Heute vor 75 Jahren: Die Zerstörung des Provinzialkirchlichen Archivs in Bonn

Provinzialkirchenarchiv in Bonn, vorderer Archivraum, um 1935, Aufnahme: Kugler, AEKR 8SL046 (Bildarchiv), 28_00005

Der Dies ater in der mittlerweile 166-jährigen Geschichte unseres Archivs ist der 18. Oktober 1944: An jenem Tag verloren bei dem schweren Luftangriff auf Bonn mehr als 300 Menschen ihr Leben. Auch das Archivgebäude in der Hofgartenstraße 7 wurde völlig zerstört. Wie war das Archiv aber überhaupt nach Bonn gekommen? Welche Überlieferungsverluste sind eingetreten? Und vor allem: Hätte sich das Archiv nicht besser vorbereiten müssen?

Von 1853 bis 1928 war das rheinische Kirchenarchiv in Koblenz am Sitz des Konsistoriums beheimatet. Der Umzug nach Bonn wurde mit möglichen Synergien aus den Kontakten mit der dortigen Universität begründet. Als Archivgebäude diente die ehemalige Dienstwohnung eines Professors. Das Foto des möblierten Benutzerraums dokumentiert, wie sich das Wohnzimmerambiente auch nach den Umbauten erhalten hat.

Am 18.10.1944 hatte das Feuer so rasch den Keller erreicht, dass sowohl die älteren Personalakten der Pfarrer von 1826 an als auch der erst 1937 aus Koblenz zurückgeführte Konsistorialbestand Totalverlust wurden. Diese Bestände waren im Unterschied zum ältesten Bestand „Provinzialkirchenarchiv“ mit seinen frühneuzeitlichen Unterlagen, den wertvollen Gemeindebeständen und den Kirchenbüchern nicht ausgelagert worden. Zerstört wurden ca. 400-600 Bände allein an Sachakten vor allem aus der Zeit des Kaiserreichs und des Ersten Weltkriegs. Die jüngeren Akten aus der Weimarer Republik und der NS-Zeit überstanden in der Registratur des Düsseldorfer Konsistoriums den Krieg.

Letztlich hatte die unprofessionelle Haltung des für das Archiv zuständigen Ruhestandspfarrers Lic. Albert Rosenkranz (1876-1975) die Katastrophe heraufbeschworen. Trotz vielfältiger Warnungen von archivfachlicher Seite und selbst der eigenen Kirchenverwaltung in Düsseldorf hatte er auf Auslagerungen verzichtet, um sich ungestört in seine Forschungen zum rheinischen Pfarrer- und Gemeindebuch vertiefen zu können.

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