Ernteeinsatz statt Schulferien 1942

In Nordrhein-Westfalen genießen Schülerinnen und Schüler zur Zeit die Herbstferien. Sei es im Urlaub mit den Eltern, bei den Großeltern oder zu Hause mit Freunden. Hauptsache ist, man hat endlich etwas Freizeit und keine Hausaufgaben oder sonstig lästige Schulpflichten.

Für Mädchen der Julius-Stursberg-Schule galt das im Jahre 1942 nicht. Die Mädchen der 5. und 6. Klasse sollten zum Ernteeinsatz „eingezogen“ werden. So schrieb die Mädelführerin Pabst des Bannes Moers 237, einer regionalen Gliederungseinheit der Hitler-Jugend für den Bereich Moers, am 15. Mai 1942 dem Schulleiter mit der Bitte, ihr Schülerinnenlisten für den Ernteeinsatz im Herbst zu kommen zu lassen.

AEKR 2LR 020 – Nr. E20b

Es war nicht unüblich Kinder oder Jugendliche zu Erntearbeiten zu bestellen. Der Einsatz war oft verpflichtend und nahm besonders während des Krieges zu. Ein Grund lag hierfür etwa in den Bestrebungen, Minderjährige im nationalsozialistischen Sinne zu erziehen und ihnen Disziplin, Arbeitsamkeit und „Volksgemeinschaft“ näher zu bringen. Ein anderer war ganz pragmatischer Natur: der Mangel an Erntehelfern. Viele Männer wurden zum Kriegsdienst eingezogen und es fehlte an Arbeitskräften, die auch der Einsatz ausländischer Zwangsarbeiter nicht beseitigen konnte. So griff man dann auch auf Minderjährige zurück.

Was die Schülerinnen im Frühjahr 1942 von der ihnen bevorstehenden Erntehilfe dachten, ist nicht überliefert. Freude scheinen sie keine oder wenig gehabt zu haben. Darauf deutet zumindest die Bemerkung von Pabst hin, dass gerade bei Verwandten untergebrachte Mädchen, nicht zufriedenstellende Ernteleistungen ablieferten.

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