Gestern war Erntedank – ein Fest, das aus Dankbarkeit für die Gaben der Natur zur Zeit der Ernte gefeiert wird. Erntedankfeste, Umzüge und Jahrmärkte finden statt, um sich für die erfolgreiche Ernte zu bedanken und um die Freude über das ertragreiche Jahr zum Ausdruck zu bringen. Christinnen und Christen erinnern an den engen Zusammenhang von Mensch und Natur und danken Gott für die Ernte. Traditionell werden in den Kirchengemeinden die Altäre zum Abschluss der Ernte mit Feldfrüchten festlich geschmückt.
Aber wie verhält es sich mit der Dankbarkeit, wenn man in einer Zeit des Krieges lebt? Bilder des friedlichen Teilens werden verdrängt durch „ganz andere Bilder, die uns in der Wirklichkeit vor Augen treten“. So beschreibt es Heinrich Held, Pfarrer in Essen-Rüttenscheidt, und stellt in seiner Erntedankfest-Predigt am 4. Oktober 1942 folgende Fragen:
Ist es nicht so, dass die Erde vielmehr ein brutaler Kampfplatz ist, ein Kampfplatz, wo eins gegen das andere sich erhebt und eins das andere mit allen Mitteln grausamen Daseinskamfes zu verdrängen sucht? Ist das wirklich so, dass Gott mit vollen Händen die Güter dieser Erde einem jeden zuteilt nach Mass? Ist es nicht vielmehr so, dass der eine viel hat und der andere wenig, und dass gerade diese verschiedene Verteilung der Güter der Erde die Völker immer wieder antreibt, einander die Beutestücke aus den Fäusten zu reissen?
Der spätere erste Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland Held, der in der Zeit des Nationalsozialismus zahlreichen Repressalien ausgesetzt war und seit 1938 einem reichsweiten Redeverbot unterlag, durfte nur noch in seiner Heimatgemeinde predigen. Im Nachlass ist seine umfangreiche Predigten-Sammlung (1920-1957) überliefert.
In dieser hier vorgestellten Predigt, die mit Schreibmaschine auf vier DIN A4 Seiten rotem Durchschlagpapier geschrieben ist, macht Held deutlich:
Aber auch, wenn andere Zeiten da sind, böse Zeiten, Krieg und Kriegsgeschrei, Teuerungen und Hungersnot, auch dann kann das Danken nicht aufhören, denn er (Gott) ist gerecht in allen seinen Wegen und heilig.
Und weiter im Text heißt es:
Es gibt (…) keine Nationalgötter, weder einen jüdischen noch einen arischen Gott. Sondern Gott ist der Herr über a l l e Völker.
Die vollständige Predigt nachzulesen hier:


