Weihnachtsbräuche, vergessen oder noch aktuell? Teil 1: Die Adventszeit.

Advent Gottesdienst am 2. Advent Hans Lachmann, Schachtel Nr. 15: Advent

In wenigen Tagen wird der zweite Adventssonntag begangen. Das heißt, dass in vielen Haushalten in Deutschland die zweite Kerze auf dem festlich hergerichteten, möglicherweise auch auf einem selbstgemachten DIY-Adventskranz angezündet wird. Dazu gibt es noch selbstgebackene Plätzchen, Punsch oder Glühwein und vielleicht läuft bei dem einen oder anderen „heimelige Weihnachtsmusik“ im Hintergrund (#Wham! #RolfZuckowski). Ach ja, der Weihnachtsbaum ist natürlich auch schon aufgestellt und geschmückt. „The same procedure as every year…“ Aber warum?

An Weihnachten werden wir alle wieder zu Traditionalisten. Pünktlich zur Adventszeit wiederholen wir das, was es schon im elterlichen oder großelterlichen Haus zu sehen und erleben gab und geben „unsere Bräuche“ an die nächste Generation weiter. Doch wie viel wissen wir um eben diese Bräuche? Können Sie auf Anhieb erklären, warum wir einen Adventskranz oder Adventskalender haben? Oder überhaupt, was Advent bedeutet? Kennen Sie das Frauentragen? Was ist mit dem Adventsblasen? Keine Sorge. Dieser Beitrag bringt etwas Licht ins Dunkel!

Advent (lat. adventus) bedeutet Ankunft. Im Advent wartet man einerseits mit der Geburt Jesu Christi auf die Ankunft Gottes unter den Menschen. Andererseits wartet man auf die Wiederkunft Christi als Weltenrichter am Ende aller Zeiten. D.h. der Advent hat also eine doppeldeutige Bedeutung.

Advent 4 Frauen hängen einen Adventskranz auf Internationales Frauenwohnheim der Diakonie Hans Lachmann, Schachtel Nr. 15: Advent

Mit dem 1. Sonntag nach dem 26. November wird die Adventszeit eingeläutet. Der Advent wurde als Zeit der inneren Einkehr, der Stille und Besinnung empfunden, in welcher man sich auf das kommende Weihnachtsfest vorbereitete. Das bedeutete, dass man keine Partys feierte, auf keine Tanzveranstaltungen ging, ja nicht einmal kirchliche Trauungen vollzog. Zudem war es früher auch üblich bis zum Weihnachtstag auf Süßigkeiten zu verzichten, um die Wartezeit auf das Weihnachtsfest mit eben diesem Verzicht intensiver zu erleben. Das dürfte sich heute wohl etwas geändert haben.

Beibehalten wird hingegen der Adventskranz, gleichwohl dieser Brauch noch relativ jung ist. Er wurde vom ev. Pfarrer Johann Hinrich Wichern (1808-1881) ins Leben gerufen, von dem schon im letzten Blog zu lesen war. Wichern, Begründer des „Rauhen Haus[es]“ für gefährdete Jugendliche in Hamburg, hatte um 1838 den Einfall eines Lichterkranzes. Auf diesem sollten, beginnend mit dem 1. Adventssonntag, jeden Tag eine zusätzliche Kerze entzündet werden, sodass am Weihnachtsfest 24 Kerzen brannten. Zudem konnte er die entfachten Lichter in seine Andachten einbinden. Das täglich zunehmende Licht stand auch symbolisch für Christi als Lichtbringer in unsere Welt. Das Unterfangen, einen Kranz in der passenden Größe für 24 Kerzen zu finden, der zudem auch noch auf einem Leuchter befestigt werden konnte, gestaltete sich jedoch etwas schwierig. Viel praktischer war da der Einfall an jedem Adventssonntag ein neues Licht anzuzünden. Damit war der Adventskranz mit vier Kerzen, wie wir ihn heute kennen, geboren. Nach dem 1. Weltkrieg wurde der Adventskranz auch in südlicheren Gebieten Deutschlands populär, gleichwohl zuerst nur in evangelischen Kreisen. Nach dem 2. Weltkrieg eroberte er unaufhaltsam auch katholische Haushalte und ist heute aus der Adventszeit nicht wegzudenken. Übrigens, der Rückgriff auf Tannenzweige rührt daher, dass diese früher in der Stube oder im Stall aufgehängt wurden, um böse Geister zu vertreiben, die während der Wintersonnenwende ihr Unwesen trieben.

