Über unser 2017 bezogenes Außenmagazin in der ehemaligen Johanneskirche in Moers-Meerbeck haben wir im Blog bereits mehrfach aus archivfachlicher Sicht berichtet. Heute vor 60 Jahren, am Erntedankfest 1964, wurde diese Kirche feierlich eingeweiht. Ihre Planungsgeschichte illustriert exemplarisch die Expansionsphase der beiden westdeutschen Volkskirchen in den 1950er und 1960er Jahren, die vor allem demografisch bedingt war und sich nicht zuletzt im Bau zahlreicher neuer Kirchen und Gemeindehäuser widerspiegelte. Im 21. Jahrhundert bescheren deren erforderlicher Rückbau, Aufgabe, Verkauf oder auch Transformation den kirchlichen Leitungsgremien aller Ebenen dicht gedrängte Tagesordnungen.

In die alte Bergarbeiterkolonie Meerbeck zogen nach 1945 zahlreiche heimatvertriebene Schlesier. Sie bildeten bald 60 % der Gesamtbevölkerung und waren überwiegend evangelisch. Für die nunmehr rund 6.000 Gemeindeglieder wurde 1952 eine eigene Kirchengemeinde Meerbeck gegründet. Mit massiver finanzieller Unterstützung des Bergbaus, konkret der Rheinpreußen AG, ging man zunächst an die Errichtung eines Gemeinde- und Pfarrhauses, eines Jugendheimes und eines Kindergartens. Ein eigener Kirchenbau sollte zeitnah folgen.
Im Kostendeckungsplan von 1962 wird deutlich, wie stark der auf ca. 900.000 DM kalkulierte Neubau auf externe Geldgeber angewiesen war. Die Eigenmittel der Kirchengemeinde betrugen weniger als 10 %. Größte direkte Zuschussgeber waren die Landeskirche und das Land Nordrhein-Westfalen, einen weiteren zentralen Posten bildete ein Darlehen aus Kohleabgabemitteln.
In seinem Grußwort lässt der Moerser Superintendent Wilhelm Pabst bereits leise Bedenken anklingen, ob die neue große Kirche wirklich auf Dauer trägt: „Möge die Gemeinde Meerbeck den tapferen (sic!) Entschluss ihres Presbyteriums zum Bau der Johannes-Kirche mit viel Treue und mit viel Anhänglichkeit zum neuen Gotteshaus bestätigen.“
Über die Einweihung der Johanneskirche und die von Oberkirchenrat Johannes Schlingensiepen gehaltene Festpredigt erschien in der Kirchenzeitung DER WEG ein ausführlicher -und nicht unkritischer- Bericht:

Der separat errichtete Glockenturm führt jedenfalls heute zu einem Alleinstellungsmerkmal des Archivs der EKiR; jedenfalls ist mir kein weiterer Archivbau in Deutschland bekannt, der über ein solches Accessoire verfügt.