Mitten im Archivalltag: Einblicke in mein Praktikum beim Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland

Im Rahmen meines Vorbereitungsdienstes zur Staatsarchivinspektoranwärterin, den ich im Landesarchiv NRW ableiste, durfte ich ein vierwöchiges Praktikum im Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland absolvieren.

Meine Hauptaufgabe war es, den äußerst spannenden Teilbestand 6HA 057 Landeskirchenrat Jörn-Erik Gutheil zu bearbeiten. Dieser Teilbestand fokussiert sich auf die Arbeit des Forums Flughäfen in NRW. Das Forum wurde im Juli 2000 zur regelmäßigen Erörterung von Fragen im Zusammenhang mit der zwangsweisen Durchsetzung von Ausreiseverpflichtungen eingerichtet. Anlass war die Kritik an den Umständen von Vollzugsmaßnahmen bei Flughafenabschiebungen in NRW. Im Rahmen der intensiven Bearbeitung durfte ich Kassationsvorschläge erarbeiten, die Akten entmetallisieren, umverpacken und in ACTApro verzeichnen. Zum Abschluss habe ich eine dazugehörige Findbucheinleitung verfasst.

Darüber hinaus hatte ich während dieser vier Wochen die Gelegenheit, weitere Arbeitsbereiche des Kirchenarchivs kennenzulernen. Dazu gehörte beispielsweise ein Besuch des Außenmagazins in Moers, das in einer umgebauten Kirche untergebracht ist. Auch Themenbereiche wie Schriftgutverwaltung, Digitalisierung, Genealogie, Fotobewertung sowie die Beratung und Betreuung von Kirchengemeinden und Kirchenkreisen zählten dazu.

Ich konnte innerhalb kürzester Zeit einen fundierten Einblick in die Arbeitsweise eines Kirchenarchivs gewinnen und bedanke mich ganz herzlich bei allen Kolleginnen und Kollegen, die mich sehr freundlich aufgenommen haben und stets ein offenes Ohr für meine Fragen hatten.

Diana Ratke

Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit im Fokus – Der 58. Rheinische Archivtag in Viersen

Der Rheinische Archivtag in der Festhalle Viersen

Der 58. Rheinische Archivtag fand am 26. und 27. Juni 2025 in Viersen statt. Die Veranstaltung stand unter dem Leitthema „Archive – nachhaltig und zukunftsfähig?“ und bot ein vielfältiges Programm zu aktuellen Herausforderungen im Archivwesen. Rund 200 Fachkolleg:innen aus dem Rheinland und darüber hinaus nahmen teil.

Das Team Archiv der EKiR ante portas.

Nach der offiziellen Eröffnung durch Vertreter:innen des LVR und des Kreises Viersen folgte eine Podiumsdiskussion zum Positionspapier „Eine freiheitliche Gesellschaft braucht starke Archive“.
Im Anschluss lag der Fokus auf baulichen Fragen. Besonders die Umnutzung der Kirche St. Paul zum Diözesanarchiv Aachen war ein gelungenes Praxisbeispiel für nachhaltige Archivarchitektur. Weitere Beiträge zeigten, wie sich durch Kooperationen neue Lösungen für Lagerung und Nutzung entwickeln lassen – ein Thema, das in vielen Häusern an Aktualität gewinnt.

Weiterlesen →

Neue Online-Findbücher: Kirchengemeinden Heddesheim, Hennweiler-Oberhausen und Herren-Sulzbach

In den letzten Wochen wurden drei weitere Findbücher von Beständen der Evangelischen Archivstelle Boppard retrokonvertiert und sind auf der Website des Archivs und im Portal „Archive in Nordrhein-Westfalen“ verfügbar:

