Elternbeirat der evangelischen Volksschule Düren wollte 1926 den Reichsbahnfahrplan beeinflussen

Schreiben Reichsbahndirektion Köln, 1926, aus Bestand AEKR 1OB 008 (Ortsakten Düren AZ. 2)

Wussten Sie, dass es bereits 1926 so etwas modern anmutendes wie einen Elternbeirat einer Schule gab? Ich nicht, und fand besonders interessant, wofür sich der Elternbeirat der evangelischen Volksschule Düren 1926 eingesetzt hat (Archivbestand 1OB 008 – Ortsakten Düren Az. 2).

Südlich von Düren liegt das Gebiet der Voreifel, das damals noch weit überwiegend katholische Bewohner*innen hatte. Dieses wird durch die Eisenbahnlinie Düren – Nideggen – Heimbach erschlossen. Diese Strecke diente auch evangelischen Schüler*innen und Gemeindegliedern als Verbindung zur evangelischen Volksschule oder Gemeinde in Düren. Jedoch hatten die Eltern der Schulanfänger*innen ein Problem: Es fuhr kein Zug zur rechten Zeit!

Daher richtete der Elternbeirat

„Hochachtungsvoll! Gez. Schumacher, Rechtsanwalt, 1. Vorsitzender“ und mit Unterstützung der Volksschule – „gez. Eichner, Rektor“ und der Ev. Gemeinde Düren – „gez. Speckmann, Pfarrer“

durch den zweiten Vorsitzenden, Heinz Pritschau, eine Eingabe an die Reichbahn-Direktion in Köln:

„Unterzeichnete bitten hierdurch so höfl. wie dringend, dass vormittags ein Zug von Düren nach Nideggen und zurück eingelegt wird. Die Eltern der Kinder des ersten Schuljahres sind gezwungen, selbige in die katholischen Dorfschulen zu schicken, weil erst Gelegenheit ist, dass solche um 1.18 [13.18] Uhr von Düren zurückfahren und somit nicht vor 2-3 [14-15] Uhr wieder im Elternhaus sein können. Zudem ist die Schule meistens für die Kleinen bereits um 10 oder 11 Uhr aus und müssen alsdann über 3 Stunden, sich selbst überlassen, in der Stadt zu bringen.“

Bahnhof Düren. Stadt- und Kreisarchiv Düren, Bildarchiv

Auch für den Gottesdienstbesuch, für den man Nideggen „bereits um 6 Uhr vormittags verlassen“ müsse, sei ein Zug mit Ankunft etwa 9.15 Uhr in Düren und Rückfahrt gegen 11.30 Uhr vorteilhaft und würde von „Industrie, Handel und Landwirtschaft“ ebenfalls begrüßt.

Die Reichbahndirektion Köln antwortete, dass eine Verlegung der gut besetzten Züge ab Düren um 8.11 und 1.18 [13.18] Uhr nicht in Frage komme; die Einlage eines weiteren Zugpaares vormittags sei unwirtschaftlich und könne „wegen der ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse der Reichsbahn bis auf weiteres“ nicht durchgeführt werden.

Herr Pritschau bat daraufhin das Konsistorium der Rheinprovinz in Koblenz, „die Angelegenheit in Berlin bei der obersten Reichsbahnbehörde gütigst vertreten zu wollen“, „da wohl nur der gute Wille fehlt.“ Auf dem Dienstweg über den Superintendenten des Kirchenkreises Jülich in Geilenkirchen-Hünshoven, Pfarrer Metzkes, gelangte der Vorgang auf den Schreibtisch von Pfarrer Speckmann in Düren; diesen „klassischen“ kirchlichen Dienstweg können Sie in dem Dokument sehr schön verfolgen. Dieser sollte berichten, um wie viele Kinder es gehe und den Grund für die Annahme nennen, dass nur der gute Wille fehle. Stattdessen schreibt Speckmann zurück, das Presbyterium könne „sich den Darlegungen der Reichsbahn nicht verschließen,“ der Antrag habe sich erledigt.

Das Archiv besitzt im Bestand seiner Bibliothek ein Reichsbahnkursbuch vom 5. Mai 1941 (Signatur Aa 16 k 15), und da ist es interessant, was der Fahrplan 168 e Düren-Heimbach zeigt: Zwischen den Zügen ab Düren um 8.01 und 13.38 Uhr fährt ein Zug um 10.51 Uhr, also etwas früher als 15 Jahre zuvor beantragt. Der Gegenzug trifft 10.14 Uhr in Düren ein, also nicht gegen 9.15 Uhr, wie gefordert. Für einen Gottesdienstbesuch am Sonntag brachte diese Verbindung also keinen Gewinn.

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