Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland wird erstmals ein „nicht-rheinischer“ Pfarrer

Das Amt des oder der Präses bezeichnet den leitenden Theologen oder die leitende Theologin der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die Amtszeit beträgt acht Jahre. In diesem Blog wurden bereits einige Beiträge zu früheren Amtsinhabern veröffentlicht.

Am 14. Januar 2021 wurde Dr. Thorsten Latzel als Nachfolger von Manfred Rekowski zum Präses der EKiR gewählt. Wie ein Journalist in der Pressekonferenz nach der Wahl richtig bemerkte, ist Latzel der erste Präses der rheinischen Kirche, der vorher nicht Pfarrer in der EKiR gewesen ist. Er war bisher in Hessen und bei der Evangelischen Kirche in Deutschland tätig.

In der 70jährigen Geschichte der EKiR erstaunt das vielleicht. Da ist es doch interessant, der Frage nachzugehen, ob es denn in der Vergangenheit Kandidaturen außerrheinischer Pfarrer oder Pfarrerinnen für das Präsesamt gegeben hat:

Amtseinführung von Präses Gerhard Brandt 1981, in der Mitte der scheidende Präses Karl Immer, aus Bestand: AEKR 8SL 046(Bildarchiv), 01001_03
  • Auf der Landessynode im Herbst 1948 kandidierte nur Pfarrer Heinrich Held aus Essen und wurde Anfang 1949 als erster Präses der EKiR eingeführt; er wurde 1956 ohne Gegenkandidat im Amt bestätigt. Held verstarb im Amt am 19.09.1957 kurz vor seinem 60. Geburtstag.
  • Anfang 1958 kandidierten als Nachfolger Helds Oberkirchenrat Joachim Beckmann aus Düsseldorf und der Kölner Pfarrer und Superintendent Hans Encke. Gewählt wurde Beckmann.
  • 1965 wurde Joachim Beckmann ohne Gegenkandidat in seinem Amt bestätigt.
  • 1971 stand Beckmann im 70. Lebensjahr und hätte am 18.07. die Altersgrenze erreicht. Für die Neuwahl eines Präses hatte der Nominierungsausschuss der Synode im Juni drei Kandidaten benannt: Superintendent Pfarrer Ernst-Heinz Bachmann aus Köln, den Rektor des rheinischen Pastoralkollegs Rengsdorf, Pfarrer Eberhard Bethge, und Oberkirchenrat Karl Immer aus Düsseldorf. Als vierter Kandidat wurde auf der Synode der Hamburger Theologieprofessor Helmut Thielicke von der „Landessynodalen Arbeitsgemeinschaft 1971“ (DER WEG Nr. 25, 20.06.1971, S. 1) bzw. von Superintendent Erich Dietrich (Verhandlungen der Landessynode 1971, S. 121) vorgeschlagen. Hier war also erstmals die Möglichkeit, dass ein Theologe ohne bisheriges Amt im Rheinland Präses werden konnte (Thielicke war allerdings gebürtig aus Barmen). Im ersten Wahlgang erhielten Bachmann 19 Stimmen, Bethge 102, Immer 81 und Thielicke 55 Stimmen. Im zweiten Wahlgang wurde Immer mit 142 Stimmen zum neuen Präses gewählt, Bethge erhielt 102 Stimmen. „Nicht wenige der Beobachter und auch viele Mitglieder hatten erwartet, daß diese Akte [die Wahlen, U. Dühr] der Synode angesichts der inneren Spannungen in der rheinischen Kirche größere Schwierigkeiten bereiten würden.“ (DER WEG, s. o.).
  • Nach der zweijährigen Rest-Amtszeit war 1973 eine neue Wahl fällig; Karl Immer wurde ohne Gegenkandidat wiedergewählt.
  • 1981 stand der fast 65jährige Immer nicht mehr zur Verfügung, neuer Präses wurde ohne Gegenkandidat Oberkirchenrat Gerhard Brandt aus Düsseldorf.
  • 1989 war Brandt 67 Jahre alt und kandierte nicht wieder. Als Kandidaten waren Superintendent Pfarrer Peter Beier aus Düren und der Landespfarrer für Volksmission Klaus Teschner nominiert. Als neuer Präses wurde Peter Beier gewählt.
  • Beier verstarb im Amt am 10.11.1996 im Alter von 61 Jahren. Als Nachfolger wurde Anfang 1997 Superintendent Pfarrer Manfred Kock aus Köln ohne Gegenkandidat gewählt.
  • 2003 war Kock 66 Jahre alt und ging in den Ruhestand. Zur Wahl standen Oberkirchenrätin Petra Bosse-Huber aus Wuppertal und Vizepräses Nikolaus Schneider aus Neukirchen-Vluyn. Dritter Kandidat war Professor Dr. Günter Ruddat, Bochum; dieser war zu Beginn seines Pfarrdienstes Pfarrer im Rheinland, in Leverkusen. Zum neuen Präses für die restliche Amtszeit wurde im zweiten Wahlgang Vizepräses Nikolaus Schneider gewählt.
  • 2005 wurde Präses Schneider ohne Gegenkandidat wiedergewählt.
  • 2013 stellte sich Schneider – 65 Jahre alt – nicht mehr zur Wahl. Nominiert waren Vizepräses Petra Bosse-Huber, Oberkirchenrat Manfred Rekowski aus Wuppertal und die Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentags, Pfarrerin Ellen Ueberschär aus Fulda. Hier bestand also zum zweiten Mal die Möglichkeit, dass ein Pfarrer oder eine Pfarrerin, die bisher keine Pfarrstelle im Rheinland inne hatte, Präses wurde. Ueberschär schied allerdings nach dem ersten Wahlgang aus, neuer Präses wurde Manfred Rekowski.
Präses Peter Beier, links OKR Ludwig Quaas, aus Bestand: AEKR 8SL 046(Bildarchiv), 80125_08

So ist es 2021 mit der Wahl von Dr. Thorsten Latzel bei der dritten Möglichkeit zur Wahl eines nicht-rheinischen Pfarrers zum Präses der EKiR gekommen. Für sein Amt wünsche ich ihm Gottes Segen!

Ein Gedanke zu „Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland wird erstmals ein „nicht-rheinischer“ Pfarrer

  1. Vielen Dank Herr Dühr für diese Zusammenstellung. In dieser Vollständigkeit kannte ich sie noch nicht.
    Ergänzen möchte ich noch, daß Helmut Thielickes Bezug zum Rheinland sich nicht auf seine Geburt in Barmen beschränkte. Er legte am 11. Okt. 1932 sein 1. Theologisches Examen vor dem Konsistorium in Koblenz ab. Dann ging er allerdings an die Uni zurück. Gemeindeerfahrung hatte er wohl nur kurz während des Krieges in Ravensburg erwerben können.

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