Archivarbeit von analog bis digital – verstaubt ist was anderes

FaMI-Auszubildende Laura Bremer bei der Erschließung des Bestandes 8SL 080 (AV-Medien)

Mein Praktikum im Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland:

Während der Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste in der Fachrichtung Archiv steht unter anderem ein Praktikum in einem anderen Archiv auf dem Plan. Da ich bereits im Studium ein Stadtarchiv kennengelernt habe und die Ausbildung im Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland mache, habe ich das Praktikum als Möglichkeit gesehen, eine weitere Archivsparte kennenzulernen. So bin ich zum Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland gekommen.

Praktikum im AEKR

AV-Sammlung des Film Funk und Fernseh Zentrums der Evangelischen Kirche im Rheinland (FFFZ), aus Bestand: AEKR 8SL 080 (AV-Medien)

Bei Archivarbeit denken viele sicherlich zuerst an stapelweise altes Papier und Berge aus Akten, die in einem staubigen Raum liegen – am besten in einem Keller. Doch in einem Archiv kann man viel mehr finden als Papier und übermäßig verstaubt ist es dort auch nicht. Ich durfte mich während meines fünfwöchigen Praktikums gleich mit einer Vielzahl verschiedener Medien beschäftigen. Bei der Verzeichnung einer AV-Sammlung des Film Funk und Fernseh Zentrums der Evangelischen Kirche im Rheinland (FFFZ) habe ich Videokassetten, CDs, Audiokassetten, DVDs, Schallplatten und Tonbänder in der Datenbank des Archivs aufgenommen. Mit teilweise eigenen Produktionen, aber auch vielen Mitschnitten von Gottesdiensten sowie Fernseh- oder Radiosendungen bot diese Sammlung eine abwechslungsreiche Mischung.
In diesem Zusammenhang wurde mir das Thema der Digitalisierung besonders bewusst. Die Aufnahmen und Produktionen liegen alle in ihrer ursprünglichen Medienform vor, doch wie lange können sie so erhalten bleiben? Sicher ist, dass sie nicht für immer abspielbar bleiben werden. Aber muss deswegen jedes einzelne der gut 300 Medien der FFFZ-Sammlung digitalisiert werden? Eine schwierige Frage, bei der vor allem kleine und mittelgroße Archive immer abwägen müssen, ob dieser Schritt wirklich sinnvoll ist oder ob nur einzelne Stücke aufgrund von Nutzeranfragen digitalisiert werden. Es bleibt in dieser Hinsicht sicherlich in allen Archiven noch die kommenden Jahrzehnte sehr spannend.

Viel Spannendes passiert bei der Archivarbeit aber auch schon in der Gegenwart. So durfte ich mit Herrn Dr. Flesch einen Außentermin begleiten. Die Witwe eines Pfarrers hat seinen Nachlass dem Archiv angeboten. Mit genügend leeren Kartons ging es dann mitten in die Kölner Innenstadt, um den Nachlass vor Ort grob zu sichten. Alles, was von Relevanz sein könnte, wurde eingepackt und ins Archiv transportiert. Ich fand es sehr faszinierend, wie lebhaft die Dame während unseres Besuchs über das Leben ihres verstorbenen Mannes erzählt hat und sich dabei an viele Details noch genau erinnern konnte. So haben die vielen Unterlagen sofort Leben eingehaucht bekommen. Weiterlesen →

Hans Lachmann – Ein Fotografenleben

Fotograf Hans Lachmann, 1970; aus Bestand: AEKR 8SL046 (Bildarchiv), 19_001

Das Konterfei dieses rührigen Berichterstatters kennen Sie vielleicht bereits von der Titelseite unseres digitalen Bildarchivs, in dem aktuell knapp 6.000 Fotos kostenfrei abgerufen werden können. Der Fundus wird laufend erweitert. Ein Großteil der Bilder stammt von Hans Lachmann (1920-2006). Da unser Archiv in seinem Fall über die Nutzungs- und Verwertungsrechte verfügt, können wir sie der Öffentlichkeit unter der Creative Commons-Lizenz BY-SA 3.0 DE zur Verfügung stellen.

Wer aber war Hans Lachmann?

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Ordensfund im Bestand einer Kirchengemeinde

Kriegsmedaille

Kriegsdenkmünzen, Fundort Speicher des Gemeindehauses Alterkülz. Bestand: 4KG 024B (Ev. Kirchengemeinde Alterkülz)

Bei den Aufräumarbeiten auf dem Speicher des Gemeindehauses in Alterkülz fanden sich in einem Kasten Kriegsdenkmünzen, die vom Pfarrer als Orden bezeichnet wurden. Offenbar wurden diese Auszeichnungen eine Zeitlang im Pfarrhaus aufbewahrt und, wie die Schreiben zeigen, später die Nachfahren aufgefordert, diese abzuholen. Was aber offenbar nicht immer geschah. Diese Fundstücke werden ebenso wie die noch aufgefundenen Daten in den Bestand 4KG024B Alterkülz eingeordnet.

