In den letzten Monaten haben wir wieder eine ganze Reihe neuer Findbücher im Archivportal NRW online gestellt. Damit wächst unser digitales Angebot stetig weiter – und das Recherchieren im Archiv wird immer einfacher und ergiebiger.
Gerade unser Online-Archiv bietet viele praktische Funktionen: Recherchen sind archivübergreifend möglich, man kann sich Trefferlisten individuell zusammenstellen oder gezielt in bestimmten Beständen suchen. Es lohnt sich also, regelmäßig reinzuschauen und so einen Besuch in unserem Archiv optimal vorzubereiten. Auch für uns Archivare stellt das Portal eine Arbeitserleichterung dar, wenn Nutzende im Vorfeld schon wissen, welche Bestände für sie von Interesse sind. Auch in Zukunft ist mit weiteren Optimierungen in der Handhabung und im Hinblick auf die Nutzerfreundlichkeit der Plattform zu rechnen.
Unterstützend hat das Landesarchiv NRW wirklich hilfreiche Erklärvideos bei YouTube eingestellt, die dem Nutzenden das Portal erklären und einem das Suchen nach Quellen vereinfachen.
YouTube Kanal des NRW Landesarchivs, abgerufen am 14.08.2025
Für die überregionale Suche empfehlen wir außerdem das Archivportal-D, das Recherchen in Archiven aus dem gesamten Bundesgebiet ermöglicht.
Wir freuen uns über alle, die unser digitales Angebot in Anspruch nehmen und stehen bei Fragen gerne zur Verfügung!
In den Handakten des vormaligen Verwaltungsdirektors Gerhard Gooßes finden sich zwei umfängliche Aktenordner mit den versammelten Programme aller Gemeinschaftsveranstaltungen des Landeskirchenamtes seit der Nachkriegszeit. Einige dieser Events seien hier schlaglichtartig vorgestellt.
Erstaunlich, zumindest von ihrem quantitativen Umfang, ist die Gelegenheitslyrik, die anlässlich von runden Dienstjubiläen oder Verabschiedungen vorgetragen wurde. So sei aus dem 18-seitigen (sic!) Epos zum 25-jährigen Dienstjubiläum von Oberkirchenrat Helmut Rößler im Jahr 1953 nur die kleine Passage zitiert, die sich mit seiner selbst für Archivare schwer lesbaren Handschrift beschäftigt:
„Mit den Männern der BK/ er die KL gegründet hat;/ nun ist er Oberkirchenrat/ und hat zu tun an allen Ecken,/ ich möcht´ in seiner Haut nicht stecken./ Der Aktenbock schwillt täglich an,/ er ist ein vielgeplagter Mann./ Und was besonders schlimm dabei:/ dass seine fleiß´ge Schreiberei/ man oftmals nicht entziffern kann,/ die andern müssen raten dann./ Und manches Mal Verdruß entsteht,/ wenn´s Raten mal daneben geht./ Doch wenn dann sein Gesang ertönt,/ ist aller wieder ausgesöhnt/ ´ne schlechte Schrift ist halb so schlimm,/ hat man dabei ´ne gute Stimm./ Drum bitten wir ihn jetzt im Chor:/ Sing, Bruder Rößler, uns was vor!“
Ende der 1960er Jahre wurden die Hausfeiern vom klassischen Betriebsausflug abgelöst. So ging es 1976 für einen anstrengenden langen Tag in die aus Düsseldorfer Sicht bereits exotische Gegend an Nahe und Glan:
Programm des Mitarbeiterausfluges nach Meisenheim vom 01.07.1976. Aus Bestand AEKR 6HA 067(Verwaltungsdirektor Gerhard Gooßes).
Mit PSG ist das Paul-Schneider-Gymnasium in Meisenheim gemeint, das sich bis heute in Trägerschaft der Rheinischen Kirche befindet. Mutig von den damaligen Dezernenten im LKA (und sicherlich nicht von unbeträchtlichem Unterhaltungswert) war es, sich im Hallenfußball mit den Lehrern des PSG zu messen.
Zeittypisch sind die bei den Ausflügen jeweils alternativlos angebotenen Menufolgen: 1982 ging es in den Hunsrück, wobei eine Gruppe stationär in Boppard blieb, eine weitere Gruppe sehenswerte Kirchen der Gegend besichtigte und die dritte Gruppe im Soonwald wanderte. Man musste freilich schon sehr viel wandern, um zunächst die mittags angebotene Speck-Grießsuppe mit Spießbraten und hausgemachtem Kartoffelsalat zu bewältigen, ehe einen das Abendessen mit der Hunsrücker Schlachtplatte (Wellfleisch, Blutwurst, Leberknödel, kleine Brühwurst und Sauerkraut) endgültig komatös in den Bussessel zur Heimfahrt beförderte. Vergleichsweise stellt da das 1983 im Ratskeller von Aachen angebotene Schnitzel Lugano schon fast Schonkost dar.
