Amtsbücher aus dem EKiR-Sprengel online

Verschiedene Amtsbücher aus dem EKiR-Sprengel

Im Archiv der EKiR werden zahlreiche Amtsbücher der rheinischen Kirchenkreise oder Kirchengemeinden verwahrt. Einige davon wurden nun digitalisiert. Bei der Auswahl wurde der Fokus dabei vor allem auf diejenigen Exemplare gelegt, die bisher nicht als edierte Ausgaben veröffentlicht wurden. Unter „Amtsbücher des 16.-18. Jahrhunderts“ können sowohl die Digitalisate der Amtsbücher der zwei Kirchenkreise Kreuznach und Moers heruntergeladen werden, als auch die der Kirchengemeinden Aachen, Düsseldorf, Moers, Krefeld, Kleve, Goch, Stolberg, Essen-Altstadt, Haan und Urdenbach.

Bei den online gestellten Amtsbüchern handelt es sich hauptsächlich um Protokollbücher der reformierten oder lutherischen Gemeinden. In den Niederschriften selber ist in der Regel von den Verhandlungen „des Consistorii“ die Rede. Damit ist mitnichten eine Oberbehörde gemeint, wie man es aus der preußischen kirchlichen Verwaltungssprache her kennt, sondern die Gemeindeleitung. Im Rheinland wird diese als Presbyterium bezeichnet. Das aus dem Griechischen stammende „Presbyter“ heißt „Älterer“ und so wird auch in den Protokollen immer wieder von den „Ältesten“ oder „ältesten Vorstehern“ gesprochen.

Unter einem Amtsbuch fasst man allgemein die Aufzeichnungen einer amtlichen Behörde oder Stelle über verwaltende Tätigkeiten oder geschäftliche Vorgänge zusammen. Einen sehr interessanten und empfehlenswerten Beitrag zu dieser Quellengattung findet man bei LEO-BW, dem landeskundlichen Informationssystem für Baden-Württemberg. Den Link gibt es hier.

So geben auch die Amts- bzw. die Protokollbücher der rheinischen Kirchengemeinden Auskunft über alle das Gemeindeleben, ob in der Stadt oder auf dem Land, betreffenden Entscheidungen, Beschlussfassungen oder Entwicklungen. Man fand sich grundsätzlich monatlich zu der „gewöhnlichen Versammlung“ ein. Bei Bedarf lud man auch zu einer „außerordentlichen Versammlung“. In den Protokollen finden sich immer wiederkehrende Themen, wie etwa die finanziellen Angelegenheiten der Gemeinde, Stellenbesetzungen, Seelsorge oder die Armenpflege. Darüber hinaus spiegeln sie aber alle Aspekte des alltäglichen Lebens der damaligen Menschen wider.

4KG 005 Düsseldorf Nr.56 – Protokollbuch der luth. Gemeinde 1796 S. 322

Ein Beispiel: In einer gewöhnlichen Versammlung am 8. August 1796 beschloss das Konsistorium: „Daß, da die Witwe Grünewald, geb. Frambach d 9ten Juny a.c. plötzlich gestorben, deren einziger Sohn sich aber dermalen in der Fremde befindet, ohne daß man den Ort seines Aufenthalts wisse, bey voriger Versam̅lung des Consistorii beschlossen worden, die ganze Nachlassenschaft an die Meistbietenden öffentlich zu versteigern, davon die aufgegangenen Kosten für die Beerdigung und Versteigerung zu bezahlen und das überschiessende für den Sohn aufzubewahren“ (siehe rechts).

Neben solchen eher banal scheinenden Einträgen finden sich aber auch pikantere Vermerke wie Trinksucht, Feierwütigkeiten, sonstige Liederlichkeiten oder Streitigkeiten unter den Gemeindemitgliedern. Diese wurden ebenso behandelt wie ernste Themen wie Selbstmord oder Ehebruch.

Die Protokollbücher bilden einen wichtigen Quellensatz, der leider noch in keiner edierten und annotierten Form vorliegt. Nichtsdestotrotz sollen sie für alle Forschenden und Interessierten zur Verfügung gestellt werden. Vielleicht ist ja auch jemand dabei, der Freude an der Transkription von Protokollbüchern rheinischer Gemeinden hat? Wir vom Archiv würden uns freuen. Spread the Word.

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