„Anbei übersende ich den erbetenen Bericht über die Evakuierung der Stadt Eschweiler und für die Finanzabteilung eine Aufstellung über das Vermögen der Evangelischen Gemeinde Eschweiler, soweit mir Unterlagen dafür zur Verfügung standen“ (1OB 008 Ortsakten, Nr. 5940).
Als Pfarrer Friedrich Kreip (1901-1965) diese Zeilen am 5. Januar 1945 an das Konsistorium in Düsseldorf verfasste, hatte er Eschweiler bereits verlassen und befand sich in Holpe. Freiwillig ging Pfarrer Kreip indes nicht aus seiner Kirchengemeinde. Doch vorrückende feindliche Truppen und die Zunahme militärischer Kampfhandlungen machten den Verbleib der Zivilbevölkerung in Eschweiler im Herbst 1944 unmöglich. Die Bürger selber wurden angewiesen, bis Mitte September die Stadt zu verlassen. Die Evakuierungsmaßnahmen gestalteten sich jedoch schwierig: „Der Abtransport sollte vom Hauptbahnhof durch Züge erfolgen. Eine große Zahl von Einwohnern begab sich daufhin (sic) zum Bahnhof, um sich in Sicherheit zu bringen. Der erste Zug mit Evakuierten wurde indes von Tieffliegern beschossen und bombardiert, wodurch etwa 50 Todesopfer entstanden und eine größere Anzahl von Personen mehr oder weniger schwer verletzt wurde“ (s.u.).
Pfarrer Kreip harrte mit seiner Frau nach Möglichkeit in Eschweiler aus. Dies bescheinigte zumindest das Presbyterium der Ev. Gemeinde Eschweiler: „Er hat während der Beschiessung (sic) Eschweilers bei seiner Gemeinde ausgehalten, bis die Gemeinde restlos evakuiert war und er selbst durch die Massnahmen (sic) der Partei gegen seinen Willen gezwungen wurde, seinen Pfarrsitz zu verlassen“ (1OB 005 Spruchkammerverfahren und Entnazifizierung, Nr.38, Bl. 94).
Nach Ende des Krieges setzte sich die Kirchengemeinde tatkräftig für ihren Pfarrer ein, der dem Wunsche der Militärregierung nach aufgrund seiner NSDAP-Mitgliedschaft aus dem Dienst entlassen werden sollte (vgl. ebd., Bl. 79). Die Kirchengemeinde hielt jedoch zu ihrem Pfarrer: „Nach seiner Rückkehr aus der Evakuierung hat er sich mit Tatkraft der Sammlung seiner Gemeinde und dem Wiederaufbau unter schwierigsten Arbeitsbedingungen angenommen, und es ist ihm gelungen, trotz vieler erschwerender Umstände wieder der Gemeinde eine geordnete geistliche Versorgung zu sichern“ (ebd., Bl. 94).
Zu seinem Parteieintritt gab Friedrich Kreip an: „Mit meinem Eintritt in die Partei verfolgte ich den einen Zweck, dem Wohl der Gemeinde zu dienen, indem ich glaubte, dadurch Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen“ (ebd. Bl. 92).
Die eingereichten Einsprüche und verschiedenen Leumundszeugnisse führten schließlich dazu, dass die Militärregierung ihre Beanstandung zurück zog. Pfarrer Friedrich Kreip durfte wieder auf seine 1933 bezogene Pfarrstelle zurück kehren, welche er letztendlich bis 1964 inne hielt.
Mag der Bericht von Friedrich Kreip aus dem Jahre 1945 dem Konsistorium und der Finanzabteilung vor allem der Schadensermessung gedient haben, so ist er eine wichtige Momentaufnahme der Kriegssituation im Herbst 1944 und damit ein wichtiges zeitgeschichtliches Zeugnis für die Geschichte sowohl der Stadt als auch der Kirchengemeinde Eschweiler.

