Am 6. Mai 1939, heute vor 80 Jahren, trafen sich führende Vertreter der “Deutschen Christen” auf der Wartburg in Eisenach zur Gründungsfeier des “Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben” (die Informationen zu diesem Beitrag entstammen im Wesentlichen dem Artikel bei Wikipedia). Seit 1938 hatte es bei deutschchristlichen Kirchenführern Bestrebungen gegeben, eine „Säuberung“ von Theologie und Kirche von allen jüdischen Bezügen herbeizuführen. Zu diesem Zweck wurde das Institut gegründet, dessen wissenschaftlicher Leiter der Jenaer Professor für Neues Testament, Walter Grundmann, wurde. Es wurden zehn Arbeitskreise eingerichtet; Mitarbeiter aus dem Rheinland waren Bischof Heinrich Oberheid, Superintendent Alfred Thieme (Solingen, 1893-1973, Pfarrer in Solingen-Wald), Pfarrer Karl Dungs (Essen), Pfarrer Heinz Dungs (bis 1937 in Mülheim an der Ruhr, dann Weimar), Pfarrer Heinrich Weinmann (Koblenz-Pfaffendorf, 1898-1977), Professor Wilhelm Schmidt-Japing (Bonn), Professor Rudi Paret (Bonn).
1940 wurde ein “entjudetes” Neues Testament unter dem Titel “Die Botschaft Gottes” herausgegeben, in dem die Bearbeiter die Zitate und Bezüge zum Alten Testament entfernt hatten. Ebenfalls “gesäubert” erschien ein Katechismus mit dem Titel “Deutsche mit Gott.” Als Gesangbuch wurde von dem zuständigen Arbeitskreis “Großer Gott wir loben dich” empfohlen, das die “Nationalkirchliche Einung Deutsche Christen” herausgegeben hatte.
Über diese kirchliche Zielrichtung hinaus war das Institut durch die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen und Organisationen in die nationalsozialistische Politik zur Vernichtung des jüdischen Lebens in Deutschland eingebunden.
Unser Archiv verfügt über einige Quellen zu diesem Institut: Bestand 1OB 002 (Konsistorium der Rheinprovinz) Nr. 2139; 1OB 007 (Provinzialsynodalrat) A VI.2; 8SL 034M (Sammlung Martin Rohkrämer) Nr. 69. Die Bearbeitung des Neuen Testaments unter dem Titel “Die Botschaft Gottes” befindet sich im Bestand der Archivbibliothek unter der Signatur Ab 10 i 001.
Eine wissenschaftliche Arbeit über das Institut hat Oliver Arnold 2010 vorgelegt. Im September 2019 soll eine Sonderausstellung des Eisenacher Lutherhauses über das Institut eröffnet werden.
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Eine frühe Warnung vor Papierzerfall
Über die online gestellten Jahrgänge der Zeitschrift „Das Evangelische Rheinland“ haben wir unlängst berichtet. Im Band 1931, S. 119-121 formulierte Pfarrer Lic. Heinrich Müller „Kirchengeschichtliche Wünsche zur kommenden Verwaltungsordnung“. Hier findet sich folgende Problemanzeige:
„Bei dem heute üblich gewordenen Schreibmaschinenpapier werden große Aktenmassen unserer Archive in einigen Jahrzehnten sich von selbst auflösen. Dies mag bei der heutigen Papierflut kein allzu großer Schade sein. Anders aber ist es bei den wichtigsten Dokumenten, Kirchenregistern und Verhandlungsbüchern. Wir kennen Kirchenbücher aus so schlechtem Papier, daß sie in 100 Jahren völlig zersplittern. Es gibt Niederschriften mit so schlechter Tinte in den Kirchenbüchern, daß schon heute nur mit Mühe noch die Seiten entziffert werden. In einiger Zeit wird es ganz damit zu Ende sein. Beste Urkundentinte, bestes haltbares Papier muß in solchen Fällen erstes Erfordernis sein. Hier dürfen die Gemeinden nicht mit Pfennigen sparen wollen.“
Müller (1880-1970) war Pfarrer in Diersfordt am Niederrhein und Leiter des Provinzialkirchlichen Amtes zur Pflege rheinischer Kirchengeschichte. Er kombinierte daher den Blick des erfahrenen Verwaltungspraktikers mit der Verantwortung für historisch bedeutsames Schriftgut. Die Thematik des industriell hergestellten Holzschliffpapiers, das durch seinen Säuregehalt von innerem Zerfall bedroht ist, rückte dann erst in den 1990er Jahren ins breite Bewusstsein der Öffentlichkeit. Plakativ vermarktet wurde dies u. a. durch Titel wie „Der saure Tod im Bücherregal“. Konkurrierende Industrienormen für sog. alterungsbeständiges Papier machen die archivische Verwaltungsberatung bis in die Gegenwart nicht leichter.
