Crowdfunding Anno 1896/97: Seesbacher Kollektanten gehen Klinken putzen

Das Presbyterium der evangelischen Pfarrei Weiler-Seesbach sah sich Ende des 19. Jahrhunderts in Nöten: Nach dem Bau der katholischen Kirche in Seesbach 1889 und der gleichzeitigen Aufhebung des seit 1716 bestehenden Simultaneums in der baufälligen, abseits des Ortes gelegenen Semendiskapelle ohne Heizung und Orgel sah man sich veranlasst, ebenfalls ein neues, adäquates Gotteshaus zu errichten. Doch woher die veranschlagte Summe nehmen? Zwar hatte die Witwe Rübenich der Gemeinde ein Baugrundstück in Seesbach geschenkt, an Geldmitteln waren jedoch erst rund 9.000 Mark vorhanden.

aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 121B Merxheim-Weiler

„Die gegenwärtig 300 Seelen zählende a r m e Gemeinde“, klagte Pfarrer Friedrich Wilhelm Bingel, bestehe „zum größten Teile aus Kleinbauern, Tagelöhnern und Waldarbeitern“, und sei somit auf „thatkräftige Unterstützung ihrer Glaubensgenossen“ angewiesen. Es blieb den Mitgliedern des Presbyteriums, unterstützt von weiteren Gemeindeangehörigen, also nichts weiter übrig, als höchstpersönlich Klinken putzen zu gehen. Und um die Erfolgschancen zu mehren, wählte man dafür gleich das gesamte Gebiet der preußischen Rheinprovinz. Nun ist der Einsatz von Kollektanten per se nicht ungewöhnlich, die im Archiv der Kirchengemeinde Merxheim-Weiler erhaltenen 21 Kollektenbüchlein, in denen die Reisen dokumentiert und die Erträge notiert wurden, sind dennoch eine bemerkenswerte und aufschlussreiche Quelle.

Weiterlesen

NS-kritische Satire „Das Rotkäppchen“ fand ihren Weg auch nach Weiler

Im Archiv der Kirchengemeinde Merxheim-Weiler fand sich bei der Verzeichnung des Bestandes unter den von Pfarrer Martin Ernst Heinrich aus der Zeit des „Dritten Reiches“ nachgelassenen Dokumenten ein maschinenschriftlicher Durchschlag der NS-kritischen Satire „Das Rotkäppchen“, die 1937 in den „Münchner Netteste Nachrichten“, Faschingsausgabe der „Münchner Neueste Nachrichten“, erschienen und unter der Hand reichsweit verbreitet worden war. Die Satire erzählt das bekannte Märchen mit nationalsozialistischem Kolorit:

aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 121B Merxheim-Weiler
Weiterlesen

Neues Online-Findbuch: Kirchengemeinde Oberstein

Neu auf der Website des Archivs ist das Online-Findbuch der Kirchengemeinde 4KG 119B Oberstein. Die Herrschaft Oberstein gehörte zur pfälzischen Grafschaft Falkenstein und stand bis 1675 den Grafen von Daun, bis 1766 den Grafen von Leiningen-Heidesheim und bis 1794 den Grafen von Limburg-Styrum zu. Die Siedlung entstand unterhalb der Burgen Bosselstein und Schloss Oberstein, Sitz der beiden Hauptlinien der 1075 erstmals genannten Herren von Stein (Oberstein). An einer Felswand unterhalb von Burg Bosselstein ließ Graf Wirich IV. von Daun zwischen 1482 und 1484 die Felsenkirche errichten. Nach Einführung der Reformation durch Graf Philipp Franz von Daun 1572 ging die Kirche an die evangelische Gemeinde Oberstein über und blieb bis 1964 deren einziges Gotteshaus. Nach Bildung des Fürstentums Birkenfeld 1817 wurden die nun preußischen Ortschaften Breungenborn, Ausweiler, Frauenberg und Hammerstein der Kirchengemeinde Reichenbach zugewiesen, gleichzeitig die vier Abteigemeinden Göttschied, Regulshausen, Gerach und Hintertiefenbach von Georg-Weierbach nach Oberstein umgepfarrt. Hintertiefenbach ging 1842 an die Kirchengemeinde Fischbach; Göttschied wurde zum 1.1.1963 zur eigenständigen Gemeinde erhoben.

Weiterlesen

Zwei Stahlschränke voller Wissen. Die Findmittel der Gemeindearchive

Zwei abschließbare Stahlschränke bewahren im Archiv der Rheinischen Landeskirche das strukturierte Wissen der Gemeindearchive.

Auf unserer Website finden Sie unter Externe Bestände digitalisierte Findmittel bzw. Repertorien einzelner Gemeindearchive der Rheinischen Landeskirche. Zuletzt wurden die Repertorien der Kirchengemeinde Bonn und Rheydt zu den bis dahin zehn durchsuchbaren PDF-Dateien hinzugefügt. Die Auswahl richtet sich nach der historischen Relevanz der Bestände. Warum Sie dort nicht die Findmittel aller Rheinischen Gemeindearchive finden, möchte ich bei dieser Gelegenheit kurz erläutern.

Weiterlesen

Vom Kino zur Kirche: Das Evangelische Gemeindezentrum in Weißenthurm

„Es war einmal ein Gloria-Filmtheater…“ – so begann Superintendent Wilhelm Rott sein Grußwort anlässlich der Einweihung des neuen Evangelischen Gemeindezentrums in Weißenthurm am 2. August 1964. Hintergrund dieser für Außenstehende verwunderlichen Formulierung war der nicht alltägliche Umbau eines Kinos in ein kirchliches Gebäude.

