„Die Bahnverbindungen sind nicht günstig“. Die Landessynode tagte 1950 in Velbert unter schwierigen Bedingungen

Bis zum 11. Januar 2019  tagte in Bad Neuenahr die 71. ordentliche Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die Plenarsitzungen fanden im Dorint Parkhotel statt, dort und in anderen Hotels waren die Mitglieder der Synode auch untergebracht. Die Anreise erfolgte im eigenen PKW oder mit dem im Takt verkehrenden Zug.

Unter ganz anderen Bedingungen kam die 2. ordentliche Tagung der Landessynode vom 12. bis 18. November 1950 in Velbert, südlich von Essen gelegen, zusammen. In dieser Stadt hatten auch die letzte Provinzialsynode 1946 und die erste Landessynde der EKiR 1948 stattgefunden. Tagungsort war – wie in den Vorjahren – der große Saal des Bürgerhauses. Dieses Gebäude aus dem Jahr 1910 hatte den Zweiten Weltkrieg ohne Schäden überstanden.

Quelle: Velbert Wiki (CC-BY), Das Bürgerhaus Velbert, früher auch „Bürger-Vereinshaus“ genannt, ist ein 1910 eröffnetes Gebäude in Velbert Mitte. Es steht unter Denkmalschutz.

Einladung zur Landessynode 1950 in Velbert, Seite 1;
aus Bestand: 1OB 017I, Nr. 4679

Uns liegt das Einladungsschreiben des Präses vom 25. Okober 1950 mit Hinweisen zur Unterbringung und Verpflegung der Mitglieder vor, ein weiteres Blatt enthält die Verbindungen zur Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Bestand 1OB 017 I Signatur 4679). Nach den Angaben zum Termin der Vorbesprechung im Bürgerhaussaal um 17 Uhr und dem Eröffnungsgottesdienst um 19.30 in der Christuskirche Velbert folgen die für die Mitglieder wichtigen Angaben zur Unterbringung. Informationen darüber erteilte das „Quartieramt“ in der Eingangshalle des Bürgerhauses. Die Quartiere seien infolge der Einweisung vieler Flüchtlinge nach Velbert gegenüber 1948 knapp geworden. Einige Synodale hätten im Vorfeld der Synode mitgeteilt, daß sie mit dem eigenen Wagen kommen und abends nach Hause fahren. Wenn man sich die geringe Verbreitung eines eigenen PKW und das Fehlen von Schnellstraßen zur damaligen Zeit vorstellt, dürfte es sich eigentlich nur um Mitglieder aus dem näheren Umfeld von Velbert gehandelt haben.

Die drei Mahlzeiten täglich wurden „gemeinsam in den Speiseräumen des Bürgerhauses eingenommen.“ Dafür wurden Gutscheine ausgegeben, „unbenutzte Gutscheine sind dem Büro zurückzugeben.“ Den heute verbreiteten „Stehkaffee“ gab es vermutlich noch nicht. Schreibmaterial wurde nicht gestellt, dieses sollte neben Bibel, Gesangbuch und Kirchenordnung mitgebracht werden.

Interessant ist das Beiblatt „Verbindungen nach Velbert.“ Velbert liegt abseits aller Hauptlinien der Eisenbahn und „ist Bahnstation an der Strecke Vohwinkel – Kettwig.“ Das Blatt informiert: „Die Bahnverbindungen sind nicht günstig.“ Ich besitze privat das Kursbuch Nordwestdeutschland 1949/50 der Deutschen Bundesbahn; dieses war zwar im Herbst 1950 nicht mehr gültig, man erhält aber einen guten Eindruck über die Verbindungen nach Velbert. So hätten Mitglieder zur Anreise zur Vorbesprechung um 17 Uhr bereits um 12.56 Uhr den Zug in Wuppertal-Vohwinkel erreichen müssen, der um 13.30 Uhr in Velbert eintraf. Wir können davon ausgehen, dass man aus den südlichen Bereichen der rheinischen Landeskirche (Saarland, Hunsrück) Probleme gehabt haben dürfte, diesen Zug zu erreichen.

© Klaus-Bernd Lange, www.bahnen-wuppertal.de

Es gab aber Alternativen, denn im Folgenden weist das Blatt auf die Straßenbahnverbindung zwischen Wuppertal-Elberfeld (hier hielten immerhin D-Züge) „ab Haltestelle Döppersberg (Nähe Hbf.) bzw. Rathaus mit 1/2stündlichem Verkehr“ oder mit Umsteigen in Neviges (alle 15 Minuten; „sofort Anschluß“) hin. Die günstigsten Verbindungen seien jedoch die Autobus-Linien ab Düsseldorf mit stündlichen Verbindungen der Rheinbahn, ergänzt durch verschiedene Fahrten der Post-Autobusse. Es wird allerdings deren Fahrzeit nicht angegeben. Die Informationen enden mit einem Hinweis auf den Autobus-Schnellverkehr von Wuppertal-Elberfeld nach Velbert alle eineinhalb Stunden mit einer Fahrzeit von etwa 40 Minuten.

Wie die Mitglieder der Landessynode wohl ihre Rückreise organisieren konnten, wenn aus der Einladung keine Angabe über das voraussichtliche Ende der Tagung hervorging?

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