April Challenge #Archive30 – Tag 30: Why Archives?
Eine Antwort gibt die Historikerin Dr. Katharina Kunter in der Zeitschrift „Chrismon“, Ausgabe 12/2018, S. 26-27, in ihrem Beitrag „Trauermarsch und weiße Rosen. Kann man aus der Geschichte lernen? Ja schon, und Traditionen für höchst durchsichtige politische Ziele missbrauchen.“ Online kann man den Artikel hier lesen. Sie führt Beispiele auf, an denen
„ein Muster erkennbar ist, das für autoritäres Denken typisch ist. Die Vergangenheit verschmilzt mit der Gegenwart und schafft einen neuen politischen Sinn. Dadurch verliert jedoch die Geschichte ihre ganz eigene, besondere Prägung. Sie läuft aus der Zeit hinaus, sie wird überzeitlich. Sie wird ein Dogma, ein Mythos oder eine absolute Wahrheit.
Wenn die historische Wirklichkeit aber keine Rolle mehr spielt, kann man alles mit ihr machen – vergleichen, rechtfertigen, vereinnahmen, ausgrenzen, polarisieren oder provozieren. Nur sachlich differenziert und offen gegenüber anderen Meinungen diskutieren, das kann und soll man bei einem solchen Geschichtsmodell nicht mehr.
…
Meine professionelle Aufgabe als Historikerin ist, zu erklären, wie die Welt von heute geschichtlich geworden ist. … Wie ein Detektiv verfolge ich Spuren in die Vergangenheit. … Dazu brauche ich Informationen und Dokumente. Es müssen viele sein, und sie müssen einen systematischen Überblick erlauben. Erst dann kann ich Fakten logisch erklären und ihnen einen Sinn geben.
Über diese Deutung kann diskutiert werden. Zum Beispoiel, wenn neue Fragen oder neue Quellen auftauchen. Und ich kann auch etwas von ihr lernen. …“
Darum Archive!
April Challenge #Archive30 – Tag 29: #unusualitem
April Challenge #Archive30 – Tag 29: #unusualitem, #etwasungewöhnliches, wer hätte gedacht, dass auch Haare archiviert werden können?! Stickerei mit Haarkranz der Madame Guyon du Chesnoy (1648-1717) im geschnitzten #Minnekästchen. https://t.co/unRtZCfQ0B pic.twitter.com/aMHCr0Gxvf
— Tatjana Klein (@ArchivderEKiR) April 29, 2019
April Challenge #Archive30 – Tag 28: Outreach
Das Thema ist „Outreach“ – „Reichweite“, der Begriff auf der deutschsprachigen Themenliste lautet allerdings „Öffentlichkeitsarbeit“. Bezogen auf das Landeskirchliche Archiv könnte man feststellen, das Archiv habe bis zum Jahr 2000 kaum Öffentlichkeitsarbeit, aber doch eine Reichweite gehabt.
April Challenge #Archive30 – Tag 27: Best Tip
Behaupte mal einer, die Philosophie böte keinen praktischen Erkenntnisgewinn für die Bewältigung des Archivalltags! Unübertroffen ist hier Theodor W. Adorno mit seiner Aufforderung: „Wirf weg, damit du gewinnst.“ Ursprünglich als radikale Vernunftkritik gemeint, erleichtert dieser Tipp jede archivische Bewertungsentscheidung. Vorurteilsfrei an alte Zöpfe herangehen: Marie Kondo mit ihrem „Magic Cleaning“ ist da gar nicht so weit entfernt.
Nach Albert Camus wiederum kann das Absurde jeden beliebigen Archivar an jeder beliebigen Magazinecke anspringen (frei übersetzt). Hier hilft nur der zweite Tipp des französischen Autors: „Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“
April Challenge #Archive30 – Tag 26: Object

Geschenktasse der Gemeinde Stolberg für Pfarrer Denhard zum Dank für seinen Verbleib in der Gemeinde, 1791; aus Bestand: AEKR Düsseldorf, 8SL 063 (Sammlung Denhard), Nr. 14
Diese wunderschöne filigrane Porzellantasse erhielt Pfarrer Wilhelm Valentin Denhard von der Gemeinde Stolberg, nachdem er sich entschieden hatte, die Berufung an die Hochdeutsche Gemeinde in Amsterdam nicht anzunehmen und Stolberg treu zu bleiben. Eine Familienlegende besagt, sie sei außerdem mit Golddukaten gefüllt gewesen. Mehr zu diesem Fall von Pfarramts-Poker lesen Sie in diesem älteren Beitrag aus dem Jahr 2015.
