Vom kirchlichen zum weltlichen Gemeindehaus: Das ehemalige „Fritz-Henkel-Jugendheim“ in Rengsdorf

Die Westerwaldgemeinde Rengsdorf war bereits im 19. Jahrhundert ein beliebtes Ziel für Sommerfrischler. Dank ihres gesunden Klimas und der reizvollen Umgebung entwickelte sie sich rasch zu einem anerkannten Luftkurort. Einer der prominentesten Gäste war der Düsseldorfer Unternehmer Fritz Henkel, der Rengsdorf schließlich gar als Altersruhesitz auserkor. 1912 ließ er sich eine repräsentative Villa mit weitläufigem Park errichten. Aufgrund seiner gütigen und natürlichen Art wurde er von den Einheimischen bald liebevoll „Unser alter Herr“ genannt und galt als freigiebiger Gönner und Wohltäter der Gemeinde.

Festzug anlässlich der Einweihung des Jugendheims am 7. Dezember 1928; aus Bestand: AEKR Boppard 4KB 146 B (Rengsdorf), Nr. 198

Zu den bedeutendsten Stiftungen Henkels zählte das idyllisch gelegene Licht-, Luft- und Schwimmbad im Völkerwiesenbachtal, dessen Bau er maßgeblich finanzierte. Im Jahr 1928 folgte als weitere großzügige Zuwendung die Errichtung eines Jugendheims, das ursprünglich der politischen Gemeinde Rengsdorf zugedacht war. Diese jedoch lehnte das Angebot ab, da sie sich vor eventuell anfallenden hohen Folgekosten scheute. Die Evangelische Kirchengemeinde hingegen nahm das Geschenk dankend an. Für rund 130.000 Mark entstand ein umfassend und modern ausgestattetes Gebäude mit Mobiliar, Gartenanlage, Kinderspielplatz und Turngeräten.

Am 7. Dezember 1928 konnte das „Fritz Henkel-Jugendheim“ feierlich eingeweiht werden. Unter den Gästen fanden sich neben dem Stifter selbst auch Fürst Friedrich zu Wied sowie führende Vertreter der rheinischen evangelischen Kirche, darunter Generalsuperintendent Ernst Stoltenhoff und der Präses der Rheinischen Provinzialsynode Walther Wolff. Ortspfarrer Superintendent August Knappmann hatte ein eindrucksvolles Festprogramm zusammengestellt. Bereits am Vorabend wurde das Ereignis durch Glockenläuten und Choralblasen vom Kirchturm angekündigt. Am 7. Dezember folgte ein Festgottesdienst mit Predigt des Generalsuperintendenten.

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