Innenraum der Evangelischen Kirche in Weißenthurm bei ihrer Einweihung 1964, aus Bestand: KG Weißenthurm [extern]

Eigentlich hatte die noch junge, erst 1959 selbständig gewordene evangelische Gemeinde Weißenthurm nur zehn Jahre zuvor bereits ein Gemeindezentrum erbaut. Dies war für das stetig wachsende Kirchenvolk, das Anfang der 1960er Jahre schon mehr als 1.000 Seelen zählte, jedoch mittlerweile zu klein geworden und lag noch dazu am Rand der (damals noch) Ortsgemeinde Weißenthurm in der Pilau. Viele Gemeindemitglieder waren daher der Meinung, dass die Kirche zentraler liegen und in mehrerer Hinsicht „Zum Zentrum“ – so das Motto des Projektes – werden sollte: zum Zentrum des Ortes hin orientiert, zum Zentrum der Kirchengemeinde und nicht zuletzt zum Zentrum des Glaubens.

Erste Evangelische Kirche in Weißenthurm, aus Bestand: KG Weißenthurm [extern]
Weiterlesen

Neues Online-Findbuch: Kirchengemeinde Laubenheim

Evangelische Kirche Laubenheim

Neu auf der Website des Archivs ist das Online-Findbuch der Kirchengemeinde 4KB 104B Laubenheim. Kurfürst Ottheinrich von der Pfalz führte 1577 in den kurpfälzischen Dörfern Laubenheim und Münster an der Nahe die Reformation ein. Die evangelischen Kirchengemeinden beider Orte waren zunächst selbständig, Laubenheim mit der Filiale Dorsheim (später auch Grolsheim), Münster mit der Filiale Sponsheim. Nach dem Tod des Pfarrers Conradi in Münster 1695 besetzte ein Binger Kapuziner dort Kirche und Pfarrhaus und erzwang unter dem Schutz der französischen Besatzung, dass kein evangelischer Pfarrer mehr dorthin berufen wurde, sondern der Laubenheimer Pfarrer Münster mit bedienen musste. Nach dem Übergang von Laubenheim an Preußen 1815 wurde die Verbindung mit dem rheinhessischen Grolsheim gelöst. Zum 1.7.1973 wurde Münster-Sarmsheim als selbständige Kirchengemeinde errichtet, Dorsheim und Laubenheim wurden dieser Gemeinde eingegliedert. Zum 1.1.2020 wurden die Gemeinden Münster-Sarmsheim und Waldalgesheim zur Gemeinde Münster-Sarsheim-Waldalgesheim vereinigt.

Gemeinsame Beschwerde der reformierten und lutherischen Pfarr- und Kirchenältesten zu Laubenheim betreffend die Nichtzahlung des Gotteshellers (2. Mai 1738), aus Bestand: AEKR 4KB 104B Nr. 27

Das allgemeine Schriftgut des Archivs der Kirchengemeinde umfasst einen Zeitraum vom 18. Jahrhundert (u.a. Gravamina ab 1729, Verhältnis zur katholischen Kirche ab 1700) bis in die 1970er Jahre (in Einzelfällen bis 1980). Das Schriftgut der Kirchengemeinde Laubenheim stammt aus der Zeit um 1700 (u.a. Rechnungswesen ab 1678, Pfarrstellenakten ab 1704, Schulwesen ab 1740) bis Ende der 1970er Jahre (in Einzelfällen bis 1990). Interessant ist ein Bestand an Brieftagebüchern aus dem Zeitraum von 1854-1919. Das Schriftgut der Filiale Münster-Sarmsheim reicht ebenfalls bis in das 17. Jahrhundert zurück (u.a. Vermögensverwaltung ab 1661, Rechnungswesen ab 1669, Kollekten ab 1729, Pfarrstellenakten ab 1770, Amtshandlungen ab 1794) und endet 1979. Ein Schwerpunkt liegt auf den Kirchenbauten (1742-83 bzw. 1971-79), außerdem auf dem Rechnungswesen. Auch das Schriftgut der Filiale Dorsheim entstammt zu einem großen Teil dem Rechnungswesen und der Vermögensverwaltung (Laufzeit 1917-1967) mit einem Schwerpunkt auf den Kirchensteuern (1814-1971). Der Bestand wird in der Evangelischen Archivstelle Boppard aufbewahrt.

Die Findbücher der Kirchengemeinden Linz am Rhein und Bad Hönningen sind online

Auf der Website des Archivs sind jetzt die Findbücher der Kirchengemeinden 4KG 114B Linz am Rhein und 4KG 115B Bad Hönningen online verfügbar. Die evangelische Kirchengemeinde Linz wurde 1845 mit Unterstützung des Wiedischen Gustav-Adolf-Vereins gegründet und der Katharinenhof als Betsaal, Pfarrer- und Lehrerwohnung angekauft. Im gleichen Jahr fand der erste evangelische Gottesdienst in Linz statt. 1852 wurde ein eigener Friedhof angelegt, 1854 eine evangelische Volksschule eingerichtet. 1856 schließlich wurde die Kirchengemeinde selbständig. Die Einweihung der Evangelischen Kirche 1865 krönte das zwei Jahrzehnte währende Aufbauwerk. Die Kirchengemeinde Linz umfasste den größten Teil der Bürgermeistereien Linz, Unkel und Leutesdorf.

Einladung zur Einweihung des Betsaals im Katharinenhof 1845 (Ausschnitt) aus Bestand: 4KB 114B
Weiterlesen