Last but not least gab es immer schon die persönlichen Geburtstagsfeiern von Mitarbeitenden, für die das Landeskirchenamt bereits 1961 gewisse regulative Vorgaben machte:
Weisung des Landeskirchenamtes der Evangelischen Kirche im Rheinland betreffend Persönliche Feiern in den Diensträumen des Landeskirchenamtes. Aus Bestand AEKR 6HA 067(Verwaltungsdirektor Gerhard Gooßes).
Die Westerwaldgemeinde Rengsdorf war bereits im 19. Jahrhundert ein beliebtes Ziel für Sommerfrischler. Dank ihres gesunden Klimas und der reizvollen Umgebung entwickelte sie sich rasch zu einem anerkannten Luftkurort. Einer der prominentesten Gäste war der Düsseldorfer Unternehmer Fritz Henkel, der Rengsdorf schließlich gar als Altersruhesitz auserkor. 1912 ließ er sich eine repräsentative Villa mit weitläufigem Park errichten. Aufgrund seiner gütigen und natürlichen Art wurde er von den Einheimischen bald liebevoll „Unser alter Herr“ genannt und galt als freigiebiger Gönner und Wohltäter der Gemeinde.
Festzug anlässlich der Einweihung des Jugendheims am 7. Dezember 1928; aus Bestand: AEKR Boppard 4KB 146 B (Rengsdorf), Nr. 198
Zu den bedeutendsten Stiftungen Henkels zählte das idyllisch gelegene Licht-, Luft- und Schwimmbad im Völkerwiesenbachtal, dessen Bau er maßgeblich finanzierte. Im Jahr 1928 folgte als weitere großzügige Zuwendung die Errichtung eines Jugendheims, das ursprünglich der politischen Gemeinde Rengsdorf zugedacht war. Diese jedoch lehnte das Angebot ab, da sie sich vor eventuell anfallenden hohen Folgekosten scheute. Die Evangelische Kirchengemeinde hingegen nahm das Geschenk dankend an. Für rund 130.000 Mark entstand ein umfassend und modern ausgestattetes Gebäude mit Mobiliar, Gartenanlage, Kinderspielplatz und Turngeräten.
Unter den Teilnehmern des Festzugs Generalsuperintendent Ernst Stoltenhoff, Fritz Henkel, Pfarrer August Knappmann und Präses Walther Wolff; aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 146B (Rengsdorf), Nr. 198
Am 7. Dezember 1928 konnte das „Fritz Henkel-Jugendheim“ feierlich eingeweiht werden. Unter den Gästen fanden sich neben dem Stifter selbst auch Fürst Friedrich zu Wied sowie führende Vertreter der rheinischen evangelischen Kirche, darunter Generalsuperintendent Ernst Stoltenhoff und der Präses der Rheinischen Provinzialsynode Walther Wolff. Ortspfarrer Superintendent August Knappmann hatte ein eindrucksvolles Festprogramm zusammengestellt. Bereits am Vorabend wurde das Ereignis durch Glockenläuten und Choralblasen vom Kirchturm angekündigt. Am 7. Dezember folgte ein Festgottesdienst mit Predigt des Generalsuperintendenten.
Der im Jahre 2004 verstorbene Pietismusforscher Horst Neeb widmete sich in seinem Ruhestand der pietistischen Forschung und leistete hierbei herausragende Beiträge, die bis in die Gegenwart von Relevanz zeugen. Anlässlich des 100jährigen Jubiläums seiner Gemeinde, der Freien evangelischen Gemeinde Haan/Rheinland, verfasste Neeb einen Artikel über die Historie, der in der Festschrift der Gemeinde veröffentlicht worden ist. Hierbei recherchierte Neeb, dass die Gemeinde durch den engeren Freundeskreis des bedeutenden Pietisten Gerhard Tersteegen begründet wurde. Durch diese Erkenntnis entfacht, machte Horst Neeb die noch erhaltenen Tersteegen-Briefe ausfindig und widmete sich fortan der historischen Forschung.
Im Rahmen meines Vorbereitungsdienstes zur Staatsarchivinspektoranwärterin, den ich im Landesarchiv NRW ableiste, durfte ich ein vierwöchiges Praktikum im Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland absolvieren.