Das Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Heddesheim umfasst einen Zeitraum von 1652-1973. Der Bestand enthält u.a. frühe Schriftwechsel mit dem reformierten Kirchenrat, Visitationsberichte und Protokolle kirchlicher Gremien. Auch das Verhältnis zu Staat und Kommunen sowie konfessionelle Auseinandersetzungen sind dokumentiert. Interessant ist in diesem Bereich ein Konvolut zum Kirchenkampf der Jahre 1937 und 1938, als DC-Pfarrer Carl Wippermann ohne Zustimmung der Landeskirche einen aus Thüringen stammenden Pfarrverweser auf die vakante Pfarrstelle in Heddesheim berufen wollte. Relativ umfangreich ist die Überlieferung zum Unterrichtswesen. Sie umfasst den Konfirmandenunterricht, Schulaufsicht durch den Pfarrer, Lehrerberufungen und Disziplinarmaßnahmen sowie Schulgebäude und Ausstattung. Das Rechnungswesen enthält Haushaltspläne und Jahresrechnungen der Kirchenkasse und der Elisabeth-Stiftung, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen. Ergänzt wird der Bestand durch Archiv-Fragmente ab 1950, u. a. zur Nachkriegszeit, zu Bauprojekten sowie zur Gemeindearbeit.

Ausschnitt aus einer Rechnung über Einnahmen und Ausgaben der Sulzbacher
Kirchen- und Almosen-Gefälle vom 11. Nivose 8 bis 11. Nivose 9 [1800-1801] durch Pfarrer Friedrich Wilhelm Spener; aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 038B (Herren-Sulzbach), IX

Das Findbuch des Archivs der Evangelischen Kirchengemeinde Hennweiler-Oberhausen umfasst Fragmente mit einer Laufzeit von 1835-1951, die aus dem Archiv des Kirchenkreises Sobernheim übernommenen wurden. Den Schwerpunkt des kleinen Bestandes bilden die Amtsbücher. Für Hennweiler sind Protokollbücher aus der Zeit von 1835 bis 1932 erhalten, die auch Lagerbucheinträge aus den Jahren 1877 bis 1897 umfassen. Für Oberhausen existieren entsprechende Aufzeichnungen aus den Jahren 1881 bis 1885 sowie 1906 bis 1932. Überliefert sind außerdem Lagerbücher für beide Gemeinden aus dem Jahr 1902. Die Finanzjournale bestehen aus Kassenbüchern von Hennweiler aus der Zeit von 1870 bis 1899, Einnahmen- und Ausgabenverzeichnisse beider Gemeinden bis in die 1930er Jahre sowie einem Rechnungsjournal der vereinigten Pfarrei Hennweiler-Oberhausen für die Jahre 1926 bis 1942.

Weiterlesen →

Kennen Sie bereits „Der Frommen Lotterie“?

Bister, Ulrich (Hrsg.): Geistliches Blumen-Gärtlein (Sig. GT 12 64)

Während meiner ersten Arbeitswochen beschäftigte ich mich mit der Arbeit des Pietismus-Forschers Horst Neeb (Bestand 8SL 059). Dabei stieß ich zwangsläufig auf den Namen Gerhard Tersteegen. Jener Tersteegen erlangte vornehmlich durch seine Poesien und Dichtungen überregionale Bekanntheit.[1] Zu den einflussreichsten Beiträgen Tersteegens zählt zweifelsfrei das Werk „Geistliches Blumen-Gärtlein“. Eine Besonderheit des Werkes bildet der letzte Teil, der den Namen „Der Frommen Lotterie“ trägt. In unserem Bestand der Archivbibliothek (I.11, übernommene Bibliothek Brüderverein) finden sich zwei Variationen der Lotterie: Zum einen die klassische Buchform und zum anderen eine Ziehkästchen aus dem Jahre 1791.  

Weiterlesen →

29. Archivwissenschaftliches Kolloquium der Archivschule Marburg

Aus dem Flyer der Archivschule Marburg, abgerufen am 23.05.2025

Künstliche Intelligenz – kaum ein Thema ist derzeit so präsent und gleichzeitig so umstritten. Auch in den Archiven ist das Schlagwort längst angekommen. Beim 29. Archivwissenschaftlichen Kolloquium der Archivschule Marburg wurde es zur zentralen Fragestellung: Wie verändert KI unsere Arbeit, unsere Werkzeuge und unsere Haltung als Archivarinnen und Archivare?

Weiterlesen →

Neuer Kollege im Archiv der EKiR

Wir begrüßen Herrn Marius Höpfner als neuen Mitarbeiter im Düsseldorfer Archivteam.

Herr Höpfner hat Geschichte und Evangelische Theologie an der Ruhr-Universität Bochum studiert und erste archivische Praxis im Konzernarchiv der thyssenkrupp AG erworben. Herr Höpfner unterstützt uns fortan u. a. in den Bereichen Bestandserschließung und Digitalisierung.