Weitere Infos zu Kriegsdenkmünzen finden sich in diesem interessanten Beitrag auf Wikipedia: „Kriegsdenkmünze für die Feldzüge 1870–71 (Deutsches Reich)“

Kirche auf dem Irrweg: Gründungsfeier des „Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“ vor 80 Jahren

Am 6. Mai 1939, heute vor 80 Jahren, trafen sich führende Vertreter der “Deutschen Christen” auf der Wartburg in Eisenach zur Gründungsfeier des “Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben” (die Informationen zu diesem Beitrag entstammen im Wesentlichen dem Artikel bei Wikipedia). Seit 1938 hatte es bei deutschchristlichen Kirchenführern Bestrebungen gegeben, eine „Säuberung“ von Theologie und Kirche von allen jüdischen Bezügen herbeizuführen. Zu diesem Zweck wurde das Institut gegründet, dessen wissenschaftlicher Leiter der Jenaer Professor für Neues Testament, Walter Grundmann, wurde. Es wurden zehn Arbeitskreise eingerichtet; Mitarbeiter aus dem Rheinland waren Bischof Heinrich Oberheid, Superintendent Alfred Thieme (Solingen, 1893-1973, Pfarrer in Solingen-Wald), Pfarrer Karl Dungs (Essen), Pfarrer Heinz Dungs (bis 1937 in Mülheim an der Ruhr, dann Weimar), Pfarrer Heinrich Weinmann (Koblenz-Pfaffendorf, 1898-1977), Professor Wilhelm Schmidt-Japing (Bonn), Professor Rudi Paret (Bonn).
1940 wurde ein “entjudetes” Neues Testament unter dem Titel “Die Botschaft Gottes” herausgegeben, in dem die Bearbeiter die Zitate und Bezüge zum Alten Testament entfernt hatten. Ebenfalls “gesäubert” erschien ein Katechismus mit dem Titel “Deutsche mit Gott.” Als Gesangbuch wurde von dem zuständigen Arbeitskreis “Großer Gott wir loben dich” empfohlen, das die “Nationalkirchliche Einung Deutsche Christen” herausgegeben hatte.
Über diese kirchliche Zielrichtung hinaus war das Institut durch die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen und Organisationen in die nationalsozialistische Politik zur Vernichtung des jüdischen Lebens in Deutschland eingebunden.
Unser Archiv verfügt über einige Quellen zu diesem Institut: Bestand 1OB 002 (Konsistorium der Rheinprovinz) Nr. 2139; 1OB 007 (Provinzialsynodalrat) A VI.2; 8SL 034M (Sammlung Martin Rohkrämer) Nr. 69. Die Bearbeitung des Neuen Testaments unter dem Titel “Die Botschaft Gottes” befindet sich im Bestand der Archivbibliothek unter der Signatur Ab 10 i 001.
Eine wissenschaftliche Arbeit über das Institut hat Oliver Arnold 2010 vorgelegt. Im September 2019 soll eine Sonderausstellung des Eisenacher Lutherhauses über das Institut eröffnet werden.

April Challenge #Archive30 – Tag 28: Outreach

Analoge Öffentlichkeitsarbeit des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland

Das Thema ist „Outreach“ – „Reichweite“, der Begriff auf der deutschsprachigen Themenliste lautet allerdings „Öffentlichkeitsarbeit“. Bezogen auf das Landeskirchliche Archiv könnte man feststellen, das Archiv habe bis zum Jahr 2000 kaum Öffentlichkeitsarbeit, aber doch eine Reichweite gehabt.

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April Challenge #Archive30 – Tag 26: Object

Porzellantasse als Geschenk für Pfarrer Denhard

Geschenktasse der Gemeinde Stolberg für Pfarrer Denhard zum Dank für seinen Verbleib in der Gemeinde, 1791; aus Bestand: AEKR Düsseldorf, 8SL 063 (Sammlung Denhard), Nr. 14

Diese wunderschöne filigrane Porzellantasse erhielt Pfarrer Wilhelm Valentin Denhard von der Gemeinde Stolberg, nachdem er sich entschieden hatte, die Berufung an die Hochdeutsche Gemeinde in Amsterdam nicht anzunehmen und Stolberg treu zu bleiben. Eine Familienlegende besagt, sie sei außerdem mit Golddukaten gefüllt gewesen. Mehr zu diesem Fall von Pfarramts-Poker lesen Sie in diesem älteren Beitrag aus dem Jahr 2015.

April Challenge #Archive30 – Tag 25: Fashion

Ein absolutes Must-have beim Deutschen Evangelischen Kirchentag: der bunte Kirchentagsschal!

33. Deutscher Evangelischer Kirchentag in Dresden, 2011

Eine Auswahl der bunten Accesoires findet sich in der Dokumentationssammlung, die zusammen mit dem Aktenbestand des Landesauschusses Rheinland (1OB 031) an das Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland abgegeben wurde.

Die modischen Anwendungs-möglichkeiten sind riesig. Schlicht um den Hals geschwungen, ums Handgelenk geknotet oder als Gürtelersatz… Im Jahr 2011 in Dresden – ein ziemlich warmes Jahr – war besonders der Einsatz als Haarband angesagt. In diesem Jahr gab es den Schal sogar in zwei Varianten, pink und neongrün. Pink war allerdings schon am ersten Tag vergriffen.

Deutscher Evangelischer Kirchentag

Bunte Kirchentagsschals, aus Bestand: AEKR 1OB 031 (Landesausschuss Rheinland des Deutschen Evangelischen Kirchentags)