„… tauchte ein ins Dämmerlicht rheinischer Archive“

Dieses Zitat stammt aus dem 1992 erschienenen Roman „Carmen“ von Jochen Schimmang, der lange auch in Köln gelebt hat. Protagonist der Handlung ist der promovierte Mediävist Simon Simon, für den es an der Universität nicht so recht weitergeht. Daher verlässt er „die hellen und blühenden Wege Dahlems und tauchte ein ins Dämmerlicht rheinischer Archive“. Nach der Ausbildung in Marburg wird er Archivar in Koblenz, „immerhin mit A 14!“ Dann verliebt er sich in eine halb so alte Spanierin namens Carmen (natürlich).

Erwähnt wird Schimmangs Roman in einem lesenswerten Beitrag (Hinweis von Archivalia) von Georg Ruppelt über das Image von Archivaren in der jüngeren Literatur. Der Bogen spannt sich dabei von Hermann Kasacks Klassiker „Die Stadt hinter dem Strom“ hin zu diversen Kriminalromanen. Seit der entsprechenden Studie von Ina Kießling 2011 über das Berufsimage hat sich ja auch YouTube zusehends mit Imagefilmen aller Archivsparten gefüllt.

Blättern Sie übrigens weiter, wenn Sie wissen wollen, wie es mit Dr. Simon und seiner Carmen weitergeht.Die erste Sichtprüfung war gar nicht schlecht ausgefallen: „Und er sah hübsch aus, das musste sie zugeben; einen Archivar hatte sie sich immer ganz anders vorgestellt. Ach was, sie hatte sich Archivare überhaupt nicht vorgestellt!“ Bald aber verliebt sich Carmen in einen Studenten, den sie auch heiraten will. Als ihr Simon noch einmal begegnet, begrüßt sie ihn: „Sie! … Sie Archivoberrat!“ Es kommt zur physischen Auseinandersetzung. Simon versucht sie zu erwürgen, aber sie entkommt. „Nicht einmal richtig zudrücken kann ich, dachte er, nicht einmal das.“

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