Henk Schilling, Siegelzeichner der Evangelischen Kirche im Rheinland

Henk Schilling, Foto: Familie Schilling

Henk Schilling, Grafiker, Glasfenstergestalter, Siegelzeichner, geboren am 7. November 1928, gestorben am 24. Februar 2005.

Im Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland sind 22 Siegel von Henk Schilling vorhanden. Nachfolgend eine Auswahl an Siegeln und Biografie von Tochter Miriam Schilling mit Erläuterungen zum künsterlischen Werden und Wirken Schillings:

  • Siegelumschrift "Ev. Kirchengemeinde Orsoy", Symbol: Stadtgrundriss mit alter Stadtmauer, 15.12.1972, in Amtsblatt 1/1973; aus Bestand: AEKR 8SL 038 (Siegelsammlung);

 

EvKircheOrsoy Innenraum.JPG

Innenraum der Evangelischen Kirche Orsoy, Wikipedia, CC BY 3.0

Oben zu sehen sind die Siegel der Ev. Kirchengemeinden: Orsoy, für die Henk Schilling auch Kirchenfenster entworfen hat, Düsseldorf-Heerdt und Haffen-Mehr-Mehrhoog. Weitere Kirchen-Siegel von Henk Schilling sind: Zion-Kirchengemeinde Düsseldorf, Ev. Kirchengemeinden Wertherbruch, Styrum, Niederbieber, Mülheim am Rhein, Lintfort, Kreuz-Kirchengemeinde Düsseldorf, Königshardt, Isselburg, Anrath, Hamminkeln, Haldern, Essen-Bedingrade, Düsseldorf-Heerdt, Drevenack, Hiesfeld, Anrath-Vorst, Kirchenkreis Duisburg-Süd.

Henk Schilling war zusammen mit den Grafikern Herbert Westphal, Herbert Schuffenhauer, Walter Sauer, Eva Limberg und Fritz Ludig Schmidt Teilnehmer der ersten interdisziplinären Tagung zum Thema kirchliches Siegelwesen der Ev. Akademie Mülheim an der Ruhr 1963. Diese Tagung diente dem Austausch zwischen Grafikern, Kirchen-Archivaren und Kirchenjuristen. Diese Tagung gab auch Anstöße für die Richtlinien für das Siegelwesen in der Evangelischen Kirche im Rheinland  vom 17. November 1966.

Henk Schilling stand auch auf der Empfehlungsliste für die Kirchengemeinden, die ein neues Kirchensiegel planten und deswegen den Kontakt zu Grafikern suchten.

weitere Infos siehe Bestand: AEKR 8SL 038 (Siegelsammlung)

Glasfenster des Künstlers Henk Schilling sind in folgenden Kirchen zu sehen:

  • Evangelischen Christus-Kirchengemeinde Alt-Oberhausen
  • Evangelischen Kirche Orsoy
  • Ev. Kreuzkirche Duisburg-Rheinhausen-Friemersheim
  • Ev. Melanchthonkirche Düsseldorf-Grafenberg
  • Ev. Graf-Recke-Kirche Düsseldorf-Kalkum
  • Ev. Dreifaltigkeitskirche Essen-Borbeck
  • Ev. Lukaskirche Langenfeld-Richrath
  • Ev. Kirche im Rumbachtal Mülheim an der Ruhr
  • Ev. Immanuelkirche Mülheim an der Ruhr-Styrum
  • Ev. Kirche Solingen-Ketzberg
  • Katholische Kirche Herz Jesu Oberhausen-Sterkrade

Nachfolgend eine Biografie von seiner Tochter Miriam Schilling:

„Der Schwerpunkt des Werks von Henk Schilling liegt in der Glasmalerei. Hauptsächlich entwarf er Kirchenfenster, die er selbst ausführte. Daneben entstanden weitere Arbeiten mit anderen Materialien wie Mosaike, Holzintarsien, Antependien und Wandteppiche in Gobelin oder in gemischten Techniken, Plastiken aus Epoxydharz, magnetische Wände und weitere „Spielobjekte“.

Aufträge erhielt Schilling in den Niederlanden und deutschlandweit. Die meisten Arbeiten befinden sich in Kirchen am Niederrhein und im westlichen Ruhrgebiet.

Lebenslauf

Geboren in Voorburg, Niederlanden, wuchs (Johannes Hendrik) Henk Schilling in Arnheim auf.

