Erste Sammlung für die Aktion „Brot für die Welt“ im Dezember 1959

Brot für die Welt, Spendenaufruf, ca. 1959, aus Bestand: AEKR 8SL 049 (Plakatsammlung)

Die Sammlung für die Aktion „Brot für die Welt“, heute Teil des „Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung e.V.“, ist nicht nur in kirchennahen Kreisen der Öffentlichkeit bekannt. Dass diese Sammlung im Dezember 2019 auf eine 60-jährige Geschichte zurückblicken konnte, ist auch in der Presse gewürdigt worden. Eines der ältesten Dokumente in unserem Archiv dazu ist der „Aufruf zu der Kollekte vom 31. Dezember 1959 für die Opfersammlung „Brot für die Welt“. Dieses Blatt war dem „Kirchlichen Amtsblatt der Evangelischen Kirche im Rheinland“ Nr. 23 vom 18.12.1959 beigegeben. Das Amtsblatt informierte darüber, dass die Kirchenleitung am 17. September 1959 diese Zweckbestimmung beschlossen hatte.

„Bewährungsprobe der Christenheit“

Beilage zum Kirchlichen Amtsblatt Nr. 23/1959, aus: Kirchliches Amtsbaltt Nr. 23/1959

Das Blatt sollte die Pfarrer bei der Abkündigung der Kollekte zur Hilfe für die Hungernden in der Welt unterstützen. „Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland hat alle Landeskirchen aufgefordert, im Dezember 1959 eine Sammlung „Brot für die Welt“ zu veranstalten. Die Kollekte am Altjahrsabend soll in die Sammelaktion eingebaut werden.“ Bereits 1957 und 1958 seien die Kollekten in den Sylvester-Gottesdiensten für die Hungernden der Erde bestimmt gewesen und hätten Beträge von 63.835 DM bzw. 81.432 DM erzielt. Für 1959 hoffte man auf Kollekten in Höhe von 100.000 DM (Protokoll der Sitzung der Kirchenleitung vom 17.09.1959 und Vorlage dazu). Die Kirchenzeitung „Der Weg“ titelte in ihrer Weihnachtsausgabe auf Seite 2: „‘Brot für die Welt‘ eine Bewährungsprobe der Christenheit.“

Das Ergebnis der Sammlung wurde der Kirchenleitung in ihrer Sitzung vom 12. Mai 1960 vorgestellt. Demnach habe die Kollekte am 31.12.1959 im Rheinland den Betrag von 200.045, 21 DM ergeben. Die Spenden aus den Gemeinden betrugen 2.142.205,81 DM. Noch nicht erfasst sei der Ertrag der ausgegebenen 50.000 [!] Sammelbüchsen. In der Evangelischen Kirche in Deutschland habe das Gesamtergebnis der Sammlungsaktion 18,7 Millionen DM betragen, davon 14 Millionen in Westdeutschland und 4,7 Millionen in der DDR.

Die Vorlage für die Sitzung enthält eine Aufstellung der Spendenergebnisse nach Kirchenkreisen: Demnach wurde im Kirchenkreis Elberfeld in Wuppertal – die Stadt war vor 60 Jahren noch sehr kirchlich geprägt – absolut und auch pro Kopf der höchste Betrag gespendet: 267.428,08 DM insgesamt und 158 Pfennig pro Kopf. Gute Pro-Kopf-Ergebnisse erzielten die Kirchenkreise Niederberg (um Velbert) mit 127 Pfennig, An der Agger (um Gummersbach) mit 120 Pfennig und Barmen (in Wuppertal) mit 106 Pfennig pro Kopf. Die Großstädte wie Düsseldorf, Köln, Duisburg und Essen lagen mit 51/44/45/42 Pfennig unter dem Durchschnitt der Landeskirche (56 Pfennig).

„Beschämender Mangel an Opferfreudigkeit“

Das Sitzungsprotokoll berichtet: „In der Aussprache wird allgemein die Meinung vertreten, dass das Ergebnis als unbefriedigend bezeichnet werden muss und einen beschämenden [!] Mangel an Opferfreudigkeit innerhalb der evangelischen Christenheit aufweist. Da es sich nicht um eine akute Notlage handelt, die mit einer einmaligen großen Hilfsaktion behoben werden kann, müssen die Überlegungen zur Aktivierung der Gemeindeglieder fortgesetzt werden.“

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