Meine Hauptaufgabe war es, den äußerst spannenden Teilbestand 6HA 057 Landeskirchenrat Jörn-Erik Gutheil zu bearbeiten. Dieser Teilbestand fokussiert sich auf die Arbeit des Forums Flughäfen in NRW. Das Forum wurde im Juli 2000 zur regelmäßigen Erörterung von Fragen im Zusammenhang mit der zwangsweisen Durchsetzung von Ausreiseverpflichtungen eingerichtet. Anlass war die Kritik an den Umständen von Vollzugsmaßnahmen bei Flughafenabschiebungen in NRW. Im Rahmen der intensiven Bearbeitung durfte ich Kassationsvorschläge erarbeiten, die Akten entmetallisieren, umverpacken und in ACTApro verzeichnen. Zum Abschluss habe ich eine dazugehörige Findbucheinleitung verfasst.
Darüber hinaus hatte ich während dieser vier Wochen die Gelegenheit, weitere Arbeitsbereiche des Kirchenarchivs kennenzulernen. Dazu gehörte beispielsweise ein Besuch des Außenmagazins in Moers, das in einer umgebauten Kirche untergebracht ist. Auch Themenbereiche wie Schriftgutverwaltung, Digitalisierung, Genealogie, Fotobewertung sowie die Beratung und Betreuung von Kirchengemeinden und Kirchenkreisen zählten dazu.
Ich konnte innerhalb kürzester Zeit einen fundierten Einblick in die Arbeitsweise eines Kirchenarchivs gewinnen und bedanke mich ganz herzlich bei allen Kolleginnen und Kollegen, die mich sehr freundlich aufgenommen haben und stets ein offenes Ohr für meine Fragen hatten.
Das Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Heddesheim umfasst einen Zeitraum von 1652-1973. Der Bestand enthält u.a. frühe Schriftwechsel mit dem reformierten Kirchenrat, Visitationsberichte und Protokolle kirchlicher Gremien. Auch das Verhältnis zu Staat und Kommunen sowie konfessionelle Auseinandersetzungen sind dokumentiert. Interessant ist in diesem Bereich ein Konvolut zum Kirchenkampf der Jahre 1937 und 1938, als DC-Pfarrer Carl Wippermann ohne Zustimmung der Landeskirche einen aus Thüringen stammenden Pfarrverweser auf die vakante Pfarrstelle in Heddesheim berufen wollte. Relativ umfangreich ist die Überlieferung zum Unterrichtswesen. Sie umfasst den Konfirmandenunterricht, Schulaufsicht durch den Pfarrer, Lehrerberufungen und Disziplinarmaßnahmen sowie Schulgebäude und Ausstattung. Das Rechnungswesen enthält Haushaltspläne und Jahresrechnungen der Kirchenkasse und der Elisabeth-Stiftung, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen. Ergänzt wird der Bestand durch Archiv-Fragmente ab 1950, u. a. zur Nachkriegszeit, zu Bauprojekten sowie zur Gemeindearbeit.
Ausschnitt aus einer Rechnung über Einnahmen und Ausgaben der Sulzbacher Kirchen- und Almosen-Gefälle vom 11. Nivose 8 bis 11. Nivose 9 [1800-1801] durch Pfarrer Friedrich Wilhelm Spener; aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 038B (Herren-Sulzbach), IX
Das Findbuch des Archivs der Evangelischen Kirchengemeinde Hennweiler-Oberhausen umfasst Fragmente mit einer Laufzeit von 1835-1951, die aus dem Archiv des Kirchenkreises Sobernheim übernommenen wurden. Den Schwerpunkt des kleinen Bestandes bilden die Amtsbücher. Für Hennweiler sind Protokollbücher aus der Zeit von 1835 bis 1932 erhalten, die auch Lagerbucheinträge aus den Jahren 1877 bis 1897 umfassen. Für Oberhausen existieren entsprechende Aufzeichnungen aus den Jahren 1881 bis 1885 sowie 1906 bis 1932. Überliefert sind außerdem Lagerbücher für beide Gemeinden aus dem Jahr 1902. Die Finanzjournale bestehen aus Kassenbüchern von Hennweiler aus der Zeit von 1870 bis 1899, Einnahmen- und Ausgabenverzeichnisse beider Gemeinden bis in die 1930er Jahre sowie einem Rechnungsjournal der vereinigten Pfarrei Hennweiler-Oberhausen für die Jahre 1926 bis 1942.
am 19. Mai sind bei einem Brand in der Versorgungszentrale des Florence-Nightingale-Krankenhauses in Düsseldorf-Kaiserswerth auch erhebliche Teile der Archivbestände der Fliedner-Kulturstiftung zerstört oder schwer beschädigt worden.
Zur Finanzierung der dringend erforderlichen und bereits eingeleiteten Restaurierungsmaßnahmen bittet die Kulturstiftung um Spenden auf das dafür eingerichtete Konto.
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