Sein Vater, Johannes Hendrik Eduward Schilling (geboren 1893, gestorben 1942), lehrte an der Academie Kunstoefening te Arnhem Glasmalerei und arbeitete zudem als freischaffender Künstler. J.H.E. Schillings Werkstatt befand sich in der unteren Etage des Wohnhauses. Sohn Henk wuchs mit dem Glasmalerhandwerk auf. Mit 12 Jahren hatte er ein kleines Fenster selbständig ausgeführt. Er kannte die Prozesse der inhaltlichen Auseinandersetzungen in der Entwurfsphase und den Aufwand der Ausführung eines Fensters. Und er wusste um die ständigen Geldnöte eines Glasmalers und Künstlers und die Suche nach neuen Auftraggebern.

Der Krieg hatte tiefgreifende Auswirkung auf Schillings Leben. Durch den Tod seines christlichen Vaters, November 1942, verschwand der verbliebene Schutz, den Schilling, seine beiden älteren Schwestern und seine jüdische Mutter (geb. Carels) vor den Nazis gehabt hatten. Während die Mutter, Hanna Carels, in das Sammellager Westerborg verschleppt wurde, konnten die Kinder getrennt untertauchen. Als Kind zeitweise auf sich allein gestellt, überlebte Schilling die deutsche Besatzungszeit in den Niederlanden. Traumatisiert von Krieg und Verfolgung war die bildende Kunst eine für ihn essentielle Ausdrucksform in seinem weiteren Leben.

Schilling studierte von 1949 bis 1954 an der Rijksakademie van beeldende Kunsten te Amsterdam. Heinrich Campendonk nahm ihn in seine Meisterklasse im Bereich „monumentale und dekorative Künste“ auf. Das Fachgebiet Architektur wurde von Architekt Gerrit Thomas Rietveld (de Stijl) unterrichtet. Auf Anraten Campendonks erlernte Schilling das Gobelinweben an den Kölner Werkschulen (seit 1971 Fachhochschule Köln). Die Technik wurde ihm von Christa Forsten vermittelt, die er 1953 heiratete.

Künstlerisch technische Entwicklungen

Schilling führte seine Entwürfe fast von Anfang an selbst aus. Die praktische Handwerkstätigkeit schärfte zusätzlich sein reges fachliches und technisches Verständnis, aus dem er innovative Anstöße für seine Arbeiten zog.

Die Begegnung mit dem Künstlerfreund Gottfried Kappen eröffnete ihm den Zugang zu Kunststoffen und einem Unternehmen der Petrochemie. Er ist maßgeblich an der Entwicklung eines Epoxydharzklebers beteiligt. Auf Anregung von Schilling wurde ein „Kriechmittel“ für einen transparent bleibenden Epoxydharzkleber entwickelt. So ist er bereits 1964 in der Lage, Glas auf Glas zu kleben. Das ermöglichte ihm, Farbnuancen und malerische Effekte durch mehrere Glasschichten hindurch zu erzielen, zudem konnte er zusätzlich Prismen, Glasstäbe, Bruchglas, glasfremde Materialien und filigranere Zeichnungen verwenden.

Eine Weiterentwicklung war ein Kunstharzmörtel. Das ermöglichte Schilling ein Dickglasfenster auszuführen, welches ein tragfähiges Teil eines Kirchendaches ist (1965 Johanneskirche in Mülheim/Ruhr). Das Epoxydharz diente auch als Grundstoff für Plastiken (Kreutz und Dornenkrone, ev. Kirche Oberhausen Alstaden).

Darüber hinaus verfolgte Schilling weitere neue Techniken und Möglichkeiten sehr aufmerksam, so nutzte er UV empfindliche Farben, um Fotos auf das Glas zu bringen (1972 Lukaskirche in Langenfeld, Richrath).

Später nutzte er eine eigene Technik, Reproduktionen mittels des Epoxydharzklebers, auf Glas aufzutragen.

Stilistische und inhaltliche Entwicklungen

Anfang der 60er Jahre werden seine Entwürfe abstrakt und lösen sich so stilistisch von seinen Arbeiten aus Studienjahren. Die Fenster korrespondieren mit der modernen Architektur. Es galt, den Raum durch Proportion und Rhythmus mittels farbigen und strukturierenden Flächen zu gestalten.