Etwas jünger als der Adventskranz ist der Adventskalender, wobei seine Herkunft nicht eindeutig geklärt ist. Er entsprang wohl dem Brauch die Zeit vor Weihnachten, also die Warte-und Vorbereitungszeit auf die Ankunft Christi, entsprechend zu gliedern. Auch hatte er zu Beginn überhaupt nichts mit Schokolode oder kleinen Werbeartikeln zu tun, sondern hatte noch einen religiösen Bezug. Der Münchener Verleger Gerhard Lang brachte 1903 einen „Weihnachtskalender“ heraus. Dabei handelte es sich um zwei Bögen, einen mit 24 Feldern und einen mit 24 Bildern. Es galt jeden Tag ein Bildchen auszuschneiden und in das jeweilige Feld zu kleben. Der „Weihnachtskalender“ wurde mit der Zeit dahingehend umgewandelt, dass nun täglich an 24 Tagen hintereinander ein Türchen zu öffnen war, hinter welchem sich ein Bild aus einer biblischen Geschichte verbarg.

Ebenfalls typisch für den Advent sind Adventstransparente und der Adventsstern. Ersteres entwickelte sich parallel zum Adventskalender. Heute noch sieht man mit Lichterketten oder Transparenten beschmückte Fenster, die abends erleuchtet werden. Ursprünglich sollte so das Licht der Ewigkeit impliziert werden. Auch der Adventsstern ist in so manchem Haushalt anzutreffen. Er soll an den Stern erinnern, der die Weisen aus dem Morgenland zum geborenen Christkind nach Bethlehem führte. Am bekanntesten und verbreitetsten dürfte wohl der Hurrnhuter Stern sein. Er kam als „Adventsschmuck“ bei der Herrnhuter Brüdergemeinde in ihren Adventssingstunden zum Einsatz.

Advent Frau und Kind schauen sich ein Lebkuchenhaus an Hans Lachmann, Schachtel Nr. 15: Advent

Weniger bekannt hingegen dürfte das „Frau(en)tragen“ in der Adventszeit sein. Dieser Brauch war eher im Alpenland verbreitet und stellte die Herbergssuche nach. Täglich wurde ein Marienbild zu einer anderen Familie getragen. Dort versammelte man sich dann mit der Familie und Freunden zu einer Hausandacht. Auch aus dem Alpenland stammend waren die Adventsspiele, bei denen die Verkündigung dargestellt wurde.

Schließlich gehört zur Adventszeit das Adventssingen. Besungen wird in den Liedern das Kommen des Heilands. Musikalisch wird es auch mit dem Adventsblasen, welches v.a. in Norddeutschland seit dem 17. Jahrhundert Brauch ist. So zieht man entweder in der Frühe des Adventsonntages mit einem Posaunenchor durch den Ort oder man gibt abends an ausgewählten Plätzchen kleine Posaunenkonzerte. Vielleicht sagen dem einen oder anderen noch die Adventsumzüge oder sogenannte Lärmumzüge etwas? Dieser Brauch ist eher im Süden Deutschlands und Österreichs zu verorten und hat mit dem christlichen Advent eigentlich nichts am Hut. Durch das Lärmen sollen böse Geister und Dämonen vertrieben werden. In meiner Studienzeit in Passau durfte ich einige Lärmumzüge bestaunen. Während des Perchentlaufens ziehen die Darsteller in sehr aufwendigen und beeindruckenden Kostümen als Perchte oder Krampusse durch die Innenstadt umher, lärmen mit ihren Glocken und malen – wenn man nicht aufpasst oder schnell genug ist – die Gesichter der Passanten mit schwarzer Farbe an. Wer mal einen Blick auf die wirklich sehenswerten Kostüme werfen und etwas über Perchten, Krampus oder die weiße Frau lesen will, dem sei die Seite des Passauer Vereins „Vorwoid Deifen Passau e.V.“ herzlich empfohlen!!

Perchtenmaske, in „Haus der Natur“, Salzburg Austria – https://de.wikipedia.org/wiki/Percht#/media/Datei:Perchtenmaske.jpg

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