Mit Henrike Tetz wurde erstmals eine Superintendentin zur Oberkirchenrätin gewählt

Pfarrerin Henrike Tetz, Wahl zur neuen Leiterin der Abteilung 3 „Erziehung und Bildung“ im Düsseldorfer Landeskirchenamt, Landessynode 2018, Foto: EKiR/Hans-Jürgen Vollrath

Am Donnerstag, 11.01.2018, wählte die Landessynode der Ev. Kirche im Rheinland die Superintendentin des Kirchenkreises Düsseldorf, Pfarrerin Henrike Tetz, als hauptamtliches Mitglied der Kirchenleitung (KL) zur Nachfolge von Oberkirchenrat Klaus Eberl. Damit wurde erstmals eine Superintendentin hauptamtliches Mitglied der Kirchenleitung; die bisherigen Oberkirchenrätinnen, Gisela Vogel, Petra Bosse-Huber und Barbara Rudolph, hatten das Amt einer Superintendentin nicht bekleidet.

Harney, Rudolf, Pfarrer, Oberkirchenrat, Mitglied der 1. Kirchenleitung (KL), 1932, aus Bestand: AEKR Düsseldorf 8SL 046 (Bildarchiv), 10_0110

Es stellte sich mir die Frage, ob denn in der Vergangenheit einer der Düsseldorfer Superintendenten zum Oberkirchenrat berufen worden ist? Immerhin ist Düsseldorf einer der großen Kirchenkreise der Landeskirche. Ich hatte einen Namen im Kopf, nämlich Superintendent Rudolf Harney (Nachlass im Bestand des Archivs), ganz am Anfang der Geschichte unserer Landeskirche nach 1945: Er wurde im Mai 1945 Mitglied der Vorläufigen Kirchenleitung als Repräsentant des Provinzialkirchenrates von 1932. Die Provinzialsynode 1946 bestätigte die Mitglieder der Vorläufigen KL, die „in Ausübung und für die Dauer des Amtes … die Amtsbezeichnung ‚Oberkirchenrat‘ “ führten. 1949 trat Harney bei den ersten Wahlen zur Kirchenleitung der neuen Landeskirche nicht mehr an, weil seine Pensionierung bevorstand. Harney ist also ein Sonderfall.


Wie sieht es in den übrigen fast siebzig Jahren der Geschichte der rheinischen Kirchenleitung aus? Ich habe mir die Wahlen zur KL angesehen und möchte hier zusammenstellen, welcher Superintendent aus welchem Kirchenkreis in die Kirchenleitung berufen wurde:
2013 Christoph Pistorius, Superintendent in Trier seit 2000
2011 Manfred Rekowski, Superintendent in Barmen seit 1993 bzw. Wuppertal seit 2005
2007 Klaus Eberl, Superintendent in Jülich seit 1994
2003 (-2011) Jürgen Dembek, Superintendent in Kleve seit 1991
1997 (-2013) Nikolaus Schneider, Superintendent in Moers seit 1987
1997 (-2003) Manfred Kock, Superintendent in Köln-Süd seit 1980 (Stadt-Sup. in Köln seit 1988)
1989 (-2000) Dr. Jürgen Regul, Superintendent in Essen-Süd seit 1972 (Stadt-Sup. in Essen 1978-1988)
1989 (-1996) Peter Beier, Superintendent in Jülich seit 1972
1981 (-1997) Hans-Ulrich Stephan, Superintendent in Barmen seit 1972
1961 (-1970) Johannes Himmelbach, Superintendent in Niederberg seit 1947
1958 (-1966) Heinz Stöver, Superintendent in Barmen seit 1949
1949 (-1960) Edgar Boué, Superintendent in Bonn seit 1946
1949 (-1968) Johannes Schlingensiepen, Superintendent in Barmen seit 1945
1946/1949 (-1957) Heinrich Held, Superintendent in Essen seit 1946.

Es ist also kein weiterer Superintendent aus Düsseldorf berufen worden. Es fällt auf, dass vier Oberkirchenräte zum Zeitpunkt Ihrer Wahl in die KL Superintendenten in Barmen (Wuppertal) waren. Nur einer stammt aus dem südrheinischen Bereich, Christoph Pistorius. Bis 1968 amtierten immer mindestens zwei ehemalige Superintendenten gleichzeitig in der KL, von 1970 bis 1981 keiner! Bei den Neuwahlen zur KL kamen in diesen Jahren mehrfach Theologen zum Zuge, die bereits als Landeskirchenräte im Landeskirchenamt aktiv waren, oder Personen aus dem Pfarrdienst. Seit 1989 sind immer zwei oder drei ehemalige Superintendenten hauptamtliche Mitglieder der KL. Superintendenten als nebenamtliche Mitglieder der KL bleiben hier unberücksichtigt.

Über die Wahlen zur Kirchenleitung auf den Landessynoden der EKiR informieren die gedruckten Protokolle der Verhandlungen, die im Archiv vorhanden sind.

Landessynode Bad Godesberg, Januar 1961; Fotograf: unbekannt, Bestand: AEKR 8SL046 (Bilarchiv), 0200_0020

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