Der Epoxydharzkleber gab ihm Möglichkeiten, die Zweidimensionalität der Fläche gestalterisch noch mehr zu durchbrechen.

Unter Joachim Beckmann, Präses der Ev. Landeskirche Rheinland, wurde in den 50er – 60er Jahren ein Arbeitskreis Kirchenbau ins Leben gerufen. Teilnehmer waren neben Theologen auch Künstler und Architekten wie u.a. Denis Boniver und Horst Dilke. Ebenfalls initiierte die Kirche ein Treffen von Ost- und Westkünstlern in Berlin. Schilling sympathisierte mit dem Selbstverständnis der anwesenden Künstler aus dem Osten. Deren künstlerischer Ansatz für die Kirche war, Räume für Menschen zu gestalten und nicht die Architektur in den Mittelpunkt zu stellen.

Durch die Zusammenarbeit mit seinen Künstlerfreund Herman Ysebaert aus Amsterdam bekam Schilling Anstoß, Themen und Inhalte gemeinsam mit den Mitgliedern der Kirchengemeinden zu entwickeln. Ysebaert, der der Künstlergruppe „Kukeleku“ angehörte, begleitete politisch und künstlerisch eine Bürgerinitiative und stand der Idee der demokratischen Kunst aus den frühen 70er Jahren nahe, „Jeder kann Kunst machen“. Diese Idee hat Schilling jedoch nie geteilt.

Schilling beschäftigte sich dauerhaft mit den Auswirkungen des Nationalsozialismus in das aktuelle Leben der Nachkriegs-Demokratien und verband diese politischen Aspekte mit der Auslegung christlich- beziehungsweise jüdisch-religiöser Themen vor dem Hintergrund seiner persönlichen Lebenserfahrungen. Sein persönliches Anliegen war, sich für eine menschliche und humanistische Welt einzusetzen. Im Prozess wechselseitiger Diskussionen in der Gemeinde vertrat er seinen Standpunkt auch mit großer Vehemenz.

Schilling arbeitete ab den 70er Jahren nach dem Grundsatz: „Der Künstler stellt sich in den Dienst einer Gemeinde“. Zuerst wird ein gemeinsamer emotionaler Beweggrund der Gemeindemitglieder erarbeitet. Dieser Prozess stiftet Identität, so dass das Fenster nicht nur eine Dokumentation der Diskussion, sondern zum Bezugspunkt der Gemeinde wird.

Zurückgreifend auf die Diskussion und Reflexion der Gemeindemitglieder und auf die Bibel erarbeitete er einen Entwurf für die Fenster, die er mit gegenwärtigem Verständnis globaler und historischer Bilder sowie Entlehnungen aus anderen Kulturen verwebte. Da Bilder eine gute Grundlage für reichhaltige Assoziationen bilden, dienen sie wiederum den jeweiligen Gemeinden zu  Anregungen für neue Gedanken und deren Austausch. (zuerst, 1974 in Frankfurt, Limesstadt / zuletzt, 1991 Dreifaltigkeitskirche, Essen).

Die gemeinsame Suche mit Gemeindemitgliedern nach einer Bildersprache ließ in seinem Arbeitsstil wieder figurativere Darstellungen zu.

Politisch engagierte sich Henk Schilling Anfang der 70er Jahre im Vorstand des BBK in Düsseldorf (heute Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler e.V., Bezirksverband Düsseldorf). Ziel war es unter anderem, die Künstler Sozialkasse einzurichten. Schilling fungierte vor allem als Verbindungsmann zu niederländischen Institutionen sowie niederländischen Künstlern und der BBK.

Henk Schilling starb im Februar 2005 in Mülheim an der Ruhr und hinterließ Ehefrau und vier erwachsene Kinder.

Schilling hat keine systematischen Aufzeichnungen über Orte und Arbeiten gemacht. Eine vollständige Auflistung seiner Werke ist daher nicht möglich. Die vorliegende Liste ist aus dem Gedächtnis von ihm und der Familie entstanden und ist mit Daten aus Schriften und Zeitungsartikel ergänzt und teilweise zeitlich eingeordnet worden.“

Text: Miriam Schilling, Dezember 2017

In der Bibliothek des Archivs der Ev. Kirche im Rheinland gibt es folgende Bücher zum Thema:

Nachgewiesen wird Henk Schilling auch im niederländischen Portal ·         rkd.nl (Rijksbureau voor Kunsthistorische Documentatie)

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