh seinen Tod!
Noch lange sey Gerechtigkeit
Sein Thun! noch lange Menschlichkeit!
Erhalt in deiner Weisheit ihn!
Zu deiner Hülfe laß ihn fliehn,
Wenn er sie fühlt der Herrschaft Last,
Mit der du ihn begnadigt hast!
Einst leucht´er (dort belohnst du ganz)
In einer bessern Krone Glanz!
Wie schmal, wie steil sein Weg auch sey,
Bleib er dir, Oberherrscher, treu!
Er habe, Gott, er habe Theil
Im Himmel einst am ewgen Heil! Weiterlesen
Interessante Überlieferung zu einer Konfirmation im Jahr 1908
Von dem Düsseldorfer Pfarrer und Superintendenten i.R. Helmut Ackermann (über ihn) hat das Landeskirchliche Archiv eine Anzahl älterer Gesangbücher übernommen. Diese Sammlung erstreckte sich über das Rheinland hinaus. Eines dieser Gesangbücher enthält interessante Dokumente zur Geschichte einer Konfirmation im Jahr 1908: Gesangbuch für die evangelisch-lutherische Kirche des Herzogtums Braunschweig vom Jahre 1902, verlegt in Wolfenbüttel bei Julius Zwißler.
Das zweite Vorsatzblatt enthält die folgende Widmung:

Widmung zur Konfirmation für Rudolf Studte von Pastor Stock 1908 in: Gesangbuch für die evangelisch-lutherische Kirche des Herzogtums Braunschweig vom Jahre 1902 ; aus Bestand : AEKR Düsseldorf Biblitohek Hh499
Rudolf Studte
ist am weißen Sonntag 1908 (den 26. April)
in der Katharinenkirche zu Braunschweig
konfirmiert.
Text der Konfirmationsrede:
Hebr. 10.39.
Wir aber sind nicht von denen, die da
weichen!
Braunschweig, den 27. April 1908
Stock, Pastor.
Die hier erwähnte Konfirmationsrede hat Pastor Stock drucken lassen:
„Fest und treu!“ Konfirmationsrede gehalten am Weissen Sonntag (26. April) 1908 in der St. Katharinenkirche zu Braunschweig von Pastor A. Stock über Hebr. 10, 39. Braunschweig: Verlag von Johannes Neumeyer 1908, 10 Seiten
Möglicherweise hat jede(r) Konfirmierte den Druck anschließend erhalten. Jedenfalls hat Rudolf Studte die Predigt besessen und in sein Konfirmationsgesangbuch eingelegt. Es handelt sich übrigens um ein sehr schönes Gesangbuch mit einem in Jugendstilornamenten geprägten Pappeinband; die goldene Inschrift auf dem vorderen Deckel „Befiehl dem Herrn deine Wege“ und der Goldschnitt vervollständigen die Ausstattung.
Eine weitere Beilage verrät, wie das Gesangbuch aus Braunschweig nach Düsseldorf gelangte: Weiterlesen




